Verzweifelte Suche nach Opfern von Schlammlawine in Japan

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Eine riesige Schlammlawine in Folge sintflutartiger Regenfälle hat in Japan am Wochenende mindestens zwei Menschenleben gefordert und enorme Verwüstungen angerichtet. Die Bilder aus dem für seine heißen Thermal-Bäder bekannten Küstenort Atami in der Präfektur Shizuoka erinnerten an Szenen einer Tsunami-Katastrophe. Während am Sonntag die Bergungs- und Aufräumarbeiten mit schwerem Gerät anliefen, kämpften die Rettungstrupps auf der Suche nach rund 20 Vermissten gegen die Zeit.

„Die nächsten 72 Stunden sind entscheidend“, drängte Bürgermeister Sakae Saito am Tag nach dem Unglück zur Eile. Doch die Suche wurde durch den andauernden Regen immer wieder unterbrochen, da die Gefahr erneuter Erdrutsche besteht.

Die Schlammlawine war am Vortag mit donnerndem Getöse einen Bergabhang hinabgerauscht und hatte alles niedergewalzt, was ihr in den Weg kam: Strommasten, Autos, ganze Wohngebäude, die wie Kartenhäuser einstürzen. Straßen versanken im Morast. „Die Erde rutschte bis zur Vorderseite des Ladens. Es klang wie ein Bagger, der ein Haus zertrümmert“, erzählte der Mitarbeiter eines Glasstudios in Atami japanischen Reportern. Davor geparkte Autos seien weggespült worden.

Die Lawine erreichte laut Experten eine Geschwindigkeit von etwa 40 Kilometern in der Stunde. Sie erstreckte sich über eine Länge von rund zwei Kilometern bis nahe an die Küste. Die bisher gefundenen Todesopfer, zwei Frauen, wurden bei einem Hafen entdeckt. Laut Augenzeugen rutschten die Erd- und Sandmassen in mehreren Schüben den Abhang herab. Nach ersten Erkenntnissen wurden zehn Häuser zerstört, mindestens 130 weitere beschädigt. Der Gouverneur der Präfektur Shizuoka, Heita Kawakatsu, kündigte eine Untersuchung an, um herauszufinden, ob möglicherweise Waldrodungen für Bauprojekte dazu geführt haben, dass der Boden der Berghänge erosionsgefährdet war.

Nach Angaben der Rettungskräfte wurden bis Sonntag 19 Menschen aus isolierten Häusern gerettet. Rund 1.000 Rettungskräfte, darunter auch Angehörige des Militärs, setzten die Suche nach den Vermissten unter Trümmerbergen und Schlammmassen fieberhaft fort. Angesichts der aufgeweichten Böden warnten die Behörden auch in anderen Gebieten vor weiteren Erdrutschen und Überschwemmungen, zumal auch in den nächsten Tagen weitere Regenfälle erwartet werden. Die Behörden gaben für Atami die höchste Warnstufe aus und riefen zwischenzeitlich 25.000 Haushalte auf, sich in Sicherheit zu bringen.

Auch an anderen Orten entlang der Pazifikküste des Landes wurden Bewohner unterdessen gewarnt, sich vor anschwellenden Flüssen, Überflutungen und möglichen Erdrutschen in Sicherheit zu bringen. Die heftigen Niederschläge führten auch zu Unterbrechungen im Bahnverkehr. Der Betrieb von Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszügen zwischen Tokio und Shin-Osaka fiel am Wochenende für kurze Zeit aus.

Im Zuge der globalen Klimaerwärmung verzeichnet Japan immer mehr starke Regenfälle, wodurch es auch immer öfter zu Erdrutschen kommt. In den zurückliegenden zehn Jahren gingen nach amtlichen Angaben jährlich im Schnitt fast 1.500 Erdrutsche in dem bergigen Inselreich ab - fast doppelt so viele wie in den zehn Jahren zuvor.


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