Kennedy-Witwe als US-Botschafterin in Wien nominiert

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Die Witwe des früheren US-Senators Ted Kennedy, Victoria Kennedy, soll neue amerikanische Botschafterin in Wien werden. US-Präsident Joe Biden habe Kennedy als US-Missionsleiterin in Österreich vorgeschlagen, berichteten US-Medien am Mittwochnachmittag (Ortszeit) unter Berufung auf das Weiße Haus. Die Nominierung war seit der Vorwoche erwartet worden, nachdem die Präsidentschaftskanzlei in Wien erklärt hatte, dass Österreich ihr die offizielle Zustimmung erteilt hatte.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte die sich abzeichnende Nominierung als „Auszeichnung“ und „Ehre“ für Österreich bezeichnet. Der Vorschlag des Weißen Hauses muss aber noch vom US-Senat bestätigt werden. Weil Bidens Demokraten dort eine Mehrheit haben, gilt dies aber nur als Formsache. Allerdings könnte sich das Prozedere, bei dem sich Kennedy auch einer Anhörung stellen muss, bis in den Herbst ziehen. Das US-Portal Axios hatte bereits Ende Mai berichtet, dass „Vicki“ Kennedy für einen Botschafterposten „in einem westeuropäischen Land“ vorgesehen sei. Die Tochter des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy, Caroline, werde demnach Botschafterin in Australien.

Die 67-jährige Victoria Kennedy stammt aus dem Südstaat Louisiana. Ihr Vater Edmund Reggie war ein Richter und Banker, der John F. Kennedy schon in dessen erfolglosem Präsidentschaftswahlkampf 1956 unterstützte. Ihre Mutter Doris Ann Boustany war ebenfalls in der Demokratischen Partei aktiv. Victoria Kennedy hat maronitische Vorfahren aus dem Libanon, die nach Louisiana ausgewandert waren.

Ted und Victoria Kennedy heirateten im Jahr 1992. Seine zweite Frau half dem Präsidentenbruder, vom Image des Trunkenboldes und Schürzenjägers wegzukommen. Die „New York Times“ berichtete, dass sie wesentlichen Anteil daran hatte, dass Kennedy bei der Senatswahl 1994 den republikanischen Herausforderer Mitt Romney in Schach halten konnte. Drei Jahre später gab Vicki Kennedy ihren Anwaltsberuf auf und begann sich stärker politisch zu engagieren. So versuchte sie etwa, katholische Unterstützer für den demokratischen Präsidenten Barack Obama zu organisieren.

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Nach dem Tod ihres Ehemanns im Jahr 2009 war sie auch als mögliche Nachfolgerin im Gespräch. Sie lehnte es aber ab, den Sitz ihres Mannes bis zur neuen Senatswahl zu übernehmen. Das Rennen bei der vorgezogenen Wahl im Jahr 2010 machte dann der Republikaner Scott Brown. Als im Jahr 2012 eine reguläre Senatswahl stattfand, wollte Kennedy ihren Hut wieder nicht in den Ring werfen. Als Herausfordererin Browns trat Elizabeth Warren an, die nach ihrem Wahlsieg im Senat zur Ikone des linken Parteiflügels wurde und deren Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2020 von großer Euphorie begleitet wurde.

Kennedy, die sich auch als Aktivistin für ein strengeres Waffenrecht einen Namen machte, war schon unter Obama für einen Regierungsposten vorgesehen. Der damalige Präsident nominierte sie im Februar 2014 für den Posten des Gouverneurs der US-Post (USPS). Im stark polarisierten US-Senat ging die Nominierung aber nicht durch.


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