Studie rät von Luftreinigern an allen Schulen ab

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Ein flächendeckender Einsatz von Luftreinigungsgeräten an Schulen ist „nicht indiziert“. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung der Universität Stuttgart. Zwar seien die Geräte durchaus wirksam, schreiben die Wissenschafter - allerdings senken sie das Infektionsrisiko auch nicht stärker als das Tragen von FFP2-Masken und haben „Nebenwirkungen“ wie Lärm und Zugluft.

Für die Studie im Auftrag der Stuttgarter Schulverwaltung wurden von Jänner bis Juni 2021 in zehn Schulen jeweils ein bis zwei Klassenräume hinsichtlich des Infektionsrisikos vermessen. Dazu wurde die luftgetragene Ausbreitung ausgeatmeter Aerosole anhand der Freisetzung von Spurengas und Testpartikeln nachgestellt - nicht an „echten“ Lehrern und Schülern, sondern an „thermischen Dummies“, die die Wärmeabgabe von Menschen nachbildeten. Betrachtungszeitraum war eine Doppelstunde mit 90 Minuten - dazu wurden verschiedene Strategien der Fensterlüftung (Dauerkippen bzw. Stoßlüften in verschiedenen Intervallen) erprobt sowie eben Luftreinigungsgeräte und (fix verbaute) raumlufttechnische (RLT-) Anlagen bei unterschiedlichen Stufen bzw. Volumenströmen.

Am schlechtesten schnitt dabei erwartungsgemäß jenes Szenario ab, bei dem bei geschlossenem Fenster ohne FFP2-Maske und ohne Luftreinigung gemessen wurde. Hier betrug das Infektionsrisiko durchschnittlich 38 Prozent. Mit der besten Lüftungsvariante (2,5 Minuten Stoßlüften nach jeweils zehn Minuten) reduzierte sich dies auf 15 Prozent. Noch besser wirkten die Luftreiniger - bei großen Volumenströmen sank die Infektionswahrscheinlichkeit auf sechs Prozent. „Hierbei wurden jedoch die Behaglichkeitskriterien bezüglich Akustik und Zugluftrisiko überwiegend nicht eingehalten“, heißt es in der Studie. Sprich: Es wurde laut und zugig. Außerdem wurden CO2 und die Feuchtigkeit nicht abtransportiert.

Besser bezüglich der Akustik wurde es, wenn die Luftreiniger auf geringere Volumenströme eingestellt wurden. Dann stieg aber umgekehrt wieder das Infektionsrisiko an (auf knapp zehn Prozent).

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Auf genau diesem Niveau lag auch das Infektionsrisiko bei geschlossenen Fenstern und dem Tragen einer FFP2-Maske (ohne Luftreinigung). Lüftet man zusätzlich, sank die Wahrscheinlichkeit einer Infektion (je nach Lüftungsart) auf rund vier Prozent, mit Luftreinigung sogar auf zwei Prozent.

Etwas relativiert wurden die Vorgaben bezüglich Lautstärke und Zugluft durch eine Schüler- und Lehrkräftebefragung. Diese empfanden die Geräte großteils als nicht störend - allerdings nach nur 15 Minuten „Probebetrieb“ und im Juni. Die Wissenschafter vermuten, dass bei längerer Beschallung bzw. in der kälteren Jahreszeit Lärm und Zugluft stärker stören würden.

Angesichts der Ergebnisse empfehlen die Forscher Luftreinigungsgeräte nur dort, wo etwa aufgrund ungenügender Fensteröffnungsfläche unzureichend gelüftet werden kann. Vor allem könne „der Einsatz von Luftreinigungsgeräten nicht andere Maßnahmen (Abstand, Hygiene, Lüften, Maske, Testen, Impfen) zur Eindämmung der Infektionsausbreitung ersetzen oder gar negieren“. Die resultierende Infektionswahrscheinlichkeit beim Tragen einer FFP2-Maske bewege sich unabhängig von den untersuchten Lüftungskonzepten (Luftreinigungsgerät, Fensterstoßlüftung und RLT-Anlage) im selben Größenbereich. „Mittelfristiges Ideal“ wären die fix verbauten RLT-Anlagen, die auch hinsichtlich CO2- und Feuchtigkeit die Raumluftqualität sicherstellen - in der Studie selbst spielten sie nur eine untergeordnete Rolle, da nur zwei Klassen mit solchen ausgestattet waren.

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