Freitas ließ bei den Festwochen das Klangforum tanzen

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Der Mond lässt sich auf vielerlei Art anbeten. Im Fall von Marlene Monteiro Freitas‘ Interpretation von „Pierrot lunaire“ ist es eine vor allem amüsant-irrwitzige Variante, die aktuell bei den Wiener Festwochen geboten wird. Die kapverdische Choreografin schickt für Arnold Schönbergs Melodram das Klangforum Wien sowie Stimmkünstlerin Sofia Jernberg auf eine Mondbasis, in der der Lagerkoller so richtig zugeschlagen hat. Premiere war am gestrigen Mittwoch.

Das Setting in der Halle E des Museumsquartiers erinnert an einen Science-Fiction-Film der 80er-Jahre. Auf die mittig positionierte Bühne haben die Besucherinnen und Besucher von vier Tribünen aus Einblicke, die sich durchaus unterscheiden. Denn Stillstand ist nicht angesagt, vielmehr dürfen die Protagonisten unter der musikalischen Leitung von Ingo Metzmacher nicht nur Schönbergs kunstvolle Atonalität in 21 Gedichten umsetzen, sondern auch im weitesten Sinne tanzen.

Die Bezüge sind vielfältig: Neben den Sci-Fi-Anleihen sind es allen voran religiöse Motive, die in den knapp 80 Minuten immer wieder auftauchen - sei es durch die verkehrt herum angezogene Priesterkleidung, das Brechen und Teilen des Brotes oder kurze Predigten. Was das mit den Texten des belgischen Dichters Albert Giraud, auf denen Schönbergs Werk beruht, zu tun hat, weiß wohl niemand so genau - das Publikum erfährt es jedenfalls nicht.

Stattdessen darf man sich erfreuen an irren Blicken, die von Jernberg und Co in die Reihen geworfen werden, an kleinen Balletteinlagen auf rollenden Stühlen oder an Slapstick-Vorführungen, die von zufällig fallenden Partituren bis zu Zungenakrobatik reichen. Und natürlich nicht zu vergessen: die Musik. Das Klangforum lebt sich in Schönbergs Klangwelt nach Herzenslust aus, bringt kurze, eruptive Ausbrüche mit viel Energie und weiß auch Momente der Stille zu zelebrieren. Es ist ein wunderbarer Rahmen für Jernbergs Extravaganz, der man nur etwas mehr Lautstärke gewünscht hätte.

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Was man von all dem letztlich hält, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Als pantomimische Bühnenfigur hat Pierrot ja nicht nur eine lange, sondern auch wandlungsreiche Geschichte vorzuweisen. Wenn er hier den Mond als Sehnsuchtsort entdeckt, dann beinhaltet das ganz offenbar auch ein gerüttelt Maß an Verrücktheiten. Deren Umsetzung ist Freitas ohne Zweifel gelungen. Langer, freundlicher Applaus und einige ratlose Gesichter waren die Folge.

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