Terrorismus-Experte als Gutachter in Wiener IS-Prozess

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Der deutsche Islamwissenschafter Guido Steinberg hat am Dienstag im Prozess gegen zwei mutmaßliche Foreign Fighters der radikalislamistischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), deren Ehefrauen und den in einem separaten Verfahren rechtskräftig zu 20 Jahren verurteilten früheren „Hassprediger“ Mirsad O. ein Gutachten erstattet. Mirsad O. sei bis zu seiner Festnahme „der führende IS-Prediger in Österreich“ gewesen, sagte der Experte für islamistischen Terrorismus.

Der 39-Jährige, der ab 2005 in Wien als Prediger auftrat, sei „Teil der Eindeutschung des Dschihadismus“ gewesen, führte Steinberg aus. Mirsad O. studierte von 2002 bis 2008 in Medina und machte sich eine Auslegung des saudi-arabischen Islamismus eigen, den Steinberg als „konservativ, rückwärtsgewandt“ bezeichnete. Der Wahhabismus vertrete die Überzeugung, dass Gläubige so leben müssten wie die erste Generation der Muslime: „Jeder, der nicht so lebt, gerät schnell in Gefahr, als Ungläubiger bezeichnet zu werden.“ Diese grundsätzliche Einstellung habe Mirsad O. um die Idee des Jihadismus - eines geführten militärischen Kampfes - angereichert und sein Gedankengut in weiterer Folge bis nach Syrien getragen.

Mehr als 60 junge Anhänger des Wiener Predigers sollen sich insgesamt nach Syrien begeben haben, um sich dort dem IS anzuschließen. Mirsad O. sei in Islamisten-Kreisen zum „Star der Szene“ aufgestiegen, skizzierte der Sachverständige dessen Werdegang. Zuspruch fand er laut Steinberg nicht nur „wegen seiner profunden Ausbildung in Saudi-Arabien“, sondern vor allem, weil er auf Deutsch predigte. Damit habe er des Deutschen mächtige Männer aus unterschiedlichsten Herkunftsländern erreicht, vor allem auch Tschetschenen.

Grundsätzlich hätten sich etliche Tschetschenen „mehr aus Abenteuerlust“ auf den Weg nach Syrien gemacht, stellte Steinberg fest. Das gelte jedoch nicht für die Schüler von Mirsad O. Diese hätten sich „aus Überzeugung“ dem Jihad angeschlossen.

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Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Die Urteile sollen in der kommenden Woche fallen.


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