„It‘s coming Rome“ - Italien feiert Titel und Mancini

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Italiens neue Fußball-Europameister haben ihren EM-Pokal am Montagabend stolz den jubelnden Fans in der Heimat präsentiert. Die Mannschaft von Trainer Roberto Mancini fuhr in einem Bus ohne Dach durch die Straßen Roms und feierte den Triumph gemeinsam mit den Fans. Tausende Zuschauer säumten die Straßen und jubelten der Mannschaft zu. Die Menschen schwenkten italienische Fahnen, sangen und hüpften, die Spieler feierten den Titel mit einer gemeinsamen Laola mit ihren Fans.

Italien war am Sonntagabend durch ein 3:2 im Elfmeterschießen im Finale gegen England in London zum zweiten Mal Europameister geworden. Die Mannschaft war am Montag von Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Mario Draghi empfangen worden. Ob auch die geplante Fahrt mit dem offenen Bus durch Rom möglich ist, war lange unklar. Zunächst hieß es, die geplante Tour müsse aus Sorge vor möglichen Ansteckungen mit dem Coronavirus abgesagt werden.

Draghi gratulierte dem Team zum Gewinn des EM-Titels sowie der Leistung der Auswahl. „Ihr habt Geschichte geschrieben. Ihr habt uns stolz gemacht und in der Feier vereint“, sagte der Politiker „Der Sport vereint die Menschen und lässt uns träumen. Ihr seid Vorbilder, auch für uns.“ Mattarella hatte noch davor in seiner Ansprache im Garten des Quirinalspalastes der Squadra Azzurra und Matteo Berrettini gratuliert, der am Sonntag das Finale des Grand-Slam-Tennisturniers in Wimbledon verloren hatte.

Mancini würdigte den festen Glauben an das gemeinsame Ziel. „Dieser Sieg ist der Beweis, dass man Träume wahr machen kann, die vorher unerreichbar erschienen, wenn man fest an das glaubt, was man tut“, sagte der 56-Jährige. „Diesen Sieg widmen wir allen Italienern.“ Gemeinsam mit ihren Trophäen und einer riesigen Italien-Flagge wurde mit dem Staatspräsidenten posiert. Verbandspräsident Gabriele Gravina sagte, er wünsche sich, dass die Nationalelf eine Inspiration für das ganze Land sein könne.

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Im Morgengrauen bei der Ankunft in Italien hatte Kapitän Giorgio Chiellini den Fans stolz den EM-Pokol entgegengestreckt. Schon da hatten Tausende der Mannschaft zugejubelt. „It‘s coming to Rome“, hatte Final-Torschütze Leonardo Bonucci schon kurz nach dem Triumph am Vorbabend in die Kameras gebrüllt. Der müde Erfolgstrainer Mancini verabschiedete sich mit Sonnenbrille zunächst für einige Stunden zu seiner Familie.

„Wir können noch nicht begreifen, was wir geschafft haben“, sagte der Coach später. Mit dem dramatischen Erfolg krönte sich Italien zum zweiten Mal nach 1968 zum Europameister. Der Coach wurde von der Presse gefeiert. Von der „Gazzetta dello Sport“ erhielt er die Höchstnote 10. „Mancinissimo“, titelte das Blatt und hob ihn in den azurblauen Pantheon mit den Titel-Trainern Vittorio Pozzo (WM 1934, 1938), Ferruccio Valcareggi (EM 1968), Enzo Bearzot (WM 1982) und Marcello Lippi (WM 2006).

Der ehemalige Stürmer, der in seiner aktiven Zeit der Nationalmannschaft nie wirklich große Bedeutung hatte, hat eine Mannschaft geformt, die sich mit Offensivdrang, vor allem aber mit Teamgeist zum EM-Titel gekämpft hat. „Wir haben gespürt, dass etwas Magisches in der Luft lag“, sagte Chiellini. „Wir verdienen es, ganz Italien verdient es.“

Dass Italien vor allem ab der zweiten Spielhälfte eine dominante Vorstellung ablieferte, war Mancinis Verdienst. So nahm er den wirkungslosen Ciro Immobile vom Feld. Als Bonucci nach einem Eckball zum Ausgleich abstaubte (67.) war dies hochverdient. „Der Trainer hat uns gezeigt, dass wir etwas Außergewöhnliches schaffen können, wenn wir daran glauben“, sagte Bonucci. „Dieser Sieg ist der Beweis, dass man immer daran glauben muss. Auch wenn man ganz unten ist“, sagte der Juventus-Profi.

Dass die Italiener trotz zu EM-Start 27 Spielen ohne Niederlage am Ende den Titel stemmen, war nicht unbedingt vorhersehbar. Vor dem Turnier hatten die „Azzurri“ in allen Mannschaftsteilen nicht annähernd so große Namen wie die Franzosen, Belgier oder Portugiesen. Jetzt schwärmen alle von Linksverteidiger Leonardo Spinazzola, dessen Ausfall von Emerson aufgefangen wurde, Taktgeber Jorginho oder dem im Finale erneut starken Angreifer Federico Chiesa.

Nicht jeder Trainer hätte ein Innenverteidiger-Tandem mit 35 Jahren im Durchschnitt nominiert. Aber das Juventus-Gespann Chiellini und Bonucci verrichtete erstklassige Arbeit. Aus den drei Gruppenspielen gingen die Italiener ohne Gegentor hervor, ab dem Achtelfinale traf der jeweilige Gegner - u.a. Österreich beim 1:2 n.V. - nur einmal. Bonucci postete ein Foto aus dem Hotel von sich und Chiellini - den silbernen Pokal im Bett dazwischen: „Keine Angst, er wird gut schlafen“, schrieb er.

Großen Anteil am Erfolg hatte auch Torhüter Gianluigi Donnarumma, der im Elfmeterschießen sowohl im Halbfinale gegen Spanien als auch im Endspiel der gefeierte Held war und zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde. Der 22-jährige Keeper sagte um Worte ringend: „Wir waren spektakulär, wir waren grandios.“ Chiellini merkte an: „Ich darf glücklich sein, weil ich mit Gianluigi Buffon gespielt habe. Nun spiele ich mit Donnarumma - es ist dasselbe.“

Nach dessen entscheidender Parade im Finale brach in Rom und vielerorts in Italien der Verkehr zusammen. In der Hauptstadt fuhren fahnenschwenkende Fans in Autos und auf Motorrädern um die Altstadt. An den großen Plätzen entzündeten viele Feuerwerk und bengalische Lichter. Die Polizei schritt größtenteils nicht ein. In Mailand wurden drei Menschen bei Feiern schwer verletzt. Einer soll durch die Explosion eines Feuerwerkskörpers Finger verloren haben. Auf Sizilien kam einer ums Leben.

Mancini hat seinen Vertrag langfristig bis 2026 verlängert, die WM im kommenden Jahr in Katar ist das nächste große Ziel der Azzurri. So weit wollte Mancini im großen Jubel noch nicht vorausblicken. Erst einmal genoss er den Moment: „So etwas Schönes habe ich noch nie erlebt“, sagte er sichtlich gerührt.


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