Louise Lecavalier beeindruckt mit ImPulsTanz-Solo „Stations“

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So viel Energie! Im Akademietheater beeindruckte die Kanadierin Louise Lecavalier am Donnerstagabend im Rahmen des Festivals ImPulsTanz mit einem einstündigen Soloabend, bei dem sie ständig in Bewegung blieb. „Stations“ heißt die Abfolge von Choreografien, bei denen pulsierende Musik den Antrieb bildet und seinen direkten Ausdruck im Körper der Tänzerin findet. Großer Jubel belohnte eine einstündige Performance, die am Samstag noch einmal wiederholt wird.

In den 80ern und 90ern war Lecavalier Star der Company La La La Human Steps: Ihre Programme barsten vor Energie, sprengten die Bühne und verbanden Tanz und Akrobatik, Sex-Appeal und Rockmusik zu atemberaubenden Shows. 1999 verließ Louise Lecavalier die Truppe und arbeitet seither vorwiegend als Solistin. Als 62-Jährige ist sie weiterhin fit wie ein Turnschuh und ausdrucksstark wie eine Diva. Doch ihre Bewegungen kommen ganz aus ihr heraus, sind keine Leistungsschau einer Startänzerin, sondern Ausdruck eines perfekt beherrschten Mediums: des eigenen Körpers.

Vier Lichtsäulen markieren die Grenzen des Tanzbodens, über den sich die mit schwarzen Glockenhosen und schwarzem Leibchen - und zeitweise einer schwarzen Jacke - bekleidete blonde Tänzerin bewegt. Die Technik der beiläufigen Seitwärtsbewegung, während Oberkörper und Arme eigenen Choreografien folgen, beherrscht Lecavalier ebenso perfekt wie den breiten Stand bei gebeugtem Rumpf. Sie kann sich aber auch federnd vom Boden abstoßen wie ein Springteufelchen oder mit Armen und Beinen Dinge anstellen, die bei jedem Workout den Schweiß fließen lassen würden. Bei ihr wirkt das alles völlig unforciert und selbstverständlich. „Es macht Freude zu tanzen, auch wenn es weh tut“, sagt sie.

„Stations“ soll für vier Körperzustände stehen: einen fließenden, einen kontrollierten, einen meditativen und einen obsessiven. Die Teile gehen ineinander über und sind nicht klar voneinander zu unterscheiden. Dabei ist die Musik (Arrangement: Antoine Berthiaume) stark determinierend, wenn etwa Saxophonist Colin Stetson zu Werke geht, oder Blixa Bargeld und Teho Teardo dekretieren: „Blue is not the colour of my voice“, doch letztlich sind es nur Abstufungen und Variationen in einem Schwungrad, das unaufhörlich in Bewegung bleiben muss.

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Ruhe und Erschöpfung gönnt Louise Lecavalier weder sich noch ihrem Publikum. Was letztlich ein wenig schade ist, denn zu sehen, wie solche Zustände ihren Ausdruck in diesem muskulösen und perfekt kontrollierten Körper finden, wäre sicher spannend. Wie geht Entspannung? Das herauszufinden wäre vielleicht die ultimative künstlerische Herausforderung für Lecavalier.

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