Geglücktes Debüt für Capucon und Levit in Salzburg

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Viel Zeit zum Üben haben sie nicht gehabt, doch was Renaud Capucon und Igor Levit in kurzer Zeit auf die Beine und am Dienstagabend auf die Bühne im Haus für Mozart stellten, erwies sich als großer Erfolg bei den Salzburger Festspielen. Levit war kurzfristig für die erkrankte Martha Argerich eingesprungen.

Nachdem Renaud Capucon und Martha Argerich im letzten Festspielsommer eine Sternstunde der Kammermusik gefeiert hatten, wollten die beiden Solisten diesen Erfolg wiederholen und zudem Argerichs 80. Geburtstag musikalisch in Salzburg begehen. Doch dann folgte am vergangenen Freitag die traurige Nachricht: die Pianistin musste das Konzert krankheitsbedingt absagen. Die Uhr tickte. Wer würde in nur fünf Tagen ebenbürtig einspringen können? Lange mussten die Salzburger Festspiele nicht suchen und im Grunde genommen nicht einmal das eigene Haus verlassen, denn aktuell gastiert dort ein Tausendsassa an der Salzach, der großen Gefallen daran findet, Unmögliches möglich zu machen: Igor Levit.

Unverhofft kommt oft: Capucons und Levits Wege hatten sich bereits im vergangenen Jahr in Salzburg gekreuzt, allerdings nur hinter der Bühne. Der Pianist hatte sich das Konzert mit Argerich im Publikum angehört und vermutlich nicht daran gedacht, bereits ein Jahr später an ihrer Stelle zu sitzen. Mit angepasstem Programm (Schubert, Brahms, Beethoven) kam es also am Dienstag zum ersten gemeinsamen Auftritt der beiden Männer.

Da Levit am vergangenen Wochenende noch ein eigenes Solistenkonzert bei den Salzburger Festspielen gegeben hatte, dürfte fürs Üben wenig Zeit gebliebenen sein. Verständlich, dass man deshalb bei Schuberts Sonate für Violine und Klavier noch etwas zurückhaltender miteinander umging, und sich erst einmal umkreiste und abtastete. Vor allem Levit gab sich in den vier Sätzen überraschend zurückhaltend, während Capucon schon etwas fester aufs Gas drückte. In Brahms‘ Sonate Nr. 2 hatten die beiden dann ihren gemeinsamen Groove gefunden, was auch die eng umschlungene Komposition der beiden Stimmen gefördert haben dürfte.

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Nach bestandener Feuerprobe und einer Pause kam mit Beethovens „Kreutzersonate“ endgültig der Spaß zum Zug. Der Violinist Rodolphe Kreutzer, Namensgeber und Widmungsträger der Sonate, hatte Beethovens Werk für unspielbar erklärt und es selbst nie gespielt. Tatsächlich hat Beethoven einige Herausforderungen für seinen Violinisten erdacht, doch genau darin fand Renaud Capucon die größte Freude. Voller Leidenschaft stieg er in das mehrstimmige Solo ein, zupfte scharfe Akkorde und tanzte mit Levit im Presto Tarantella um die Wette. Auch Levit, der ohnehin eine intensive Verbindung zu Beethovens Klavierliteratur pflegt, genoss sichtlich die Dynamik der Sätze. Von Einspringen war zum Schluss jeder Eindruck vergessen. Arm in Arm ließen die beiden Solisten den großen Jubel des Publikums über sich niederbrechen und sich sogar zu einer Zugabe zurückklatschen.

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