Niederösterreicher Konrad gewinnt 16. Tour-de-France-Etappe

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Bora-Profi Patrick Konrad hat am Dienstag als erst dritter Österreicher eine Etappe der Tour de France gewonnen. Auf den Tag genau 90 Jahre nach einem der drei Tagestriumphe bei der „Großen Schleife“ durch Max Bulla setzte sich der Niederösterreicher nach einem Ruhetag und 169 km von Pas de la Case in Andorra nach Saint-Gaudens solo durch. Konrad präsentierte sich überaus aktiv und suchte nach Rang zwei am Samstag in Quillan in den Pyrenäen erfolgreich seine Chance.

„Der erste Sieg auf der World Tour und das beim größten Radrennen der Welt, ich bin wirklich sprachlos“, sagte Konrad im ersten Interview auf Eurosport. „Der Sieg ist für meine Familie, meine Freunde und mein Team Bora - für alle, die an mich geglaubt haben. Ich glaube, der Erfolg ist im richtigen Moment gekommen. Ich bin richtig stolz, das ist wie ein Befreiungsschlag.“

Nach dem mit einer Seehöhe von 2.080 m höchstgelegenen Start der Tour-Geschichte setzte Konrad nach rund zweieinhalb Stunden aus einer Verfolgergruppe einem Spitzen-Trio nach, aus dem neben dem österreichischen Staatsmeister der Belgier Jan Bakelants und der Franzose Fabien Doubey übrigblieben.

Da eine zehnköpfige Verfolgergruppe aber nur rund eine halbe Minute zurücklag, suchte der angehende rot-weiß-rote Olympia-Teilnehmer sein Heil in der Flucht und hielt bei recht kühlen, windigen und auch feuchten Bedingungen die Konkurrenz bis zum Schluss auf Distanz, baute sogar den Vorsprung auf die hinter ihm sich mühenden David Gaudu (FRA/Groupama) und dem letztlich vor dem Australier Michael Matthews (BikeExchange) Zweiten Sonny Colbrelli (ITA/Bahrain) kräftig aus.

Konrad nahm auch noch zwei Bergwertungssiege mit und beeindruckte auf den letzten 40 km des Teilstücks mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40,1 km/h. Sein Vorsprung auf die Gruppe mit Colbrelli betrug nach einer 36-km-Solofahrt schließlich 42 Sekunden. Die Asse um den Führenden Tadej Pogacar hatten rund eine Viertelstunde Rückstand. Der Slowene führt nach dem Auftakt in die Schlusswoche der Rundfahrt weiter souverän mit mehr als fünf Minuten Vorsprung die Gesamtwertung an.

Konrad verbesserte sich um sieben Positionen an die 21. Stelle (+47:02 Min.). „Ich war schon dreimal in einer Ausreißergruppe, diesmal wollte ich es aber bis zum Finish durchziehen“, gab Konrad an. „Ich habe mir schon nach dem zweiten Platz gedacht, wenn ich noch einmal in diese Situation komme, bin ich der Erste, der angreift. Ich bin glücklich, dass es funktioniert hat, wie ich mir das ausgemalt habe. 500 m vor dem Ziel habe ich dann an den Sieg geglaubt“, verriet der Sohn von Vienna-City-Marathon-Veranstalter und Ex-Leichtathlet Wolfgang Konrad.

Er habe gespürt, dass die Form weiter stimmt, sagte Jungvater Konrad junior. „Ich habe gewusst, ich habe die Beine, die Form und das Talent, dass ich so etwas gewinnen kann. Heute habe ich quasi das Glück etwas gezwungen und habe es mit der Brechstange versucht, als ich auf der zweiten Bergwertung das Loch zur Spitzengruppe zugefahren bin. Ich war ruhig und habe mir gesagt: ‚Patrick, du bist heute der, der gewinnt. Es geht gar nicht anders.‘ Ich habe es geschafft, eine Tour-de-France-Etappe gewonnen.“

Colbrelli hätte im Sprint gegen Konrad wohl Vorteile gehabt, im Endeffekt akzeptierte er die Stärke des Österreichers: „Der zweite Platz gibt mir nicht viel. Ich wäre gerne ganz vorne gewesen. Ich habe mein Bestes gegeben, aber wir sind nicht mehr herangekommen. Patrick war stärker.“

Bulla hatte seine drei Etappensiege bei der Tour eben 1931 geholt, danach schlug nur Georg Totschnig 2005 ebenfalls in den Pyrenäen solo zu. Fünf Jahre davor hatte Peter Luttenberger mit seiner Equipe in einem Teamzeitfahren triumphiert.

Konrad hatte davor zahlreiche Topränge wie Rang zwei vom Samstag oder auch beim Giro d‘Italia 2020, aber noch keinen Sieg im Ausland - nur die ÖRV-Meistertitel 2019 und 2021. 2019 war er Tour-de-Suisse-Dritter. Bei der Heim-WM 2018 in Innsbruck hatte Konrad die hohen Erwartungen noch nicht erfüllt. Im Gegensatz zu seinen langjährigen Bora-Kollegen Lukas Pöstlberger (Giro-Etappensieg), Felix Großschartner und Gregor Mühlberger hat der 29-Jährige lange warten müssen auf den ersten Sieg. Der war umso wertvoller.

Konrad fährt seit seinem Übertritt in die World Tour 2015 für Bora. Er erhielt für seine siebente dreiwöchige Rundfahrt und die dritte Tour-Teilnahme viele Freiheiten von seinem Rennstall und dankte es mit dem zweiten Tagessieg nach dem Deutschen Nils Politt. „Ich werde es weiter probieren“, hatte er nach dem zweiten Rang am Samstag in Quillan angekündigt.

Am Mittwoch warten auf die Fahrer erneut in den Pyrenäen drei knackige Anstiege innerhalb von gerade einmal 60 Kilometern. Auf den 178,4 km von Muret nach Saint-Lary-Soulan am Col du Portet sind vor dem extrem schwierigen Schlussanstieg noch zwei Berge der ersten Kategorie zu überwinden: der Col de Peyresourde und der Col de Val Louron-Azet. Titelverteidiger Tadey Pogacar nannte die 17. Etappe die schwierigste verbleibende Etappe der laufenden Tour.


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