Stardirigent Muti setzt in Armenien ein Freundschaftszeichen

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Riccardo Muti wandelt in Armenien auf den „Wegen der Freundschaft“. Der Maestro, der am 28. Juli seinen 80. Geburtstag feiert, dirigierte am Sonntag in der armenischen Hauptstadt Jerewan das Jugendorchester „Luigi Cherubini“, dem sich die Musiker des armenischen Philharmonieorchesters anschlossen. Das Konzert im Operntheater Jerewans fand genau 20 Jahre nach dem ersten vom Ravenna Festival organisierten Auftritt in Armenien mit Muti am Pult statt.

Damit wollte das Festival die engen Beziehungen zwischen der römischen und byzantinischen Vergangenheit der Adriastadt Ravenna hervorheben, die eine lebhafte armenische Gemeinschaft beherbergt. Diese Verbindung wurde vom armenischen Präsidenten Armen Sarkissian hervorgehoben, der Muti und seiner Frau Cristina Mazzavillani, Organisatorin des Ravenna Festivals, am Sonntag einen hohen Orden für ihre Verdienste im Kulturbereich verlieh.

Werke von Haydn, Mozart und Schubert standen auf dem Programm des Konzerts, gleichzeitig mit der Premiere des Werks „Purgatorio“ des armenischen Komponisten Tigran Mansurian. Das Werk, das Mansurian im Auftrag des Ravenna Festivals komponierte, inspiriert vom „Fegefeuer“, dem zweiten Teil der „Göttlichen Komödie“, dem Meisterwerk Dantes, dessen 700. Todesjahr Italien 2021 feiert.

„20 Jahre nach unserem ersten Konzert in Armenien kehren wir in dieses alte und raue Land zwischen Osten und Westen zurück. Wir schlagen eine Brücke der Brüderlichkeit und entsenden ein Zeichen der Hoffnung, genauso überzeugt wie wir damals waren, dass wir durch Musik Missverständnisse und Unterschiede der Kultur, Sprache und Religion überwinden können. Denn in der Musik ist es leicht, einander zu verstehen. Musik ist jedermanns Sprache, universell, wie Dantes Poesie, die wir zusammen mit dem armenischen Volk feiern wollen“, sagte Muti vor dem Konzert.

Der Komponist Mansurian erklärte sich „hocherfreut“, als er gebeten wurde, ein Werk zu schreiben, das die „Göttliche Komödie“ als Ausgangspunkt nahm. „Ich fühlte auch eine große Verantwortung gegenüber Dante und Muti: Ich habe dreimal mit der Komposition des ‚Purgatorios‘ begonnen und schließlich den vierten Entwurf fertiggestellt. Wegen der Komplikationen im Zusammenhang mit der Pandemie musste auch die Zahl der Sänger reduziert werden, und ich nahm die Gelegenheit wahr, das Werk für Baritonsolo, gemischten Kammerchor, Streichorchester und Schlagzeug umzuschreiben. Ich halte diese Version für die endgültige und diejenige, die meiner Klangwelt im Verhältnis zu der von Dante am besten entspricht“, so Mansurian.

Riccardo Muti feiert das 24. Jubiläum seiner Konzertreihe „Le Vie dell‘Amicizia“ („Wege der Freundschaft“), in deren Rahmen er jährlich an einem von einer Krise betroffenen Ort gastiert. Stationen der Konzertreihe waren in den vergangenen Jahren bereits Sarajevo, Beirut, Jerusalem, Moskau, Istanbul oder Kairo. Im Rahmen des „Cherubini“-Jugendorchesters arbeitet der Dirigent mit jungen italienischen Musikern zusammen. Die Konzerte in Krisenorten bezeichnet Muti als „Brücken der Brüderschaft“.

„Ich hatte das Glück, als junger Dirigent mit großartigen Künstlern zusammenzuarbeiten. Jetzt empfinde ich die Pflicht, meinen jungen Musikern Teil meiner Erfahrungen weiterzugeben“, sagte Muti im Interview mit der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt RAI. Große Feierlichkeiten für seinen 80. Geburtstag plant Muti nicht. Er wolle im engen Kreis seiner Familie feiern. Am 29. Juli werde er das Cherubini-Orchester im Rahmen eines für den G20-Gipfel der Kultur im Quirinal in Rom organisierten Konzerts dirigieren. Dabei wird Dvoraks 9. Symphonie „Aus der neuen Welt“ auf dem Programm stehen.

Am 31. Juli plant Muti ein Konzert im schwierigen neapolitanischen Viertel Scampia und wird dort ein lokales Jugendorchester dirigieren. Scampia ist wegen der starken Präsenz der Camorra, der Mafia in Neapel, berüchtigt.


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