Slowenien feiert 30 Jahre Unabhängigkeit mit Kurz und Michel

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Mit einer großen Feier im Zentrum Ljubljanas begeht Slowenien am Freitagabend (21.00 Uhr) den 30. Jahrestag seiner Unabhängigkeit von Jugoslawien. Als Festgäste haben sich auch EU-Ratspräsident Charles Michel sowie die Premiers der Nachbarstaaten angekündigt, darunter Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Sie reisen direkt vom EU-Gipfel in Brüssel an. Die Feierlaune ist nicht ungetrübt, planen Regierungsgegner doch eine Protestdemo gegen den umstrittenen Premier Janez Jansa.

Jansa, dessen Regierung am 1. Juli für ein halbes Jahr den EU-Ratsvorsitz übernimmt, wird ein autoritärer Regierungsstil und die Gängelung von unabhängigen Medien vorgeworfen. So hat er der staatlichen Nachrichtenagentur STA rechtswidrig den Geldhahn zudrehen lassen, womit sie vor dem Aus steht. Neben Festreden von Politikern, darunter Staatspräsident Borut Pahor, EU-Ratspräsident Michel, Jansa und Kurz gibt es bei der Feier auch ein umfangreiches Kulturprogramm, bei dem unter anderem auch die in Kärnten lebende Mezzosopranistin Bernarda Fink Inzko auftreten wird.

Die Feier findet genau an jenem Ort statt, an dem vor 30 Jahren die slowenische Unabhängigkeit feierlich verkündet worden war. Am 26. Juni 1991 - einen Tag nach dem formellen Beschluss durch die slowenische Volksvertretung - war auf dem „Platz der Republik“ vor dem Parlament die neue slowenische Fahne gehisst worden. Zu den wenigen ausländischen Vertretern, die an der damaligen Feier teilnahmen, zählten die damaligen ÖVP-Landeshauptleute Christof Zernatto (Kärnten), Wilfried Haslauer (Salzburg) und Josef Ratzenböck (Oberösterreich).

Noch während der Feier war über dem Himmel von Ljubljana Flugzeuglärm zu hören, am 27. Juni begann dann der Krieg der Jugoslawischen Volksarmee (JVA) gegen die neue Armee des jungen Staates. Jansa war damals als Verteidigungsminister zentral für die militärische Koordination zuständig. Der „Zehn-Tage-Krieg“ wurde auf Vermittlung der damaligen Europäischen Gemeinschaft beendet, womit für Slowenien der Weg in die Unabhängigkeit frei wurde.

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Kroatien hatte ebenfalls am 25. Juni seine Unabhängigkeit von Jugoslawien erklärt. Anders als im Fall Sloweniens, das umgehend die Kontrolle über sein Territorium übernahm, war der kroatische Akt aber weitgehend symbolisch. Für Verstimmung in Slowenien sorgte, dass das südliche Nachbarland die Jugoslawische Volksarmee nicht an der Verlegung von Kräften nach Slowenien hinderte. Nach dem Ende der Kampfhandlungen in Slowenien begannen jene in Kroatien im Herbst 1991 erst richtig.

Slowenien und Kroatien sind die beiden einzigen ex-jugoslawischen Republiken, die ihren Weg in die Europäische Union bereits hinter sich haben. Slowenien trat der EU im Jahr 2004 bei, Kroatien im Jahr 2013. Kroatien wartet aber noch auf den Beitritt zum Euro- und Schengen-Raum, denen Slowenien schon seit 2007 angehört. Das Land, das viele Jahre lang den Ruf eines EU-Musterschülers hatte, übernimmt am 1. Juli schon zum zweiten Mal den EU-Ratsvorsitz.


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