Oper „Königskinder“ setzte bei Premiere in Erl auf Realismus

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Die Oper „Königskinder“ von Engelbert Humperdinck hat am Freitag bei den Tiroler Festspielen Erl seine Premiere gefeiert. Für die Inszenierung des Märchendramas setzte Matthew Wild auf realistische Szenebilder, die keine märchenhafte Illusion zuließen und den Stoff damit noch zusätzlich gegenwärtig und vertraut erscheinen ließen.

Denn die erzählte Geschichte kennt man und kennt man zugleich nicht. Das Libretto von Humperdinck nach der märchenhaften Geschichte von Ernst Rosmer verarbeitet nämlich in eklektischer Weise zahlreiche bekannte Märchenmotive, in denen eine böse Hexe, dunkle verwunschene Wälder, Könige, Liebe und natürlich Zaubersprüche eine wichtige Rolle spielen.

Gemäß dieser Vorgaben verlieben sich auch in Erl Königssohn und Gänsemagd ineinander. Letztere wird jedoch von einer Hexe mit einem Zauber im Wald gefangen gehalten, doch im Endeffekt gelingt ihre Flucht. Da der Königssohn liebestoll auf seine Krone verzichtet, enden die beiden aber schließlich bettelarm in einem bitterkalten Winterszenario und essen einen verhexten Bissen Brot von der zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon verbrannten Hexe.

Neben diesem roten Faden geschieht viel. Wenig märchenhaft entdeckt und lernt im Verlauf der Oper etwa, dass König-Sein wenig mit Krone und Abstammung zu tun hat, sondern mit dem richtigen Verhalten. König ist damit derjenige, der Königliches tut und denkt. Im Anschluss lässt sich zudem erfahren, dass ein solcher König und eine solche Königin, denn die Gänsemagd soll diese Rolle einnehmen, in der verrohten großen Stadt wenig gelten.

Die Welt der „Königskinder“ ist damit nicht romantisch verklärt, sondern eigentlich beinhart und schonungslos. Das belegt vor allem das Bühnenbild im zweiten Akt, das dem Wald im ersten Akt eine schäbige Würstelbude und städtische Tristesse entgegensetzt. Im dritten Akt ist der Wohnwagen, in denen Hexe und Gänsemagd einst hausten, ausgebrannt und durch das Bühnenbild von Herbert Murauer ebenfalls pointiert-zeitgemäß in Szene gesetzt.

Auch die Musik von Humperdinck prallt unter der musikalischen Leitung von Karsten Januschke auf den Realismus dieser Bilder und wirkt dadurch eigentümlich verändert. Melodienreich, zum Teil liedhaft und stets in polyphonen Farben erstrahlend, gewinnt die Musik durch die Szene-Musik-Kontraste noch an Schönheit und Kraft. Als sie zusammen mit dem Libretto im zweiten Akt auf Bockwurst und Schweineblut trifft, ist ihre Strahlkraft am größten.

Dazu trägt auch die Stimmgewalt der beiden Hauptrollen bei. Gerard Schneider gibt einen äußerst überzeugenden Königssohn und auch Karen Vuong berührt als Gänsemagd, die nach anfänglicher Hoffnung gnadenlos an einer entzauberten Welt scheitert. Nicht zuletzt sorgt darüber hinaus Katharina Magiera als Hexe für wohlige Schauer.

Die Verantwortlichen für Gesangsleistungen, Bühnenbild, Inszenierung und musikalische Umsetzung erhielten nach dem Bühnentod von Königssohn und Gänsemagd verdientermaßen viel Applaus, der erst nach einigen Minuten abebbte. Auch der effektvoll eingesetzte Kinderchor der Schule für Chorkunst München wurde äußerst eifrig beklatscht.

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