Schweden feiert Forsberg - Frust bei Polen

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Die Gruppenphase der Fußball-EM hat trotz einiger unerwarteter Ergebnisse den erwarteten Ausgang genommen - mit einer Ausnahme. Während die Favoriten Italien, Belgien, Niederlande, England und Frankreich wie prognostiziert als Gruppensieger aufstiegen, ist Schweden so wie schon bei der WM 2018 das Überraschungsteam der ersten Turnierphase. Die Skandinavier setzten sich vor Spanien durch und wurden mit einem Achtelfinale gegen die Ukraine belohnt.

„Das ist fantastisch, dass wir diese Gruppe gewonnen haben. Das haben wir bei der letzten WM geschafft und nun bin ich glücklich, dass es uns erneut gelungen ist“, freute sich Teamchef Janne Andersson und erinnerte an die WM vor drei Jahren, als die Schweden in der Gruppenphase Deutschland eliminierten und erst im Viertelfinale scheiterten.

Der gefeierte Held in Schweden ist Emil Forsberg. Forsberg und St. Petersburg, das passt einfach. In der von Wasser umgebenen prunkvollen Fußball-Arena der Zarenstadt ist der Offensivspieler von RB Leipzig ein echter Erfolgsgarant. Siegtor bei der WM 2018 im Achtelfinale (1:0 gegen die Schweiz), Siegtor in der EM-Vorrunde gegen die Slowakei (1:0) und nun ein Doppelpack zur 2:0-Führung (2., 59.) beim 3:2 über Polen am Mittwoch, der die Männer in Gelb zum Gruppensieger machte. „Es fühlt sich super an. Es ist eine fantastische Stadt und ich fühle mich hier sehr wohl“, sagte Forsberg, der wieder einmal zum Spieler des Matches gekürt wurde.

Nachdem die alten Klassiker von Abba aus den Stadionboxen verklungen waren, fasste Siegtorschütze Viktor Claesson am besten das Geschehen beim Auf und Ab zum Abschluss der Gruppenphase zusammen. „Es war wie eine Achterbahnfahrt. Es war wahnsinnig gut und wichtig für uns, dieses Siegtor zu erzielen“, sagte Claesson. Dass es erst in der vierten Minute der Nachspielzeit fiel und Schweden auf Platz eins führte, passte zur Dramaturgie des Tages. Die folgende Mittsommernacht durften die Schweden jedenfalls mit Glücksgefühlen und einem kleinen Bier genießen.

Während die Polen schon die Heimreise antreten müssen, geht es für Schweden am Dienstag (21.00 Uhr) im Achtelfinale in Glasgow gegen die Ukraine, die sich nach dem 0:1 gegen Österreich als Gruppendritter qualifiziert hat, weiter. Auch und vor allem dank Forsberg, der drei von vier Treffern erzielte und im kompakten schwedischen Kollektiv herausragt. „Er macht einfach immer weiter und macht den Unterschied für uns. Zwei Tore sind fantastisch“, sagte Andersson.

„Er war immer ein guter Fußballer, aber er hat sich auch als Typ verbessert. Er war immer wichtig für unser Nationalteam, aber es ist großartig, dass er nun der entscheidende Spieler für unser Team sein kann“, fügte Andersson ein. Eigentlich fußt das Spiel der Schweden so auf Stabilität und Sicherheit, dass oft ein Tor reicht. Nicht so beim 3:2 gegen die Polen. „Wir haben großartige Mentalität gezeigt. Ich bin sehr stolz“, stellte Forsberg fest.

In Abwesenheit des verletzungsbedingt fehlenden Superstars Zlatan Ibrahimovic ist Forsberg nun der - deutlich unscheinbarere - Star des Teams. Die Lobeshymnen, die derzeit auf Forsberg einprasseln, sind ihm selbst eher unangenehm. „Jeder verdient großes Lob. Das ganze Team ist großartig drauf“, sagte Forsberg.

Im polnischen Team rund um Weltfußballer Robert Lewandowski herrschte dagegen großer Frust. Auch zwei Tore des Bayern-Stars (61., 84.) konnte die Niederlage und das Aus als Gruppenletzter mit nur einem Punkt nicht verhindern. Teamchef Paulo Sousa schimpfte gleich mehrere Male über „die dummen Gegentore“. „Natürlich können wir nicht so die Tore kassieren, wie wir sie kassiert haben“, sagte der Portugiese. Seinen Vertrag bis zum Ende der WM-Qualifikation möchte der 50-Jährige trotz des Scheiterns erfüllen.

Lewandowski alleine war zu wenig. Der 41-Tore-Mann der Münchner spielte zwar mit drei Treffern sein bisher bestes Turnier. In Abwesenheit des verletzt fehlenden Duos Arkadiusz Milik und Krzysztof Piatek reichte es dennoch nicht, um an der Slowakei vorbei auf Rang drei zu kommen. „Manchmal, wenn man sich ein paar Stunden zu Hause oder im Hotel hinsetzt, dann kommt das erst bei einem an, und das sind die schlimmsten Momente im Leben eines Fußballers“, schilderte Lewandowski seine Gefühle .“Man kann uns den Kampfeswillen und den Ehrgeiz nicht absprechen, aber etwas hat gefehlt - sicherlich auch Fähigkeiten“, sagte der Stürmerstar.

Schon bei der WM 2018 war Polen in der Gruppenphase gescheitert. Für den hochdekorierten Lewandowski, der mit dem FC Bayern in den vergangenen zwölf Monaten quasi alle Titel und Trophäen gewonnen hat, die es im Vereinsfußball zu erobern gibt, geht damit das Warten auf einen großen Coup mit dem Nationalteam weiter. „Natürlich tut das weh. Wir werden darunter noch leiden und es wird schwer sein, sich damit abzufinden“, sagte Polens Kapitän.


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