Kritik an mangelnder Flüchtlingsintegration in Griechenland

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Die Caritas hat die EU dazu aufgerufen, Griechenland bei der Flüchtlingsintegration stärker in die Pflicht zu nehmen. Griechenland sehe sich als Transitland „und hat ein Interesse, dass sie (die Flüchtlinge) das Land so schnell wie möglich verlassen“, kritisierte Caritas-Auslandshilfechef Andreas Knapp während eines Besuchs in Griechenland gegenüber der APA. Wegen mangelnder Unterstützung gebe es Fälle anerkannter Asylbewerber, die obdachlos in Städten leben müssten.

Ihnen bleibe dann nichts anderes übrig, als sich auf illegalem Wege in andere Länder durchzuschlagen, schilderte Knapp. Einige von ihnen seien so verzweifelt, dass sie freiwillig in die Flüchtlingslager zurückkehrten, weil sie dort zumindest ein Dach über dem Kopf hätten und Essen bekämen.

Knapp sagte, dass sich die Lebensbedingungen im Zeltlager Mavrovouni auf Lesbos „verbessert“ haben. Es gebe etwa bessere Duschmöglichkeiten. Andererseits hätten während der Pandemie die psychischen Probleme wegen der Ausgangsbeschränkungen zugenommen, und auch die Gewalt an Frauen sei gestiegen, berichtete der Caritas-Auslandshilfechef. Weiterhin würden nur wenige Kinder die Gelegenheit zum Besuch einer Schule haben, zeichnete Knapp ein „gemischtes Bild“ der Situation in dem Zeltlager.

Ein Grund für die besseren Bedingungen sei, dass das Camp nicht mehr so überbelegt ist. Mittlerweile halten sich nur noch 4.800 bis 4.900 Flüchtlinge in dem Lager auf, während es zu Beginn 12.000 gewesen seien. „Ein großer Grund für die Entlastung ist, dass 2.000 betroffene Menschen über ein humanitäres Aufnahmeprogramm von Deutschland, Luxemburg und anderen Ländern aufgenommen wurden“, betonte er.

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Weitere Flüchtlinge seien von der griechischen Regierung auf das Festland gebracht worden. Allerdings handle es sich dabei nur um eine Verlagerung des Problems. Auf dem Festland fänden sie keine Perspektiven vor und müssten innerhalb kürzester Zeit selbst für sich aufkommen. „Besorgnis erregend ist, dass es in Griechenland keine Integrationsprogramme gibt. Einen Monat nach dem Asylbescheid verlieren sie jede Art von Unterstützung“, kritisierte Knapp.

„Es kann nicht sein, dass wir europäische Werte mit Füßen treten und Schutzsuchende monate- und jahrelang unter menschenunwürdigen Bedingungen ausharren lassen, und wenn sie dann den Asylbescheid kommen, sollen sie sich innerhalb kürzester Zeit ohne Unterstützung in die Gesellschaft integrieren“, sagte der Caritas-Helfer. „Man müsste auch die griechische Regierung zur Verantwortung ziehen. Es kann nicht sein, dass sie sich nur als Transitland verstehen.“

So gebe es auch Zweifel, ob die Hilfsgelder für Griechenland wirklich zielgerichtet eingesetzt werden. Viel davon fließe in Grenzschutz und Abschreckung, dabei wäre es besser in Integrationsprogrammen aufgehoben. Die Caritas etwa betreibe in Griechenland ein Programm für alleinstehende Frauen mit Kindern, die ein Jahr lang bei der Unterkunft und der Ausbildung unterstützt werden. Außerdem gebe es ein Programm für unbegleitete Minderjährige.

Befragt zum Fall der in Wien getöteten 13-Jährigen, die eine Debatte über den Umgang mit Asylbewerbern aus Afghanistan ausgelöst hat, sagte Knapp, es gehe hierbei etwa auch um Fragen der besseren Zusammenarbeit von Polizei und Justiz. „Übergreifend“ könne man aber zu dieser Thematik sagen, dass eine bessere Integration auch eine Reduktion des Sicherheitsrisikos bedeute.

(Das Gespräch führte Stefan Vospernik/APA)


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