IS-Prozess: Ex-“Hassprediger“ Mirsad O. offenbar geläutert

  • Artikel
  • Diskussion

Der auf Deradikalisierung und Extremismusprävention spezialisierte Verein Derad hält die Angaben des vormaligen islamistischen „Hasspredigers“ Mirsad O. alias Ebu Tejma, er habe sich vom radikalislamistischen Gedankengut abgewendet, für glaubwürdig. Das ist am Donnerstag am Wiener Landesgericht im seit 7. Juli laufenden Prozess gegen den mittlerweile 39- Jährigen, zwei mutmaßliche Foreign Fighters der Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) und deren Frauen deutlich geworden.

Mirsad O. verbüßt in der Justizanstalt (JA) Garsten eine 20-jährige Freiheitsstrafe, seit mittlerweile sieben Jahren befindet sich der vormalige radikalislamistische Prediger in Haft. Zwei Mal monatlich trifft er sich in der JA zu Terminen mit Derad, wobei der Verein in einem mit 27. Mai datierten, ans Wiener Landesgericht gerichteten Bericht auf ein „respektvolles und konstruktives Gesprächsklima“ verweist und die Kooperation des 39-Jährigen betont. Mirsad O. halte sich von „problematischen Insassen bewusst fern“, distanziere sich von seiner vormaligen Weltanschauung und wolle seine früheren Vorträge und Predigten, die auf Video aufgezeichnet wurden, „am liebsten aus dem Internet löschen“, zitierte der vorsitzende Richter aus der ausführlichen schriftlichen Stellungnahme des Vereins.

Laut Derad wird über Mirsad O. in radikalislamistischen Kreisen inzwischen „schlecht geredet“, weil sich herumgesprochen haben dürfte, dass er seine früheren Positionen aufgegeben hat. Im Gefängnis arbeitet der 39-Jährige in der Schlosserei, seit April 2018 trifft er sich regelmäßig mit dem katholischen Seelsorger in der Werkstätte, im Spazierhof und im Zellentrakt zu „ethisch-philosophischen Gesprächen und theologischen Fragestellungen“, wie Derad festhält. Einen katholischen Mithäftling soll er bei Exerzitien des Heiligen Ignatius unterstützt haben.

Den Terror-Anschlag in Wien vom 2. November 2020, bei dem vier Passanten erschossen wurden, verurteilt Mirsad O. laut Derad als „unislamisch und unmenschlich“. Der Anschlag habe ihn „erschüttert“. Mirsad O. befürchte, dass das Attentat zu einer „gesellschaftlichen Zuspitzung“ und antimuslimischen Stimmung führen werde.

"Kaiserschmarrndrama": 50x2 Karten für den Premieretag gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Mirsad O. hatte sich in dem Wiener Verfahren zum Vorwurf schuldig bekannt, Turpal I., den mutmaßlichen Kommandanten einer in Syrien operierenden tschetschenischen Kampftruppe des IS, und einen zweiten Foreign Fighter zum Jihad bewogen zu haben. Derad hält die Umkehr des früheren Predigers für „authentisch, ohne dass der Eindruck entstehen würde, er würde sich anbiedern“.


Kommentieren


Schlagworte