Tokio-Spiele unter Glaskuppel und ohne Brimborium

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Unter Schatten und Last der Corona-Pandemie werden am Freitag in Tokio die Olympischen Spiele eröffnet. An mehr als 40 Schauplätzen werden rund 11.100 Athletinnen und Athleten in 33 Sportarten bis 8. August 339 Medaillenentscheidungen austragen. Zuschauer sind beim weltgrößten Sportereignis wegen steigender Infektionszahlen nicht zugelassen. Frühe japanische Erfolge sollen die ablehnende Haltung im Land ins Gegenteil verkehren. Österreich ist mit 75 Sportlern vertreten.

Nach 1964 ist Tokio zum zweiten Mal Gastgeber der Sommerspiele, Nippon werden bei der XXXII. Auflage aber alle Kräfte abverlangt. Zum ohnehin in normalen Zeiten immensen Aufwand der Abwicklung von Olympischen Spielen kommen die umfangreichen Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung des Virus, die jeder einzelne im Olympia-Tross mittragen muss. Zum Schutz vor Terrorismus und Cyber-Angriffen sowie zur Verkehrsregelung sind 60.000 Polizisten im Einsatz.

Fast unbemerkt fand der Fackellauf statt, ohne großes Brimborium - wie alles andere auch. Denn auf dem Weg durch die 47 Präfekturen waren die Zuschauer zumeist von den Straßen verbannt worden. Die während der Spiele geplanten Fanmeilen und Partyzonen wurden wieder dichtgemacht und die Japaner aufgefordert, die Straßenbewerbe in der Leichtathletik nicht live vor Ort zu verfolgen, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Das „Nippon Festival“, das die Kunst und Kultur des Landes zeigen soll, wird situationsangepasst stattfinden.

Japans Kaiser Naruhito soll der Eröffnungszeremonie beiwohnen. Das Auftreten der Sportler und die Kraft des Sports sollen „frische Hoffnung und Ermutigung zu den Menschen auf der Welt bringen“, hatte das Organisationskomitee mitgeteilt. „United by Emotions“ (Vereint durch Emotionen) lautet der Titel der Feier zum Startschuss, bei der erstmals jeweils eine Fahnenträgerin und ein Fahnenträger für ihr Land einmarschieren werden. Für Österreich sind es die Rio-Bronzemedaillengewinner Tanja Frank und Thomas Zajac. Die Schlussfeier findet unter dem Motto „Worlds We Share“ (Welten, die wir teilen) statt.

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Nach der coronabedingten Verschiebung um ein Jahr vollzogen japanische Regierung, Organisationskomitee und Internationales Olympisches Komitee schon früh den Schulterschluss und ließen keinen Zweifel daran, dass die Sommerspiele 2021 - unter dem offiziellen Namen Tokyo 2020 - durchgezogen werden. Entgegen zahlreicher Warnungen von Medizinern und trotz großer Ablehnung der Bevölkerung, denn im Land des Lächelns sind fröhliche Gesichter nicht nur wegen der Maskentragepflicht spärlich zu sehen, wenn es um Olympia geht.

Angelegt ist das Ganze als rießengroße Bubble, alle Involvierten sollen mittels ausgeklügeltem Transportnetz und penibel aufgelisteten Aktivitätsplan unterhalb der Glaskuppel bleiben. Eine Absage hätte einen Verlust von Milliarden-Einnahmen aus Fernseh-Übertragungsrechten und Sponsorengeldern bedeutet. Die Sportlerinnen und Sportlern nehmen Spiele unter den gegebenen Umständen in Kauf. Für viele ist es eine Einmal-Chance, die genützt werden will.

Die Organisatoren bitten daher alle nach Japan Reisenden, sich besonders an Orten, an denen sie in die öffentliche Wahrnehmung kommen, an die strikten Regeln zu halten, um keinen Shitstorm auf Social Media zu riskieren. „Japan hat ein unglaublich starkes Team, mit den Erfolgen wird auch die Stimmung kommen“, hält sich ÖOC-Präsident Karl Stoss an der Hoffnung fest, das am Ende alles gut werden wird.

Das Olympische Dorf, wo Athletinnen und Athleten aus aller Welt normalerweise Freundschaften schließen und nach vollbrachter Arbeit fröhliche Partys feiern, gelten Abstandsregeln, Maskenpflicht und Alkoholverbot in öffentlichen Bereichen. Auch Kondome werden entgegen der Gepflogenheit erst zur Abreise ausgehändigt. Ausgecheckt werden muss spätestens 48 Stunden nach Beendigung des Wettkampfes. Rund 17.000 Athleten und Offizielle sind über den gesamten Zeitraum gesehen in den 21 Gebäuden auf dem 44 Hektar großem Areal in der Bucht von Tokio untergebracht.

Es sind Spiele, bei denen mit 33 Sportarten so viele wie nie im Programm zu finden sind und an denen mit der neuseeländischen Gewichtheberin Laurel Hubbard erstmals eine Transgender-Athletin teilnimmt. Es sind Spiele, bei denen die Frauenquote unter den Aktiven fast fünfzig Prozent erreicht. Alles Meilenstein. Es sind aber auch Spiele, die sich Japan beim erfolgten Zuschlag am 7. September 2013 in Buenos Aires wohl ganz anders vorgestellt hat. Und es sind Spiele, die eigentlich nur positiv überraschen können.


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