Online-Ausstellung macht Schönbergs Plattensammlung hörbar

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Welchen Musikaufnahmen lauschte Arnold Schönberg? Wie klingen seine Werke in dessen eigener Interpretation und wie hört sich seine Stimme an? Das Arnold Schönberg Center und die Österreichische Mediathek laden ab Dienstag mit einer neuen Online-Ausstellung zum Stöbern in der Plattensammlung des berühmten Komponisten. 70 historische Tondokumente werden dabei mit Schönbergs Lebensstationen verknüpft.

Mehr als 400 Schallplatten - darunter frühe Schellacks und Selbstschnittfolien - umfasst der Bestand des Erfinders der Zwölftonmusik. Viele Tonobjekte blieben über Jahrzehnte lang in Kalifornien, wo der 1874 in Wien geborene Schönberg nach seiner Emigration 1933 bis zu seinem Tod 1951 lebte. Sie wurden erst 1998 nach Wien ins Archiv des Schönberg Centers transferiert und dort vor zwei Jahren von der beim Technischen Museum angesiedelten Mediathek zur Digitalisierung und Langzeitarchivierung übernommen, berichtete deren Leiterin Gabriele Fröschl am Montag in einem Pressegespräch.

Dass nun genau 70 davon unter dem Titel „Schönberg. Eine transatlantische Hörreise“ präsentiert werden, ist kein Zufall. Denn am morgigen Dienstag jährt sich der Todestag des Komponisten zum 70. Mal. Die ausgewählten Aufnahmen, die trotz Nachbearbeitung mit dem für frühe Tonträger typischen Knistern unterlegt sind, können in einem audiovisuellen Atlas angeklickt werden. Zu jeder Hörprobe gibt es Hintergrundinfos zum Nachlesen.

Gefüllt war Schönbergs Regal hauptsächlich mit Aufnahmen eigener Werke. „Er war eigentlich kein Plattensammler“, erklärte Kurator Eike Feß. Vielmehr habe er die Dokumente etwa im Unterricht eingesetzt, um Studierende auf bestimmte Interpretationsmerkmale aufmerksam zu machen. Dazu kommen einige Platten, die er von Bekannten oder Freunden geschenkt bekommen habe.

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Als besondere Schmankerl gibt es im Zuge der Online-Ausstellung aber auch vereinzelte Sprachaufnahmen zu hören, etwa einen im Februar 1935 entstandenen „Hörbrief“. Mit dieser gesprochenen Grußkarte - zu dieser Zeit eine durchaus gängige Art der Kommunikation - wünschte Schönberg seiner Schwiegermutter alles Gute zum Geburtstag und forderte sie auf, ihre „sieben Zwetschken“ zu packen, das Nähzeug nicht zu vergessen und zu Besuch in die USA zu kommen. Auch Tochter Nuria, damals noch ein Kleinkind, schickt der Oma im Anschluss noch beste Wünsche.

Schönberg selbst war übrigens alles andere als ein Plattenfan. 1930 geißelte er den „unsäglich rohen Ton“ und „die breiige Zusammensetzung des Klangkörpers, die jede feine Unterscheidung ausschließt“. Dank der Online-Ausstellung lässt sich nun nachhören, was der Ausnahmekomponist damit gemeint haben könnte.

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