„Me! Mussolini“ - La Strada-Festival mit starker Eröffnung

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Das Grazer Straßenkunst-Festival La Strada hat am Eröffnungsabend einem internationalen Star die Bühne freigemacht. Der aus einer italienisch-französischen Zirkusfamilie stammende Leo Bassi präsentierte am Freitag im Grazer Orpheum sein neuestes Solo-Programm „Me! Mussolini“. Der 1952 in New York geborene Komiker und Autor schlüpft in dem Stück in die fiktive Rolle des wiederauferstandenen italienischen Diktators, der sich in der Welt des 21. Jahrhunderts nicht zurechtfindet.

Zu Beginn kommt Bassi nicht ganz herum, ein bisschen chaplineske Großer-Diktator-Slapstik zum Besten zu geben. Dann aber kippt das Stück schnell in eine Berg- und Talbahn unterschiedlichster performativer Herangehensweisen und fordert so das Publikum auf unterschiedliche Weise.

Bassis Mussolini erscheint zuerst als eine Art schlitzohriger Knuddeldiktator und lockt die Zuschauer in einen Sympathiehinterhalt. Mit diesem Kniff gelingt es ihm sogar, Teile des Publikums zum faschistischen Gruß zu animieren. Gleich allerdings wird die Figur zur unerwarteten Bedrohung indem der wiederauferstandene Diktator zuerst die Bühne und die vorderen Publikumsreihen in Brand zu setzen droht - und dann frische Eier mit einem Golfschläger tatsächlich ins Publikum befördert.

Zwiespältig fällt eine Art Geschichte-Lektion aus, in der Bassi unter anderem das - historisch nicht einwandfrei gesicherte - Treffen zwischen Mussolini und Walt Disney in den 1930er-Jahren rekapituliert und die schon 1937 von Demonstranten bemerkte Ähnlichkeit des Gesichtes der Atlas-Statue vor dem Rockefeller-Center in New York mit Mussolini zur gewollten Tatsache erklärt. Die damalige Hochfinanz in den USA wird als langjährige Unterstützerin des Faschismus in Europa charakterisiert. Die Botschaft bleibt jedoch schwammig.

Nachdem Bassi dem Publikum die historischen Gräuelfotografien mit den hingerichteten und zur Schau gestellten Leichen Mussolinis, seiner Geliebten und mehrerer faschistischer Funktionäre 1945 in Mailand nicht erspart hat, verwandelt sich die Figur des Diktators in den Clown Leo Bassi zurück. In einer flammenden Ansprache, die erneut gewisse Parallelen zu Charlie Chaplin, an die legendäre Rede des Friseurs in „Der Große Diktator“ aufweist, versucht Bassi den im Ankündigungstext erhobenen Anspruch zu erfüllen, „Me! Mussolini“ sei ein Stück, „aufgeführt, um Optimismus zu erzeugen“.

Der Abend endet mit einer Bassi-typischen Clown-Apotheose, in der er sich in heroischer Diktatoren-Pose zuerst mit Honig und dann mit einem Eimer voller Federn übergießt. Das La-Strada-Eröffnungspublikum, darunter einige Politprominenz, dankt es ihm mit Standing Ovations.

Dem nicht enden wollenden Klatschen entzog sich der Star des Abends mit dem verständlichen Hinweis, er müsse jetzt unter die Dusche. Unter die kam dann gleich auch das Publikum beim Verlassen des Orpheums. Die schweren Unwetter vom Freitag hatten noch einen kräftigen Schauer parat.

Bei La Strada hat es sich übrigens noch nicht ausgeclownt: Am Montag (2.8.) gibt sich der israelisch-österreichische Star-Clown Anatoli Akerman mit seinem Stück „KuKu“ die Ehre, am Mittwoch (4.8.) kommt die Schweizer Clownin Gardi Hutter, beides ebenfalls um 20.00 Uhr im Orpheum.

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