Merkel in Großbritannien: Treffen mit Queen und Johnson

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Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel reist am Freitag zu Treffen mit Premierminister Boris Johnson und Königin Elizabeth II. nach Großbritannien. Zunächst (13.30 Uhr) sind Beratungen mit Johnson auf dessen Landsitz Chequers nordwestlich von London geplant. Gegen 17.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird die Kanzlerin von der Queen auf Schloss Windsor zu einer Audienz empfangen. Die Reise dürfte Merkels Abschiedsbesuch als Kanzlerin in Großbritannien sein.

Merkel will sich bei den Beratungen mit Johnson nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU, dem Brexit, für eine Vertiefung der deutsch-britischen Beziehungen einsetzen. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie und die Dynamik durch die aggressivere Delta-Virusvariante dürften ebenfalls Themen sein. Merkel hatte sich bereits kritisch dazu geäußert, dass in London eine hohe Zuschauerzahl im EM-Stadium zugelassen wurde.

Merkels Besuch wird in London als Chance gesehen, die diplomatischen Beziehungen mit dem zweitgrößten Handelspartner nach jahrelangem Gerangel um den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zu festigen. Im Vorfeld des Besuchs lobte Johnson Merkels positiven Einfluss auf die bilateralen Beziehungen während ihrer 16-jährigen Amtszeit. Es wird erwartet, dass die beiden Staatsoberhäupter bei ihrem Treffen eine Reihe von Initiativen vereinbaren werden, die von einem jährlichen gemeinsamen Treffen des britischen und deutschen Kabinetts bis hin zu Kultur- und Jugendaustauschprogrammen reichen sollen.

Merkel wird bei ihrem Besuch in Großbritannien am Freitag an einer Videokonferenz des britischen Kabinetts teilnehmen und zu den Ministerinnen und Ministern sprechen - eine Ehre, die den Angaben zufolge zuletzt 1997 dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton zuteilwurde. Wie das Büro von Johnson mitteilte, sei es das erste Mal seit fast 25 Jahren, dass ein ausländisches Regierungsoberhaut dies tue.

Johnson hat zu Ehren der promovierten Physikerin Merkel zudem einen Preis für Wissenschafterinnen aus Deutschland und Großbritannien ausgelobt. Der Preis ist nach der deutsch-britischen Astronomin Caroline Herschel benannt und mit 10.000 Pfund (11.600 Euro) dotiert, wie die britische Regierung am Freitag mitteilte. Er soll jährlich an eine Astrophysikerin aus Deutschland oder Großbritannien verliehen werden.

Geplant sind nach Angaben aus der Downing Street auch ein neuer deutsch-britischer Kulturdialog, eine Aufstockung der Mittel für das Austauschprogramm Connection und Fördermittel für eine direkte Stromverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien. Johnson erklärte, Deutschland und Großbritannien seien durch eine „unerschütterliche Freundschaft“ und „gemeinsame Ansichten“ in vielen politischen Fragen verbunden. In Merkels 16-jähriger Amtszeit sei das deutsch-britische Verhältnis wieder „neu belebt“ worden.


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