Weißhaidinger mit Ganslhaut, aber auch traurig nach Tokio

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Diskus-Ass Lukas Weißhaidinger blickt den Tokio-Spielen mit gemischten Gefühlen entgegen. Dem Olympiasechsten von Rio und WM-Bronzemedaillengewinner von 2019 wird das Flair, das Miteinander, das Eintauchen in einen anderen Kulturkreis oder das Anfeuern der anderen Österreicher fehlen. „Es sind keine schönen Olympischen Spiele. Aber es sind Olympischen Spiele. Und ich bekomme trotzdem eine Ganslhaut, wenn ich daran danke.“

Es sei die Hauptaufgabe in einem sportlichen Leben, zu Olympia zu fahren und einen Wettkampf zu bestreiten. „Das ist unser Ziel, das treibt uns an, deshalb haben wir damit begonnen. Eine Platzierung mit einer guten, ansprechenden Leistung ist das Schönste für einen Sportler, was du erreichen kannst, und richtig cool. Es ist eine schöne Arbeit“, ordnet Weißhaidinger das Großereignis allgemein freilich ganz oben ein.

Doch um Olympia auch als Olympia zu erleben, gehört für den Oberösterreicher sehr viel mehr dazu. Er möchte nach getaner Arbeit das Land sehen, die Stadt erkunden, das Dorfleben genießen und seine Landsleute in anderen Sportarten als Fan unterstützen. Stattdessen warten bei den Corona-Pandemiespielen in Japan jeden Tag Coronatests, die Bewegungsfreiheit wird auf ein Minimum reglementiert und spätestens 48 Stunden nach dem Wettkampf muss man aus dem Dorf ausgezogen sein. Dazu kommt die Abwesenheit der Fans, da fehlt noch die Letztentscheidung.

„Das ist für mich nicht Olympia, für mich ist es ein herkömmlicher Wettkampf. Da ist wahrscheinlich sogar Andorf für mich schöner heuer als Tokio“, sagte der ÖLV-Rekordler im Rahmen in der ÖOC-Einkleidungstage in Wien im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.

Und das löst zwiespältige Gefühle aus. „Das macht mich auch traurig, ehrlich gesagt. Wir bekommen richtig schöne Sachen. Ich bin stolz, dass ich einen Adler oben habe, das bin ich vom Typ her, da freue ich mich, dass ich das Nationaldress anhaben darf. Es soll einen Sportler ehren, dass er ein Land vertritt. Das macht mich auch demütig. Aber ein Olympia-Erleben wird das heuer nicht.“ Er trainiere bis zum 27. Juli, fliege rüber, mache seinen Wettkampf, freue sich auf Qualifikation, Finale und gegen die Besten der Welt anzutreten. Und dann gehe es wieder heimwärts.

Er hoffe, auch mit Blick auf die vielen österreichischen Debütantinnen und Debütanten im Team, dass es in drei Jahren in Paris wieder anders sein werde. Auch wenn für viele Tokio-Olympia wegen ihrer Premiere trotz allem das Größte sein werde, das sie erlebt haben. Er habe Rio als sehr schön in Erinnerung und richtig neidisch sei er aber auf jene, die schon in London dabei waren. Die 2012er-Spiele zählen von der Stimmung her zu den schönsten der vergangenen Auflagen.

Weil zu den Spielen im Zeichen der Fünf Ringe eben mehr dazukomme als allein der Wettkampf. „Bis zum Wettkampf ist der volle Fokus darauf. Aber irgendwann ist der vorbei und irgendwann möchtest du Olympia erleben. Ich bin da, zähle zu den Besten der Welt, ich bin im Olympischen Dorf, bin ‚part of the game‘. Das ist es heuer nicht.“

Nichtdestotrotz ist die Durchführung schon alleine aus finanzieller Sicht wichtig, hängen doch alle Nationalen Olympischen Komitees auch von der IOC-Ausschüttung aus den Einnahmen für die TV-Rechte ab. „Wenn die Olympischen Spiele heuer abgesagt wären, würden die Spiele 2024 ganz anders ausschauen. Es würden weniger Sportler hinfahren können und es gäbe schlechtere Leistungen. Natürlich sind Sponsorengelder wichtig, die finanzieren uns den Sport. Es gehört alles zusammen“, weiß Weißhaidinger.

Jeder Sponsor, der einen Vertrag mit einem Sportler mache, gehe davon aus, dass dieser einmal zu Olympischen Spielen fahre. „Jeder Diskus muss bezahlt werden, jedes Kleidungsstück, jeder Trainer, jede Massage. Dass ist alles wegen der Olympischen Spiele, dass das finanziert werden kann. Und nicht, weil ich in Andorf antrete.“


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