Südafrikas Präsident: Gewalt im Land geplant und koordiniert

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Die tagelangen Proteste und Plünderungen in Teilen Südafrikas mit mindestens 121 Toten wurden nach Angaben von Präsident Cyril Ramaphosa durch Hintermänner koordiniert. In einem durch drei Armee-Panzer gesicherten Einkaufszentrum der Hafenstadt Durban in der besonders stark betroffenen Provinz KwaZulu-Natal verurteilte er die Gewalt als Angriff auf die Demokratie. Nach einigen Anstiftern werde bereits gesucht. Unterdessen verschärften sich die Versorgungsengpässe.

„Es ist offenkundig, dass zu all diesen Zwischenfällen und Plünderungen angestiftet wurde; es gab Leute, die sie geplant, die sie koordiniert haben“, sagte Ramaphosa in Durban in der besonders stark betroffenen Provinz KwaZulu-Natal. Einige seien identifiziert worden und würden gesucht. „Wir werden keine Anarchie und Unruhe in unserem Land gestatten“, sagte der 68-Jährige.

Mit Blick auf die Opferzahlen hätte die Situation durchaus schlimmer ausgehen können, sagte der Präsident. „Ja, wir hätten besser sein können, aber wir waren überwältigt von der Situation.“. Oberstes Ziel der Polizei sei gewesen, weitere Verluste an Menschenleben zu vermeiden. Ziel der ungenannt bleibenden Hintermänner sei auch eine Destabilisierung der Wirtschaft gewesen, so Ramaphosa. Anders als zunächst erklärt, sei die Gewalt nicht ethnisch bedingt gewesen.

In dem bei Johannesburg gelegenen Township Alexandra warnte der Streitkräfte-Chef, General Rudzani Maphwanga, nach der demonstrativen Landung eines schweren Transporthelikopters: „Wir werden Gewalt mit Gewalt beantworten; wir werden keine ökonomische Sabotage erlauben.“

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Südafrikas Regierung hat weitere 25.000 Soldaten mobilisiert, um die gewalttätigen Proteste in den betroffenen Provinzen KwaZulu-Natal und dem Ballungsgebiet um die Städte Pretoria und Johannesburg (Gauteng-Provinz) zu beenden. Es handelt sich um einen der größten Militäreinsätze seit Bestehen eines demokratischen Südafrikas.

Laut Ramaphosa kamen allein in KwaZulu-Natal 95 Menschen ums Leben. Am Vortag waren landesweit offiziell 117 Tote bekanntgegeben worden - 91 davon in der Küstenprovinz, wo es in der Nacht zu Freitag noch Berichte über vereinzelte Übergriffe gab. Dort verschärfen sich die Versorgungsengpässe. Ein Problem sei die Sperrung wichtiger Transportrouten, warnten Verbraucherorganisationen. Die strategisch wichtige Autobahn zwischen Durban und Johannesburg wurde im Laufe des Tages wieder geöffnet. Raffinerie-Schließungen führten zu langen Schlangen vor Durbans wenigen offenen Tankstellen. Die Regierung warnte vor Hamsterkäufen und verbot das Befüllen von Benzinkanistern.

Da auch Drogerien und Kliniken geplündert wurden, sind Medikamente knapp. Nach Angaben der Molkerei-Organisation Sampro müssen Landwirte zudem Milch vernichten, da kein Transport von den Ställen möglich ist.

Die Proteste richteten sich zuerst gegen die Inhaftierung des aus KwaZulu-Natal stammenden Ex-Präsidenten Jacob Zuma, der eine 15 Monate lange Haftstrafe wegen Missachtung der Justiz antreten musste. Den Protesten folgten dann großflächige Ausschreitungen.


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