Afghanistan bittet um längeren Abschiebestopp

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Die afghanische Botschafterin in Österreich, Manizha Bakhtari, ersucht die europäischen Länder um einen längeren Abschiebestopp für abgewiesene afghanische Asylwerber über den Oktober hinaus. Im Juli hatte Kabul gebeten, Rückführungen für drei Monate auszusetzen. „Ich dränge darauf, dieser Bitte Folge zu leisten. Wir sind nicht in der Lage, Abgeschobene aufzunehmen“, sagte Bakhtari am Freitag im Ö1-Radio. „Ich denke nicht, dass es genug Zeit ist.“

Afghanistan bekennt sich grundsätzlich zu dem Abkommen mit der EU-Kommission zur Rückführung von abgewiesenen Asylwerbern. „Sobald wir mehr Stabilität haben, wäre es wieder an der Zeit, Rückkehrer aufzunehmen.“ Aktuell fehlten aber Kräfte und Ressourcen, für diese Menschen Unterkünfte und Hilfe zu organisieren. „Wenn sie zurückkommen, würden wir ihre Leben aufs Spiel setzen. Es herrscht Krieg. Wir bitten, dass unsere europäischen Freunde diese Situation mitbedenken“, appellierte die Botschafterin.

Die Taliban hätten seit April mehr als 5.500 Anschläge verübt und terrorisierten die Bevölkerung in den Gebieten, die sie erobert haben. „Sie haben Hände abgeschlagen, sie haben geköpft und Frauen gesteinigt“, berichtete Bakhtari. Die Taliban hätten Frauen befohlen, zu Hause zu bleiben und das Haus nur in männlicher Begleitung zu verlassen. Und sie hätten alle Mädchenschulen geschlossen. Die jüngste Eskalation habe außerdem zu einem massiven Anstieg von intern Vertriebener geführt. „Wir können schon sie nicht mit Essen, Unterkunft und anderem unterstützen.“

Im Fall der 13-Jährigen, die nach einer gewaltsamen Begegnung mit mehreren jungen Afghanen ums Leben gekommen war, zeigte die Botschafterin Mitgefühl. Ihr Herz sei stehen geblieben, als die davon gehört habe, sagte die Mutter dreier Kinder. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei ihr und ihrer Familie.“ Afghanistan arbeite mit den österreichischen Behörden zusammen, damit Recht gesprochen werde. Die Täter repräsentieren laut der Botschafterin aber nicht Afghanistan, so wie es auch die Taliban nicht täten.


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