36 Verletzte bei Anschlag auf Militärbasis in Kolumbien

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Bei einem Anschlag auf einen Militärstützpunkt im Nordosten Kolumbiens sind mindestens 36 Menschen verletzt worden. Drei der Opfer seien schwer verwundet worden, als auf dem Gelände der 30. Brigade in Cúcuta eine Autobombe explodierte, sagte Verteidigungsminister Diego Molano Aponte am Dienstag (Ortszeit) am Tatort. Nach ersten Erkenntnisse hatten zwei Personen einen mit Sprengsätzen beladenen Geländewagen auf den Stützpunkt gefahren.

Innerhalb von wenigen Minuten kam es zu zwei schweren Explosionen. Auf Videos waren ein großer Feuerball und eine hohe Rauchwolke zu sehen. „Wir verurteilen diese niederträchtige Tat“, erklärte Molano. „Die erste Hypothese ist, dass die Guerillaorganisation ELN hinter der Tat steckt“, so Molano. „Aber wir prüfen auch eine mögliche Verwicklung einer Splittergruppe der Rebellenorganisation FARC.“

Der Stützpunkt der 30. Brigade in Cúcuta ist die wichtigste Militärbasis im Nordosten Kolumbiens. Von dort werden die Einsätze gegen die Rebellengruppe ELN und die verbliebenen Splittergruppen der Guerillaorganisation FARC koordiniert. In der Region an der Grenze zu Venezuela sind auch zahlreiche kriminelle Gruppen aktiv.

Im Jännere 2019 hatte die ELN einen Bombenanschlag auf eine Polizeiakademie in der Hauptstadt Bogotá verübt. 22 Menschen kamen damals ums Leben. Die kolumbianische Regierung brach daraufhin die Friedensgespräche mit der Guerillaorganisation ab.

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Die marxistisch-leninistische Nationale Befreiungsarmee (ELN) hat rund 5.000 Kämpfer. Sie verübt vor allem im Osten Kolumbiens Anschläge und nimmt Geiseln. Die Organisation orientierte sich zunächst stark am kubanischen Sozialismusmodell, später schlossen sich viele von der Befreiungstheologie geprägte Geistliche der Gruppe an. Bis 1998 wurde die ELN vom spanischen Priester Manuel Pérez geführt.

Die ehemals größte Guerillaorganisation FARC hatte 2016 den jahrzehntelangen Konflikt mit rund 220.000 Toten und Millionen Vertriebenen in dem südamerikanischen Land mit einem Friedensvertrag mit der Regierung beigelegt. Tausende Kämpfer legten daraufhin die Waffen nieder, die Führungsriege der Gruppe wollte ihre Ziele künftig als politische Partei verfolgen.

Einige Splittergruppen lehnten den Friedensvertrag allerdings ab und führten den Kampf fort. Zudem gestaltete sich die Wiedereingliederung der Rebellen ins zivile Leben schwierig. Mittlerweile sollen über 4.000 ehemalige Kämpfer wieder in den Untergrund gegangen sein.


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