Geeinter ÖSV auch mit mehr Frauenpower in die Zukunft

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Der ÖSV will nach der Schlammschlacht im Vorfeld der Präsidiums-Wahl geeinigt und mit mehr Frauenpower in die Zukunft gehen. Mit der einstimmigen Wahl von Karl Schmidhofer als Nachfolger von Langzeit-Präsident Peter Schröcksnadel wurde bei der Länderkonferenz des Skiverbandes in Villach ein Zeichen der Einigkeit gesetzt. Dem Vorstand gehören zudem nun erstmals zwei Vizepräsidentinnen an, aber das ist gendermäßig längst nicht mehr alles.

Denn Niederösterreich will mit Gerlinde Metzinger eine weitere Frau als Präsidiums-Mitglied (ohne Stimmrecht) vorschlagen. Ex-Rennläufern Renate Götschl steigt bekanntlich im Herbst von der Vize- zur Präsidentin des steirischen Skiverbandes und damit Schmidhofer-Nachfolgerin auf. Als Frauenbeauftragte im ÖSV fungiert schon seit längerem Petra Kronberger und mit Michaela Dorfmeister ist eine weitere Doppel-Olympiasiegerin Vizepräsidentin und Alpinchefin in Niederösterreich. Fast jeder Landesskiverband hat mittlerweile Frauen im Vorstand, so Salzburg mit Brigitte Obermoser auch eine weitere Ex-Rennläuferin.

Neo-Präsident Schmidhofer begrüßt, dass der Skiverband immer weiblicher wird. Der Steirer hatte selbst für mehr Frauen in den Gremien plädiert. „Der Skisport ist ja generell sehr männerlastig, auch bei Trainern und Funktionären“, sieht Götschl weitere Bereiche für Frauen. „Schön langsam kommt jetzt aber sowieso eine gute Mischung rein. Es gibt viele Frauen, die in diesen Funktionen auch Erfahrung haben und immer engagierter werden“, sagte die steirische „Speed Queen“ in Kärnten.

Götschl war bei der umstrittenen Suche nach der Schröcksnadel-Nachfolge bis zum Schluss selbst aussichtsreiche Kandidatin gewesen. Steirische statt österreichische Skipräsidentin zu sein, findet die ehemalige Abfahrts-Weltmeisterin und Mutter zweier talentierte Töchter aber auch okay. „Für das Andere war am Ende eh keine Basis mehr da. Und auf der Landesebene kann ich mich austoben“, so die 45-Jährige, der vor allem der Nachwuchs am Herzen liegt.

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Konkret geht es Götschl da um leistbaren Skirennsport und mehr Breite. Sprich, Kinder schon im Volksschulalter zum Skifahren zu bringen. „Das sollte also mit der Politik vereinbart sein.“ Schmidhofer, Onkel der Skirennläuferin Nicole Schmidhofer, traut Götschl viel zu. „Er kommt aus dem Fach und im Verband ist alles angerichtet. Er wird das gut machen. Bessere Voraussetzungen als in diesem Verband kannst du aber eh nicht haben.“

Roswitha Stadlober (vormals Steiner) hat nun mit Claudia Strobl-Traninger eine ehemalige Slalom-Kollegin zur Seite. Die Mutter der Langläufer Luis und Teresa Stadlober ist seit zehn Jahren „Vize“ und musste wegen des Rückzuges von Michael Walchhofer zum Weitermachen erst überredet werden. Erst nach dem „grünen Licht“ des Familienrates habe sie erneut zugesagt, so Stadlober. Strobl-Traninger wird nach ihrer „Beförderung“ an der Spitze des Kärntner Verbandes bis zu den Neuwahlen interimistisch von Monika Milazzi und damit ebenfalls einer Frau ersetzt.

„Ich bin sehr froh, dass Claudia das Amt annimmt. Ich war eh so lange alleine“, begrüßte Stadlober die zweite Frau im ÖSV-Präsidium. Frauen täten dem ÖSV sicherlich gut. „Weil wir vielleicht andere Themen reinbringen und oft auch etwas empathischer sind als die Männer“, so die Salzburgerin schmunzelnd.

Strobl-Traninger sieht das ähnlich. „Es sind ja auch Athletinnen da, nicht nur Burschen“, hält die Kärntnerin weibliches Führungspersonal für folgerichtig und eine Bereicherung. „Wir sind nicht besser oder schlechter. Wir Frauen bringen halt unsere Perspektiven ein.“

Erinnernd an die nicht immer sehr konstruktiven Diskussionen im Wahl-Vorfeld könne eine weibliche Herangehensweise positiv sein, ist Strobl-Traninger überzeugt. „Ich jedenfalls stehe für Konsens und konstruktive, lösungsorientierte Gespräche. Wenn einmal alles gesagt ist, gehört, aber auch mal ein Schlussstrich gezogen.“

Strobl-Traninger hofft, dass dem neuen Präsidium ein guter Neustart gelingt. „Jetzt geht es um Ideenfindung und die Umsetzung. Darum, konstruktiv zu arbeiten“, meinte die ehemalige Weltcupläuferin. Ihre Themen sind die Verbindungsschienen zwischen den Skisportschulen und dem ÖSV sowie das Mentaltraining.

In Villach wurde jedenfalls wieder Einigkeit im Skiverband demonstriert und Schröcksnadel mit stehenden Ovationen verabschiedet. Bei Lösungsfindungen gebe es eben oft unterschiedliche Ansichten, blickte Generalsekretär Christian Scherer noch ein Mal auf die Streitereien im Vorfeld zurück. Dass diese medial an die Oberfläche kamen, habe die Sache sicherlich erschwert. „Ich glaube aber, wir konnten Schaden vom Verband abwenden.“

Die Arbeitstagung sei jedenfalls eine gewesen, „die wir in dieser Form in den letzten 30 Jahren nicht hatten. Die Einigkeit dieser Skifamilie ist mit Sicherheit nun gestärkt.“ Auch NÖ-Präsident Wolfgang Ladenbacher, der mit der Last-minute-Nominierung von Schmidhofer (der Gegenvorschlag war Hans Pum gewesen) zum „Königsmacher“ der ÖSV-Wahl geworden war, söhnte sich in Villach mit Schröcksnadel aus.

Die kommenden Kooptierungen müssen freilich vom Präsidium vorgenommen werden. „Das kann der Präsident nicht alleine verordnen oder ansagen“, erklärte Schmidhofer, der erste steirische ÖSV-Präsident seit der Neugründung des ÖSV. Schmidhofer will zudem einen Aufsichtsrat für alle Gesellschaften des ÖSV. „Das bin ich aus meinen früheren Unternehmen so gewohnt.“

Das ÖSV-Budget differenziere je nach Geschäftsjahr zwischen 40 und 80 Mio. Euro, hieß es in Kärnten. Die aktuelle Prüfung sei problemlos gewesen. Schmidhofer: „Ich kann Bilanzen lesen. Im Vergleich zu anderen Nationen steht der ÖSV sehr gut da.“


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