ImPulsTanz feierte Beuys im Regen

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Wasserparty wider Willen: Vor 100 Jahren wurde der deutsche Jahrhundertkünstler Joseph Beuys geboren - und am Mittwochabend vom Wiener ImPulsTanz gefeiert. Der Titel „Plastic Party Vienna“ wurde dabei im unerwarteten Sinne erfüllt, öffnete der Himmel seine Schleusen doch just zum Beginn des Performancereigens auf der Libelle des Museumsquartiers, dem wohl schönsten Aufführungsort des heurigen ImPulsTanz-Festivals, was ein Meer von Plastikponchos anschwellen ließ.

Getrübt wurde die Feierstimmung vom trüben Wetter allerdings nicht, hatte die Choreografin Akemi Takeya doch zentrale Proponentinnen und Proponenten des Festivals für kurzweilige Würdigungen des performativen Urvaters zusammengetrommelt. Ebenso breit wie die Auswahl der Beteiligten gestaltete sich dann auch das Ergebnis des Abends, der sich als buntes Panoptikum zwischen Hommage und Persiflage präsentierte.

Der große Ironiker Julius Deutschbauer hängte in ironischer Verschränkung der Beuys-Aktionen „Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet“ und „Basisraum Nasse Wäsche“ Wäsche unter dem sprechenden Titel „Die Nässe der Wäsche von Joseph Beuys wird überbewertet“ auf, Jule Flierl und Irena Z. Tomažin ließen im Obertonduett die schamanische Seite des Jubilars anklingen, während Maria F. Scaroni im wilden Rollschuhlauf durch die Publikumsreihen auf der Freiluftterrasse mit „Ja Ne Vielleicht“ die soziale Plastik des politisch agierenden Beuys adressierte.

Und während Actiondramatiker Thomas Köck im Spitzenkleid eine Schauspielerin am Rande des Nervenzusammenbruchs monologisierte, stellte Jennifer Lacey - nur beobachtbar durch das Oberlicht - im leeren Atrium des darunterliegenden Leopold Museums die berühmte Hasenaktion mit verteilten Rollen dar. Noch Roland Rauschmeier mit Wassermelonen und Rasierschaum sowie Ivo Dimchev als Abpauser von Beuys-Fotografien im Schnellgestus zum Drüberstreuen - und fertig war ein Abend der schnellen Schnitte, abseits kryptischen Schamanismus, sondern im leichten Gestus, an dessen Ende noch Gastgeberin Akemi Takeya die Windcat besingen durfte.

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