Museumsquartier-Chef wechselt zur Sozialbau AG

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Erst Ende Mai war bekannt geworden, dass Christian Strasser für weitere fünf Jahre als Geschäftsführer an der Spitze des Wiener Museumsquartiers (MQ) stehen soll und sein Vertrag bis 30. September 2026 verlängert wird. Daraus wird nun nichts. Stattdessen folgt Strasser mit 1. Jänner 2022 auf den einstigen SPÖ-Kulturminister Josef Ostermayer als Generaldirektor der Sozialbau AG, wie Strasser gegenüber der APA bestätigte. Bis dahin verbleibe er voller Energie an der MQ-Spitze.

Das Angebot habe sich relativ kurzfristig ergeben, begründete Strasser im APA-Gespräch seinen Schritt zu diesem Zeitpunkt. Dabei hätten ihn zwei Elemente zum Abschluss des Fünf-Jahres-Vertrages bewogen. „Nach zehn Jahren ist es gut, wieder einmal einen Wechsel zu machen“, so Strasser, der seit 2011 das Museumsquartier leitet. „Und auf der anderen Seite ist für mich immer wichtig gewesen, in meiner beruflichen Laufbahn sinnvollen Tätigkeiten nachzugehen.“ Und der gemeinnützige Immobilienmarkt trage in seinen Augen ganz wesentlich zur Lebensqualität der Menschen bei und sei in der aktuellen Situation gefragt, ein starkes Gegengewicht zum durch Spekulation getriebenen Immobilienmarkt zu bilden.

Dabei ist die Branche dem gebürtigen Oberösterreicher vertraut, der einst unter anderem zwölf Jahre lang den Immobilienbereich der Stadt Linz verantwortete, bevor er 2011 zum Geschäftsführer des Wiener Museumsquartiers bestellt wurde. Das Areal zählt mit rund 60 kulturellen Einrichtungen und 4,5 Millionen Besucherinnen und Besuchern jährlich zu den größten seiner Art. Strasser habe das MQ in den vergangenen zehn Jahren „maßgeblich geprägt und seine Stellung als eine der wichtigsten Kultureinrichtungen unserer Stadt nachhaltig weiterentwickelt“, so Aufsichtsratsvorsitzender Peter Menasse in einer Aussendung. „Wenn auch sein Abgang einen herben Verlust darstellt, wünsche ich ihm doch herzlich alles Gute für seine neue, verantwortungsvolle Aufgabe.“ Eine Ausschreibung für die Nachfolge von Strasser soll im Herbst erfolgen, teilte das Kulturministerium der APA mit.

Aktuell sitzt der 58-jährige Strasser bereits im Aufsichtsrat der Sozialbau AG. Diese bezeichnet sich selbst mit rund 53.000 Wohnungen als größtes privates und gemeinnütziges Wohnungsunternehmen Österreichs. Aufsichtsratsvorsitzender Hermann Gugler streute Strasser in einer Aussendung Rosen: „Wir freuen uns, mit Christian Strasser einen vielseitigen und erfahrenen Immobilienmanager gewonnen zu haben, der mit unserem Haus in seiner Funktion als Aufsichtsrat seit fünf Jahren bestens vertraut ist.“ Rudolf Ertl als stellvertretender Vorsitzender des Personalausschusses hob die Herausforderung gemeinnützigen Wohnbaus in Zeiten galoppierender Immobilienpreise hervor: „Zur Bewältigung dieser Aufgabe im Wettbewerb mit finanzstarken Immobilieninvestoren braucht es Mut, Entschlossenheit, Kreativität und Durchsetzungsvermögen. Eigenschaften, die Christian Strasser in seiner Berufslaufbahn mehrfach bewiesen hat.“

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Der seit Anfang 2018 als Generaldirektor der Sozialbau AG fungierende Josef Ostermayer, dessen Mandat eigentlich bis Ende 2022 gelaufen wäre, wechselt hingegen in die Geschäftsführung der Imfarr Beteiligungs GmbH.

Der Wiener FPÖ-Landesparteiobmann Dominik Nepp sah im Rückzug von Ostermayer einen „mehr als überfälligen Schritt“. Er verwies auf die Causa Commerzialbank Mattersburg. Die Sozialbau-Gruppe bangt um mehr als 70 Mio. Euro, die in dem Pleite gegangenen Institut deponiert waren. „Nach den horrenden Veranlagungsverlusten des Sozialbau-Verbundes in Mattersburg war Josef Ostermayer defacto nicht mehr tragbar“, befand Nepp in einer Aussendung.

„Sein Rückzug entbindet SPÖ-Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal jedoch nicht davon, endlich für volle Aufklärung der Veranlagungsverluste zu sorgen“, bekräftigte Nepp die freiheitliche Forderung einer Sonderprüfung der betroffenen Unternehmen. Der Wiener FPÖ-Chef bedauerte zudem, dass die Sozialbau AG ihre „Chance der Entpolitisierung des Vorstands“ allem Anschein nach nicht genutzt habe, wie er befand.


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