Gewalt in Südafrika greift auf weitere Regionen über

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Nach gewalttätigen Protesten und Plünderungen mit mindestens 72 Toten in Teilen Südafrikas formiert sich in einigen Provinzen ziviler Widerstand. Aus Townships rund um Städte wie Kapstadt, Mahikeng oder East London kamen Berichte über zivile Anrainergruppen, die ihre Infrastruktur gegen Plünderer zu schützen versuchten. Der junge Monarch der in der betroffenen Provinz KwaZulu-Natal lebenden Volksgruppe der Zulu, König Misuzulu, forderte ein Ende des Chaos.

„Es hat große Schande über uns gebracht; das Volk meines Vaters begeht Selbstmord“, meinte er in einer landesweit übertragenen Rede. Die Plünderungen müssten umgehend aufhören.

Der König hat großen Einfluss in der Zulu-Bevölkerung, der auch Ex-Präsident Jacob Zuma angehört. Er war nach dem Tod seines Vaters erst vor kurzem inthronisiert worden. „Ich rufe die Zulu-Nation auf, sich von der Zerstörung unserer Nation Südafrika zurückzuziehen“, forderte er. Sie zerstöre die Wirtschaft des Landes und auch zahlreiche Jobs der Armen. Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen rief er auch dazu auf, die starke indischstämmige Bevölkerung in KwaZulu-Natal als Brüder und Schwestern zu behandeln.

Die Provinz war besonders schwer betroffen von der Gewalt, die sich zunächst an der Inhaftierung Zumas entzündet hatte. Dort gab es auch am Mittwoch weitere Berichte über Plünderungen. Das mittlerweile zur Unterstützung der Polizei mobilisierte Militär wurde laut Regierungsangaben vor allem an strategischen Punkten rund um Krankenhäuser und Flughäfen, aber auch im Township Alexandra bei Johannesburg stationiert. Während der Unruhen wurden auch mindestens vier Ausländer aus Somalia getötet und weitere verletzt.

In dem Ort Vosloorus im industriellen Zentrum rund um Johannesburg (Gauteng-Provinz) distanzierte sich in der Zwischenzeit der Vorsitzende des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), Gwede Mantashe, von Behauptungen, die Gewalt sei ein Protest gegen die Inhaftierung des früheren ANC-Vorsitzenden Zuma. „Einkaufskomplexe niederzubrennen hat nichts mit Zuma zu tun, aber eine Menge mit Kriminalität“, sagte er vor laufender Kamera. Auf die Frage nach dessen möglicher Begnadigung meinte er: „Inmitten einer Krise blinzelt man nicht.“ Kriminelle sabotierten die Basis der Wirtschaft und zerstörten eine Infrastruktur, die den Armen ihre Jobs nehme.

Wie das somalische Außenministerium am Dienstag zudem bestätigte, wurden auch zahlreiche somalische Geschäfte in der Provinz KwaZulu-Natal geplündert - sie waren in der Vergangenheit bei Übergriffen in Südafrika wiederholt Ziel von Attacken. Das somalische Außenamt appellierte an Südafrikas Regierung, somalische Staatsbürger vor Übergriffen zu schützen. Auch die Afrikanische Union (AU) rief angesichts der Gewalt zu einer Wiederherstellung der Ordnung auf.

Bürgerwehren in Zuma Heimatprovinz KwaZulu-Natal sowie der Gauteng-Provinz versuchten, ein Überschwappen der Gewalt in die Wohnviertel zu verhindern. Dort wurden ganze Gewerbegebiete geplündert und in Brand gesteckt. Neben Baumärkten, Imbissen, Elektrogeschäften und Supermärkten wurden auch Kliniken und Impfzentren attackiert, was zu einer Unterbrechung der Covid-19-Impfungen führte. Zudem drohen Versorgungsengpässe.

Begonnen hatten die Krawalle als eine Form des Protestes gegen die Inhaftierung des Ex-Präsidenten Jacob Zuma; innerhalb weniger Tage entwickelten sie sich dann aber zu großflächigen Ausschreitungen. Zuma war wegen Missachtung der Justiz zu einer Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt worden, die er vor einer Woche antrat. Er muss sich vor einer Untersuchungskommission wegen verschiedener Korruptionsvorwürfe während seiner Amtszeit (2009-2018) verantworten, war aber einer Vorladung nicht gefolgt.


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