Wagner-Festspiele Bayreuth lassen den „Holländer“ fliegen

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Das Coronajahr 2020 war auch für die Bayreuther Festspiele ein Schock, musste doch der Wagner-Marathon am Grünen Hügel, für den auch das Megaprojekt eines neuen „Rings“ in der Regie des jungen österreichischen Regisseurs Valentin Schwarz vorgesehen war, abgesagt werden. Heuer nun wird traditionell wieder am 25. Juli die Fanfare vom Balkon des Festspielhauses erschallen und die 911 Festspielgäste zur ersten Premiere locken - die Hälfte der sonst möglichen Zuschauerzahl.

Das sind die Zugeständnisse, die man den nach wie vor geltenden Coronaregeln machen muss. Diejenigen, die eine Karte ergattert haben, werden dann zum Auftakt den „Fliegenden Holländer“ in der Regie von Bayreuth-Debütant Dmitri Tschernjakow (englisch transkribiert Tcherniakov) erleben. Die musikalische Leitung hat hier die einstige Grazer Chefdirigentin Oksana Lyniv inne, die als erste Frau am Hügel die musikalische Verantwortung für eine Neuproduktion trägt. Die Liga der Bayreuth-Neulinge ergänzt als Senta Salzburg-Star Asmik Grigorian, die auf der Bühne von Routiniers wie John Lundgren als Holländer und Georg Zeppenfeld als Daland flankiert wird.

) samt entsprechendem Rahmenprogramm. Im analogen Fernsehen ist der heurige „Holländer“ auf 3sat am 31. Juli ab 20.15 Uhr zu erleben. Die in den Folgetagen angesetzten Wiederaufnahmen der „Meistersinger“ (26. Juli) mit Staatsopern-Musikdirektor Philippe Jordan am Pult und des „Tannhäuser“ (27. Juli) mit dem heimischen Starbass Günther Groissböck als Landgraf Hermann sind dann nur im BR-Radio zu hören, bevor am 29. Juli endgültig die Österreicher den Grünen Hügel übernehmen.

Schließlich ist an diesem Tag die Premiere der semiszenischen „Walküre“ in der Gestaltung des Aktionskünstlers Hermann Nitsch zu erleben. Gespielt wird das Werk unter musikalischer Leitung des Finnen Pietari Inkinen mit hochkarätigen Solisten wie Klaus Florian Vogt (Siegmund), Shootingstar Lise Davidsen (Sieglinde), Iréne Theorin (Brünnhilde) und erneut Günther Groissböck (Wotan), die allesamt von der Rampe aus singen. Auf der Bühne indes will Nitsch mit zehn Akteuren eine seiner Malaktionen realisieren. „klänge werden zu farben“, verspricht der Aktionskünstler im Vorfeld ein besonders farbenprächtiges Spektrum aus seiner Palette. Die „Walküre“ ist ebenfalls ab 18.05 Uhr zeitversetzt im BR-Klassik-Radio mitzuhören.

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Flankiert wird dieses Ereignis durch die Schiene „Diskurs“, die Werke aus verschiedenen Kunstrichtungen umfasst, die sich die anderen drei Teile des „Rings“ als Ausgangspunkt nehmen. Eröffnet wird das Ganze am Vormittag mit der Kurzoper „Das Rheingold - Immer noch Loge“ im Festspielpark, für die der deutsche Komponist Gordon Kampe ein Libretto von Paulus Hochgatterer vertont hat. Für die Inszenierung zeichnet Puppenmagier Nikolaus Habjan verantwortlich, der drei Gesangssolisten und einige Klappmaulpuppen die „Ring“-Tetralogie fortspinnen lässt und Loge als Brandstifter von Walhall vor Gericht stellt. Hinzu kommt eine kurze multimediale Arbeit von Jay Scheib zum „Siegfried“ und eine Installation zur „Götterdämmerung“ der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota im Festspielpark.

Man hat also durchaus Großes vor bis 25. August in Bayreuth, obwohl das Jahre 2021 finanziell für die Festspiele angesichts der beschränkten Zuschauerzahl durchaus eine Herausforderung ist, deckt man doch für gewöhnlich die Kosten des laufenden Betriebs zu rund zwei Dritteln aus den Ticketeinnahmen. Und 15 Millionen Euro fehlten wegen der Festspiel-Absage 2020 in der Kasse.

Auch abseits der Corona-Zwangspause hatte Intendantin Katharina Wagner zuletzt schwere Zeiten zu überstehen, lag die 43-Jährige doch mit einer Lungenembolie im Koma, hat sich nach eigenen Angaben aber wieder erholt. So kann sie sich aktiv beteiligen am laufenden Strukturprozess für die Festspiele, deren Gesellschafter die Bundesrepublik, der Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth sind. Den Prozess hatte die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters eingemahnt, worauf der Stiftungsrat einen Arbeitskreis mit der Reform der Satzung der Richard-Wagner-Stiftung befasste. Es gilt also wie jedes Jahr am Grünen Hügel: Es bleibt spannend.

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