Neue Crossing-Europe-Spitze setzt weiter auf Video-on-Demand

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Sabine Gebetsroither und Katharina Riedler werden künftig als Duo das Linzer Crossing Europe - Österreichs zweitgrößtes internationales Filmfestival - leiten. Die bisherige Ausrichtung soll erhalten bleiben, einige Neuerungen aus der Corona-Zeit wie das Video-on-Demand-Angebot ebenfalls. Wie „normal“ die für 27. April bis 2. Mai 2022 geplante 19. Festivalausgabe über die Leinwand gehen wird, steht in den Sternen. Bis Jahresende hoffen sie, hier klarer zu sehen.

Die interne Entscheidung war offenbar keine schwierige: Die Hauptgesellschafterin Moviemento GmbH strebte eine interne Lösung an und Christine Dollhofer, die die Festivalleitung nach 18 Jahren abgibt und sich in Richtung Wiener Filmfonds orientiert, hat das Duo vorgeschlagen. Katharina Riedler, die zunächst aber noch in Mutterschutz geht und erst im Jänner richtig einsteigen wird, und Sabine Gebetsroither haben die „bewusste Entscheidung“ getroffen, kaufmännische und künstlerische Agenden nicht zu trennen, sondern gemeinsam zu bestreiten. „Der Übergang läuft schon sanft parallel“, so Gebetsroither. Dollhofer, die in Cannes noch für Crossing Europe mitgesichtet hat, habe ohnehin „noch nie Probleme gehabt, Wissen zu teilen“.

„Die Ausrichtung des Festivals soll so bleiben wie sie 18 Jahre super funktioniert hat - europäisch, cinephil, sozialpolitisch, gesellschaftspolitisch“, erklärt Riedler. Man habe Ideen, werde aber sicher „nicht das ganze Konzept umwerfen“. Wichtig sei ihnen vor allem die Jugendschiene, zudem wollen sie weiter marginalisierten Gruppen und weiblichen Filmschaffenden großen Stellenwert zukommen lassen.

Manche durch Corona bedingte Änderungen will das Duo ebenfalls beibehalten, etwa ein Video-on-Demand-Angebot. Das gebe auch Leuten außerhalb von Linz die Möglichkeit, Festivalfilme zu sehen. „Es war immer die Idee von Crossing Europe niederschwellig zu sein und damit kann man da eine Erweiterung finden. Aber unser Kerngeschäft ist natürlich die Präsentation von Filmen im Kino in der besten Qualität“, so Gebetsroither und Riedler ergänzt: „Und im Optimalfall mit Gästen und Regisseuren oder Darstellern live vor Ort.“

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Ob die dritte Spielstätte - heuer wurden auch im Central Filme gezeigt - erhalten bleibt, wird sich zeigen. „Da müssen wir schauen, wie tut die Pandemie 2022. Wir sehen das realistisch, dass das noch nicht vorbei sein wird“, erwartet Gebetsroither. Aber auch ohne Corona sei es eine Option, eine weitere Vorführstätte zu haben, das hänge von der Größe des Festivals bzw. dem jeweiligen Budget ab.

Finanziell ist man verhältnismäßig gut durch Corona gekommen, „unsere Fördergeber sind uns alle erhalten geblieben. Heuer werden wir positiv bilanzieren“, sagt Gebetsroither. „Die Verhandlungen mit Sponsoren gehen erst los. Wir sind aber in der Hoffnung, dass wir weiterhin in der Form unterstützt werden.“ Man habe aber sehr viel in Digitales investieren müssen, zudem werde Fair-Pay ein immer wichtigeres Thema im Kulturbereich, „da werden wir schon schauen müssen, dass mehr Geld da ist“. Zudem will man auch weiter als Green Event firmieren. „Das muss nicht heißen, dass alles teurer wird, aber man muss viele Dinge anders denken“.

Die Spuren, die die Pandemie in der Branche gezogen hat, sind noch nicht abschätzbar: „Es waren viele Firmen kaum erreichbar, in unterschiedlichen Ländern gab es zu unterschiedlichen Zeiten Lockdowns“, so Riedler. Nach wie vor passiere im Filmkauf vieles noch online, sagt Gebetsroither. Aber: „Man hat bei den letzten Festivals und Wettbewerben in Cannes oder Locarno oder Venedig gemerkt, es gibt Filme“, in wieweit sich die Pandemie inhaltlich niedergeschlagen habe, werde sich aber erst zeigen.


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