Kroatien stellt sich bei Nationalfeiertag gegen Serbien

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Kroatien hat am Donnerstag den 26. Jahrestag der Militäroperation „Oluja“ (Sturm) zur Rückeroberung der serbischen Krajina gefeiert. Beim Staatsakt zum Nationalfeiertag in der Stadt Knin richtete die kroatische Staatsspitze Botschaften an Serbien und rief den früheren Kriegsgegner auf, sich von „Vergangenheitsrhetorik“ und „Geschichtsrevisionismus“ abzuwenden. Serbien hatte Kroatien vorgeworfen, „über den Gräbern unserer Landsleute zu feiern“.

Serbien hatte im Vorfeld gesagt, dass Kroatien den Jahrestag einer „ethnischen Säuberung“ feiere. Schließlich seien 220.000 Serben durch die Militäroperation im August 1995 vertrieben worden, die damals begangenen Kriegsverbrechen seien nicht gesühnt. Serbien zwinge niemanden, „den Völkermord zu zugeben, sondern nur, (...) nicht über den Gräbern unserer Landsleute zu feiern“, hieß es in einer Erklärung der serbischen Botschaft in Wien.

Dieser Kritik stellten sich Premier Andrej Plenkovic, Parlamentspräsident Gordan Jandrokovic und Staatspräsident Zoran Milanovic beim Staatsakt am Donnerstag entschlossen entgegen. „Wir werden niemals zulassen, dass der Verteidigungscharakter von ‚Oluja‘ infrage gestellt wird. Das ist die Botschaft an das Nachbarland Serbien, das von der fruchtlosen Vergangenheitsrhetorik ablassen und sich der Politik der Versöhnung und Zukunft zuwenden soll“, sagte Plenkovic. Er kündigte an, dass Kroatien die Versöhnungspolitik unter Berücksichtigung der Wahrheit und Pietät zu allen Opfern weiterführen werde.

Jandrokovic kritisierte ebenfalls ständige Versuche eines „Geschichtsrevisionismus“ in Serbien. „Die Botschaft aus Knin an Serbien lautet: Seht der Wahrheit ins Augen, nimmt die Fakten an und übernimmt die Verantwortung dafür, was in den 90er-Jahren passiert ist. Dann können wir qualitätsvoller zusammenarbeiten“, betonte Jandrokovic.

Staatspräsident Milanovic wies unterdessen darauf hin, dass aus den Nachbarländer, auch Bosnien-Herzegowina, immer wieder Anklagen gegen kroatische Kriegskommandanten für „unbewiesene, erfundenen Taten vor 26 Jahren“ erhoben werden. „Das ist nicht gut für gegenseitige Beziehungen“, kritisierte er und betonte, dass Kroatien seine Kriegskommandeure „um jeden Preis“ beschützen werde. Anlässlich des Jahrestags zeichnete Milanovic als Oberbefehlshaber der Streitkräfte auch Truppen aus, deren Angehörige in Bosnien in Zusammenhang mit Kriegsverbrechen gebracht werden, was im Nachbarland mit Enttäuschung angenommen wurde. An Serbien richtete er unterdessen die Botschaft, dass Kroatien niemals die Suche nach tausenden verschwundenen Kroaten aufgeben werde und dass man damit nicht handeln könne.

Serbien hatte zum diesjährigen Jahrestag Kritik an Kroatien und der Weltgemeinschaft geübt. Mit Blick auf 220.000 vertriebene Serben wurde die Aktion als „eines der größten ethnischen Säuberungsverbrechen der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnet.

Im Vorjahr standen die Feiern in Knin im Zeichen der Versöhnung zwischen dem kroatischen Staat und der serbischen Minderheit. Erstmals nahm ein Vertreter der serbischen Volksgruppe an den Feiern teil. Ander als im Vorjahr war der Vize-Regierungschef Boris Milosevic von der Unabhängigen Demokratischen Serbischen Partei (SDSS) heuer nicht anwesend. Das sei eine Entscheidung der Regierung gewesen, erklärte er zuvor laut Medien. Seine Nichtteilnahme sei aber kein Rückzug von der Versöhnungspolitik, betonte er. „Das ist kein Schritt zurück. Es wird von der Politik der Inklusion und Versöhnung nicht ablassen“, sagte der Vize-Regierungschef. Heuer will auch der Veteranenminister Tomo Medved an einer Gedenkfeier für serbische Zivilopfer in dem Dorf Grubori nahe Knin nicht teilnehmen.

Der 5. August ist in Kroatien ein Nationalfeiertag. Am „Tag des Sieges“ wird der wichtige militärische Sieg über die serbischen paramilitärischen Truppen zelebriert, der zum Ende des Krieges auf kroatischem Territorium führte. Kroatien hatte das Gebiet der nach der Unabhängigkeit von Jugoslawien entstandenen „Republik Serbische Krajina“ Anfang August 1995 in einer Blitzaktion überrannt. Der Erfolg der Operation „Oluja“ wird alljährlich am 5. August in der Stadt Knin im dalmatinischen Hinterland, die an diesem Tag zurückerobert wurde, gefeiert. Knin war vier Jahre lang die Hauptstadt der nicht anerkannten Separatistenrepublik gewesen.


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