„Blasmusik Supergroup“ hat „Mini-Tournee“ im Konzerthaus

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Blasmusiker hat es im Lockdown schwer getroffen: Proben waren im Profibereich nur schwer, im Amateurbereich gar nicht möglich. Dazu kam ein schlechtes Image: Diese Pandemie-Treiber machen doch so viel Wind mit ihren Instrumenten? „In Wirklichkeit kommt aus einem Blasinstrument nicht viel raus, wir arbeiten mit stehenden Luftsäulen“, erklärt Thomas Gansch. Der Trompeter hat Freunde eingeladen und formiert. Statt „Superspreader Blasmusik“ heißt es nun: „Blasmusik Supergroup“.

21 Musiker aus den unterschiedlichsten Stammformationen, u. a. von den Egerländer Musikanten, Mnozil Brass und Blechhauf‘n, von LaBrassBanda und den Wiener Philharmonikern treten am Montag unter diesem Bandtitel im Wiener Konzerthaus auf. Diese Kollaboration sei eine lang gehegte Idee, deren Umsetzung jedoch von Corona erschwert worden sei, sagt Gansch, selbst in der Gruppe Mnozil Brass verankert, lange Mitglied des Vienna Art Orchestra und außerdem in zahlreichen kleineren und größeren Ensembles aktiv. Die ersten Termine der geplanten Supergroup-Tournee mussten abgesagt werden, die weiteren wurden nach hinten verschoben. Geblieben sind genau zwei Auftritte am 21. Juni, um 18 Uhr und um 20.30 Uhr. „Beginn und Ende der Tournee an einem Abend. Die kürzeste Tournee der Geschichte“, scherzt der 45-Jährige im Gespräch mit der APA.

Was er und die Kollegen an Trompete, Posaune, Klarinette, Flügelhorn, Tenorhorn, Tuba und Schlagzeug zum Besten geben werden, seien vor allem Raritäten aus dem Repertoire des Zentralorchesters der tschechoslowakischen Armee, etwa ein Stück, das es zu Zeiten, als es Kunstbewerbe bei Olympischen Spielen gab, zu einer Silbermedaille geschafft hat. Die böhmische Blasmusiktradition hat es Gansch angetan. „Hierzulande dagegen steht ja der Blechbläser ganz unten im Ansehen. Jede gute Querflöte kostet ein Vielfaches eines Blechblasinstruments. Beim Unterricht stehen Klavier und Geige an erster Stelle, das Proletariat geht dagegen zu den Blechbläsern. Dabei ist die Blasmusikkapelle auf dem Land ein wesentlicher sozialer Faktor. Da gehst Du entweder zur Freiwilligen Feuerwehr oder zur Blasmusik!“ Gansch ist in Melk aufgewachsen und weiß, wovon er spricht. In den vergangenen Jahren gab es jedoch zunehmend einen Imagewandel, was nicht zuletzt der große Erfolg des „Woodstock der Blasmusik“ in Ort im Innkreis beweist, das 2019 an die 60.000 Besucher anzog und dabei Rockfestival-Atmosphäre bot.

Im Lockdown war Gansch „wahnsinnig aktiv“ und streamte bald, was das Zeug hielt. „Wenn du aber in die Kamera spielst, dann gibt‘s keine Atmosphäre, keine Reaktionen, keinen Applaus, wenn das Konzert zu Ende ist. Dann wird einfach abgedreht.“ Gansch gründete eine eigene Online-Konzertserie Gansch@Home, die es auf 16 Ausgaben schaffte. „Dadurch wurden über 50 Musiker und Techniker unterstützt, denn mir war wichtig, dass dabei Gagen gezahlt wurden.“ Für das Publikum galt „pay as you wish“: „Da war von 0,69 Euro bis 500 Euro alles drin, im Mittel um die 20, 25 Euro. Da ist fast immer etwas übriggeblieben. Nur vier Mal hab ich draufgezahlt.“ Auch eine Supergroup-Probe wird online gestellt werden.

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Insgesamt sei er nicht schlecht durch die Krise gekommen, erzählt Gansch. „Und ich habe ein Jahr viel mehr Zeit für die Familie gehabt. Die großen Verlierer der Pandemie sind nicht die Künstler, sondern die alten Leute, die vereinsamt sind, und die 14-, 15-, 16-Jährigen. Denen ging‘s nicht gut. Ich habe selbst einen Sohn in dem Alter und mir Sorgen gemacht.“ Dass man Corona-Leugner aufmarschieren ließ, gegen junge Leute auf freien Plätzen aber scharf machte, versteht er nicht. Verantwortlich dafür seien aber Politiker, und nicht „die Polizei“: „Ich hab‘ selbst schon mit der Polizeimusik gespielt. Die waren alle leiwand!“

Nach der Supergroup-Mini-Tournee warten auf Gansch vor allem zahllose Auftritte mit der von ihm mitbegründeten Band Mnozil Brass, die verschobene Konzerte u.a. in Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien nachholen müssen. „Das wird spannend und herausfordernd, vor allem für Kollegen, die nicht geimpft sind. Überall gelten andere Einreisebestimmungen.“

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