Leopold Museum würdigt Bildhauer Josef Pillhofer

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Mit Josef Pillhofer widmet das Leopold Museum seine erste Sonderausstellung nach dem Kulturlockdown einem der wichtigsten heimischen Bildhauer. Anhand der gut 180 Exponate sollen ab Freitag nicht nur Pillhofers unterschiedliche künstlerische Wege zwischen figurativer Plastik und radikaler Abstraktion gezeigt, sondern mit ergänzenden Werken von Rodin bis Picasso auch prägende Einflüsse sichtbar gemacht werden.

Museumsdirektor Hans-Peter Wipplinger, der die - dank dunkelgrauer Wände, luftig bestückter Räume und toller Lichtinszenierung sehr elegant anmutende - Ausstellung kuratiert hat, sprach bei einem APA-Vorabbesuch am Donnerstag vom „ersten radikal abstrakten Bildhauer Österreichs“ - und zwar noch vor Fritz Wotruba, dessen Schüler Pillhofer nach dem Zweiten Weltkrieg an der Wiener Akademie der bildenden Künste war. Das Besondere sei aber, dass er parallel immer auch figurative Werke geschaffen habe.

Sichtbar wird diese Bandbreite der Formensprache gleich im Auftaktsaal. Vor groß aufgezogenen Atelierfotografien befinden sich die etwa eine Tonne schwere kubistische „Doppelfigur“ und die sehr körperliche „Karyatide“. Auch die Materialpalette zeugt von großer Vielfalt und reicht von Holz über Stein bis Metall. „Pillhofer beherrschte die bildhauerischen Medien sehr gut“, erinnert Wipplinger an die immerhin mehr als sechs Jahrzehnte dauernde Schaffensphase des 2010 verstorbenen Künstlers, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Auch malerische und zeichnerische Arbeiten sind vertreten.

Der Hausherr hat sich für eine thematische statt chronologische Präsentation entschieden - auch deshalb, da Pillhofer einige seiner Werke erst Jahrzehnte nach ihrer Konzeption verwirklicht habe, wie er erklärt. In den nächsten beiden Räumen nach dem Entree dreht sich alles um die Suche nach den richtigen Proportionen und der Geometrie. Man sieht reduzierte Figuren, die - geprägt von der Auseinandersetzung mit der Antike während eines längeren Rom-Aufenthalts - aussehen wie Ausgrabungsfunde, und Körper, deren Glieder wie aus Rechtecken, Kreisen und Zylindern zusammengesetzt scheinen. Hier treten in der Ausstellung Skulpturen und Plastiken Pillhofers erstmals auch in Dialog mit seinen Vorbildern und Inspirationsquellen - etwa Wilhelm Lehmbruck, Aristide Maillol oder Paul Cezanne.

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Noch deutlicher werden bestimmte Parallelen etwa zu Auguste Rodin, Joannis Avramidis oder Medardo Rosso, wenn es im nächsten Saal um die „Verlebendung“ der Skulptur geht. Pillhofer hat sich deren Verfahren abgeschaut bzw. angeeignet, um mehr Vitalität in seine Geschöpfe zu bringen. Das gelingt durch unruhige Oberflächen. Die Köpfe und Torsi wirken aufgeraut, zerknetet oder „hingepatzt“, wie Wipplinger sagt.

Wichtig für die Entwicklung war Pillhofers Stipendienaufenthalt in Paris 1950/51, wo er „alles, was Rang und Namen hatte“, getroffen habe, so der Direktor. Auf acht Sockeln sieht man etwa seine organische, anthropomorphe Plastik „Die Radfahrerin“ neben ähnlichen Werken von Henri Laurens, Alexander Archipenko oder Jacques Lipchitz. Im angrenzenden Raum wird es strenger, kantiger, mathematischer. Auf einer Art Laufsteg kann man einige der radikal abstrakten Arbeiten begutachten - auch in Gegenüberstellung mit Pillhofers Lehrer Wotruba.

Kapitel rund um das Kopfmotiv - von der afrikanisch anmutenden Maske über ein schnell hingeworfenes Porträtblatt Maria Lassnigs bis zur gänzlich konturlosen eiförmigen „Einform“ -, die Auseinandersetzung mit dem Tanz inklusive sechsteiligem Wandrelief und der Umgang mit Landschaften sind ebenfalls Teil der Ausstellung. Zum Schluss gibt es noch eine Nische, die den „Raumarchitekturen“ Pillhofers gewidmet ist. Sie sind teils Modelle für großformatige Umsetzungen im öffentlichen Raum. Seine letzte Großskulptur „Raumentfaltung“ entstand 2008 für das Museum Liaunig in Kärnten. Sie war mit sechs Metern Höhe und neun Metern Breite auch die spektakulärste.

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