Teilerfolge für Rettungskräfte bei Waldbränden in Europa

  • Artikel
  • Diskussion

Die Großbrände im Norden von Athen sind am Samstag teilweise eingedämmt worden. „Erstmals können wir sagen, dass die Situation etwas besser ist - es gibt aktuell nur noch zwei Feuerfronten“, sagte Nikos Peppas, Vize-Gouverneur der Region Attika, dem Sender Skai. Die Regionalregierung von Sizilien erklärte indes wegen der Waldbrände auf der Urlaubsinsel für sechs Monate den Not- und Krisenfall. Auch in Russland und der Türkei wird die Waldbrandsituation immer dramatischer.

Es bestehe Hoffnung, die Brände bis zum Abend unter Kontrolle zu bringen, erklärte Peppas in Griechenland. Die Rettungskräfte stehen unter enormem Druck, denn auf der Halbinsel Peloponnes und der Insel Euböa toben weiterhin zahlreiche unkontrollierte, große Brände. Sie wurden bisher kaum aus der Luft bekämpft, weil Athen im Fokus stand.

„Die vergangene Nacht war wirklich die Hölle, ein Alptraum. Wir haben gewaltige Anstrengungen unternommen, damit das Feuer nicht auf bewohntes Gebiet übergreift“, sagte Pappas. Die vielen tausend evakuierten Menschen könnten bald zurückkehren - sofern ihre Häuser nicht abgebrannt seien.

Insgesamt waren mehr als 700 Feuerwehrleute im Einsatz. Sie hatten nicht nur mit dem Feuer, sondern auch mit hohen Temperaturen und dem Wind zu kämpfen, der die Flammen immer wieder anfachte. Unterstützung erhielt die griechische Feuerwehr aus Zypern, Frankreich und Israel.

Griechenland leidet unter einer der größten Hitzewellen seit mehr als 30 Jahren. Die ganze Woche über wurden Temperaturen von über 40 Grad Celsius erreicht. Im ganzen Land sind zahlreiche Waldbrände ausgebrochen - in den vergangenen 24 Stunden waren es mehr als 400. Zehntausende Hektar Waldfläche, zahlreiche Häuser und Geschäfte wurden bereits zerstört. Am Freitag kam ein Mann in der Nähe von Athen ums Leben.

Sizilien erklärte indes für sechs Monate den Not- und Krisenfall. Seit Ende Juli brenne es auf Sizilien, und in den kommenden Wochen herrsche ein permanentes Risiko durch die außergewöhnliche Wetterlage, begründete Regionalpräsident Nello Musumeci die Entscheidung am Samstag in einer Facebook-Nachricht.

Auf Sardinien meldete die Feuerwehr in der Provinz Oristano am Samstagvormittag einen Brand in einer Unterkunft für Touristen. Die Einsatzkräfte verhinderten nach eigenen Angaben, dass die Flammen auf die umliegende Vegetation übergriffen. Verletzte gab es demnach nicht. In Oristano an der Westküste der Ferieninsel wüteten unlängst zahlreiche Waldbrände und richteten enorme Schäden an.

Auch im Süden Italiens herrschen derzeit Hitze und Trockenheit, die den Feuern immer wieder Vortrieb geben. Hinter vielen Bränden dürfte Brandstiftung stecken. Die Temperaturen liegen teils über 40 Grad Celsius. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti sprach vom heißesten Sommer des Jahrzehnts. Sizilien, Kalabrien und Apulien waren zuletzt am stärksten von den Feuern betroffen. Die Feuerwehr meldete zwei Tote aus San Lorenzo an der italienischen Stiefelspitze, die Menschen kamen in den Flammen ums Leben.

In Russland meldeten die Behörden am Samstag mehr als 250 Brände mit einer Gesamtfläche von mehr als drei Millionen Hektar. Löscharbeiten liefen bei 180 Feuern mit einer Fläche von rund 1,3 Millionen Hektar, teilte die für den Forstschutz zuständige Behörde Avialesoochrana mit. Die anderen Brände in schlecht zugänglichen Regionen würden nicht gelöscht, weil keine Gefahr für Menschen bestehe.

Vor allem betroffen war die sibirische Region Jakutien (Republik Sacha) im Nordosten Russlands. Dort galt wie in insgesamt acht Regionen der Ausnahmezustand. In Jakutien brannten in dem Dorf Bjass-Kjuel mehr als 30 Wohnhäuser ab. „Das ist ein großes Unheil“, sagte Republik-Chef Ajssen Nikolajew. Die Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Das Feuer breite sich wegen hoher Windgeschwindigkeiten rasend aus. Mehrere Ortschaften waren bedroht, darunter die Siedlung Sangar mit Öllagern.

Die Staatsagentur Tass meldete aus der sibirischen Region Krasnojarsk, dort würden fast 400 Ortschaften im Rauch versinken. Nach Angaben der Behörde Avialesoochrana waren landesweit mehr als 6.700 Menschen im Löscheinsatz. In der Republik Mordwinien kämpften Hunderte Einsatzkräfte gegen Großfeuer in einem Naturpark.

In der Türkei kämpften am Samstag mehr als 5.000 Einsatzkräfte gegen die Flammen an. Besonders die Küstenregionen im Süden und Westen des Landes sind seit Tagen schwer von den Bränden betroffen. In Köycegiz und Milas in der westtürkischen Provinz Mugla hätten sich die Feuer in der Nacht ausgebreitet, teilten örtliche Behörden mit. Die Evakuierung mehrerer Nachbarschaften sei angeordnet worden.

In dem Land brannten noch 13 unkontrollierte Feuer, wie Forstminister Bekir Pakdemirli am Freitagabend auf Twitter mitteilte. Demnach wurden seit dem 28. Juli mehr als 200 Flächenbrände in 47 Provinzen unter Kontrolle gebracht. Rund 5.250 Feuerwehrleute und mehr als 80 Hubschrauber, Flugzeuge und Drohnen sowie etwa 1.000 Fahrzeuge seien zum Löschen im Einsatz, erklärte Präsident Recep Tayyip Erdogan auf Twitter.

In Albanien, im Kosovo und in Nordmazedonien entspannte sich die Lage etwas. Feuerwehren und Sicherheitskräfte brachten die Waldbrände dort weitgehend unter Kontrolle. In Albanien löschten die Brandbekämpfer allein am Freitag 15 Feuer, teilte das Verteidigungsministerium in Tirana mit. Zehn Brandherde seien noch aktiv, seien aber keine Bedrohung für nahe gelegene Dörfer oder Nationalparks, hieß es.


Kommentieren


Schlagworte