Bundespräsident eröffnete die Salzburger Festspiele

  • Artikel
  • Diskussion

Nicht nur die Festspiele wurden gefeiert, vor allem Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler ließ das Publikum mit stehenden Ovationen nach ihren Begrüßungsworten hochleben. In diesen erklärte sie noch einmal ihr vehementes Festhalten an einer Durchführung des Festivals im vergangenen Sommer während der Pandemie: „Wir konnten Corona nicht die Regie übernehmen lassen, das hätten wir vor den Gründervätern der Salzburger Festspiele und ihrem Grundgedanken nicht verantworten können.“ Dafür erhielt sie auch von ihrem Folgeredner, Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), regen Zuspruch. Der konnte zumindest eine positive Erkenntnis aus der Pandemie ziehen: die Rückbesinnung auf Demut und Respekt füreinander.

Im Publikum fanden sich unter den politisch hochrangigen Gästen auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, die eigentlich zu einem Treffen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) angereist war, [SIBNGLEOPEN]der sich jedoch krankheitshalber entschuldigen ließ. Hauptteil zwischen den immer wieder von Musik unterbrochenen Festreden durch Ingo Metzmacher und dem Mozarteumorchester, war jedoch die Festrede des ehemaligen deutschen Kulturstaatsministers Julian Nida-Rümelin, der mit seiner „humanistischen Utopie“ die Demokratie als Utopie zu definieren versuchte, und zum Nachdenken über die von den Menschen selbst vorangetriebene Zerstörung in Form des Klimawandels, aber auch die Digitalisierung und die New Economy anregte.

Von dieser These fühlte sich vor allem Bundespräsident Alexander Van der Bellen herausgefordert, der in seiner höchst humorvollen Rede vor allem die Suche nach der Rückkehr zur Normalität thematisierte. „Ich freue mich, dass wir die Pandemie halbwegs unter Kontrolle haben und wieder vieles, dass wir letztes Jahr nicht, oder nur in Salzburg tun konnten, wieder machen können.“ Damit spielte Van der Bellen auf die zahlreichen Aufschreie im vergangenen Jahr an, die Salzburger Festspiele erhielten im Gegensatz zum Rest der Kulturbranche Sonderrechte. Am Montagabend wird Van der Bellen die Premiere der Neuproduktion von Mozarts „Don Giovanni“ besuchen. Daraus zitierte er die Figur des Dieners Leporello, der nach dem Tod Don Giovannis beschließt, einen besseren Herren zu finden. Danach sollten auch wir streben, nur in Form einer besseren Normalität, regte der Bundespräsident an und erklärte die Salzburger Festspiele für eröffnet.

Auch das Thema Klimawandel ließ Van der Bellen in seiner Rede nicht unbehandelt. Er bezeichnete sich zwar ausdrücklich als Ökonom, sei aber in seiner Zeit an der Universität Wien schon früh auf das Thema Klimawandel gestoßen. Daraufhin zitierte er Nicholas Stern von der London School of Economics, der bereits 2006 die Klimakrise als „größtes Marktversagen aller Zeiten“ bezeichnete. Das habe sich, so Van der Bellen, 15 Jahre später als „Staatsversagen“ erster Ordnung heraus gestellt. Optimistisch stimme ihn in diesen Zeiten allerdings, dass die jüngeren Generationen begriffen hätten, dass es beim Thema Klimawandel um ihre Zukunft ginge und sie mit dieser Erkenntnis auch ihre Eltern und Großeltern auf das Thema sensibilisierten.


Kommentieren


Schlagworte