WM-Leader Verstappen holt überlegen Spielberg-Double

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Max Verstappen hat am Sonntag auch das zweite Formel-1-Rennen in Spielberg gewonnen und ist mit seinem vierten Österreich-Erfolg zum alleinigen Rekordsieger avanciert. Der niederländische Red-Bull-Pilot und WM-Führende setzte sich überlegen vor Valtteri Bottas im Mercedes durch. McLaren-Mann Lando Norris fuhr als Dritter wie im Vorjahr am Red Bull Ring aufs Podium, für Mercedes-Star Lewis Hamilton reichte es nur abgeschlagen zu Platz vier.

Bejubelt von zumindest 20.000 Oranje-Fans baute Verstappen mit dem Sieg-Hattrick seine Führung im WM-Zweikampf mit Hamilton erneut aus. Der britische Titelverteidiger fuhr die zweite Rennhälfte in einem offenbar beschädigten Mercedes und liegt nach dem neunten von 23 Saisonläufen schon 32 Punkte zurück. Bereits beim kommenden Rennen in Silverstone am 18. Juli könnte eine weitere Vorentscheidung fallen. Red Bull Racing hat die jüngsten fünf Rennen gewonnen.

Vier Siege davon gehen auf das Konto des fünffachen Saisonsiegers Verstappen, der in der Steiermark wie vor einer Woche einsame Runden drehte. „Wir waren besser unterwegs als in der Vorwoche. Das Auto war der Wahnsinn“, funkte der Sieger. Die Action spielte sich ausschließlich dahinter ab. Sergio Perez (6.) und Charles Leclerc (Ferrari/8.) etwa lieferten sich erbitterte Duelle, die gleich zweimal in einer 5-Sekunden-Strafe für den Mexikaner im Red Bull resultierten.

Der erhoffte Doppelsieg gelang Red Bull dadurch nicht. Aber das war auch schon der einzige Wermutstropfen für das Heim-Team von Dietrich Mateschitz beim 36. Österreich-Grand Prix, der nach den Corona-Lockerungen erstmals wieder unter voller Zuschauer-Beteiligung stattfinden konnte.

Das letztlich an Strafen reiche Rennen begann mit einem Bilderbuchstart und Favorit Verstappen von der dritten Pole in Folge vor Norris, Perez, Hamilton und Bottas. Aber noch in Runde eins musste das Safety-Car auf die Strecke, weil Esteban Ocon in Kurve drei verunfallt war. Verstappen führte das Feld problemlos in den Re-Start, verlor aber „Wingman“ Perez, weil dieser nach einem ungestümen Überholmanöver gegen Norris in Kurve vier im Kiesbett landete und auf Platz zehn zurückfiel.

Hamilton steckte zunächst lange hinter Norris fest und verlangte „mehr Power“. Als er seinen 21-jährigen Landsmann endlich überholt hatte, bedankte sich der Weltmeister artig beim „fairen“ Norris. Der bekam für das anfängliche Perez-Manöver zudem eine etwas harte Fünf-Sekunden-Strafe und fiel dadurch bei seinem Reifenwechselstopp zunächst auch hinter Bottas zurück.

Vorne fuhr Verstappen mit seinem überlegenen RB16B dem Feld auf und davon. Eine Runde nach Hamilton kam auch der Holländer zum ersten Reifenwechsel und war danach weiter so überlegen, dass er sich bei über 20 Sekunden Vorsprung nochmals frischen Gummi und stärkeren Motormodus erbat, um sich mit der schnellsten Rennrunde den Zusatzpunkt zu holen.

„Das Auto war ein Hammer. Es hat mit jedem Reifensatz Riesenspaß gemacht. Ich bin selbst erstaunt, das hätte ich nicht erwartet „, versuchte Verstappen die fast schon unheimliche augenblickliche Überlegenheit von Red Bull Racing zu erklären. „Was wir heute abgeliefert haben, ist nicht selbstverständlich“, sagte Verstappen. „Wir hatten nicht die geringsten Probleme. Und das mit all den Fans, es war sehr, sehr schön“

Bei Mercedes machte man einmal mehr auf Zweckoptimismus, obwohl der Vorwochen-Zweite Hamilton bei 46 Sekunden Rückstand diesmal null Chance auf einen Podestplatz hatte. Das lag offenbar an einem Schaden am linken Unterboden. „Ich weiß nicht, woher der kam. Es wäre sonst ein leichter zweiter Platz geworden“, war sich Hamilton sicher. Für den wehrlosen Briten war das Rennen dann auch eine kleine Demütigung, wurde doch Teamkollege Bottas in der 52. Runde vom eigenen Team an ihm vorbei dirigiert. Später überholte ihn auch noch Norris.

„Es war kein guter Tag. Aber der Rückstand schaut schlimmer aus als er ist“, schwächte Mercedes-Teamchef Toto Wolff ab. „Von der Pace wären wir gut dabei gewesen, aber nicht gut genug, um zu gewinnen“, sagte der Österreicher, der dem Rückstand nicht zu viel Bedeutung zumessen wollte. „Ein Rennen ausfallen ist schnell passiert für Max, dann wären wir wieder dran.“ Bottas offenbarte: „Wir haben trotzdem anständig Punkte geholt gemessen an dem, um wie viel langsamer wir sind. Aber es war das Maximum.“

Bei McLaren jubelte man über Norris, trauerte aber einem möglichen zweiten Platz nach. Der junge Engländer wurde zum Fahrer des Tages gewählt, war aber über seine Zeitstrafe frustriert. „Eigentlich wäre Platz zwei drin gewesen. Heute habe ich Orange auch als Anfeuerung für mich gesehen“, sagte Norris lachend. Pechvogel des Tages war Aston-Martin-Fahrer Sebastian Vettel, der einen Tag nach seinem 34. Geburtstag in der Schlussrunde vom Alfa des Kimi Räikkönen aus dem Renen genommen wurde.

Räikkönen kassierte dafür eine 20-Sek.-Strafe. Er rückte dennoch von Rang 16 auf 15 vor, da der Kanadier Nicholas Latifi im Williams für Missachtung einer doppelten Gelben Flagge 30 Sek. aufgebrummt bekam und so 16. wurde. Die gleiche Strafe für das gleiche Vergehen erhielt der Russe Nikita Masepin im Haas (19.). Latifi und Masepin fassten überdies je drei Strafpunkte aus und halten da aktuell bei fünf bzw. sechs. Räikkönen erhielt zwei, hält bei fünf. Zwölf Punkte bedeuten eine Sperre für ein Rennen.

Das einzige, dass Verstappens neuerliche Triumph-Fahrt verhindern hätte können, war offenbar der rechte Hinterreifen. An diesem stellte man nach dem Tausch nämlich eine kleinen Schnitt fest. „51 Punkte an zwei Wochenenden, da sind wir stolz“, sagte Red Bulls Berater Helmut Marko nach dem Doppel-Heimtriumph. „Jetzt fahren wir nach Silverstone, um auch dort zu gewinnen.“


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