Kein Ende in Sicht: Es brennt weiter in Südeuropa

  • Artikel
  • Diskussion

Die andauernden Brände haben auch am Samstag in Südeuropa, Russland und der Türkei Spuren hinterlassen. In Griechenland mussten weitere Ortschaften evakuiert werden, zumindest die Großbrände im Norden der Hauptstadt Athen konnten teilweise eingedämmt werden. Die Lage blieb allerdings dramatisch. Anderorts war die Situation nicht viel besser: Auf der italienischen Insel Sizilien wurde der Notstand erklärt. In Russland droht die größte Waldbrandkatastrophe des Jahrhunderts.

In Griechenland toben schon seit Tagen Waldbrände, allein in den vergangenen 24 Stunden sind 400 ausgebrochen. Grund dafür ist auch die anhaltende Hitze im Land - schon die ganze Woche über wurden Temperaturen von 40 Grad Celsius erreicht. Besonders kritisch war die Lage am Samstag einmal mehr im Großraum Athens, auf der Insel Euböa und auf der Halbinsel Peloponnes. Zehntausende Hektar Waldfläche, zahlreiche Häuser und Geschäfte wurden bereits zerstört. Am gestrigen Freitag kam ein Mann in der Nähe von Athen ums Leben.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gab es allerdings: Die Großbrände im Norden der Hauptstadt konnten am Samstag größtenteils eingedämmt werden. „Erstmals können wir sagen, dass die Situation etwas besser ist - es gibt aktuell nur noch zwei Feuerfronten“, sagte Nikos Peppas, Vize-Gouverneur der Region Attika. Es bestehe Hoffnung, die Brände bis zum Abend unter Kontrolle zu bringen. „Die vergangene Nacht war wirklich die Hölle, ein Alptraum. Wir haben gewaltige Anstrengungen unternommen, damit das Feuer nicht auf bewohntes Gebiet übergreift“, berichtete er. Die vielen tausend evakuierten Menschen könnten bald zurückkehren - sofern ihre Häuser nicht abgebrannt seien. „Aber das muss langsam und mit großer Vorsicht geschehen“, sagte er. Jene, die in den vergangenen Tagen vor den Feuern flohen, wohnen momentan auf Staatskosten in Hotels oder bei Bekannten und Verwandten. In den vom Feuer betroffenen Gegenden gibt es vielfach noch keinen Strom und kein Wasser.

Weil sich die Rettungskräfte auf Athen konzentrierten, brannte es andernorts umso stärker - etwa auf der Halbinsel Peloponnes und auf der zweitgrößten Insel Euböa: Dort breiteten sich die Feuer fast ungehindert aus. Zivilisten und Zivilistinnen sowie Anrainer und Anrainerinnen kämpften mit Gartenschläuchen, Plastikeimern, Traktoren und Baggern gegen das Inferno, immer mehr Orte wurden evakuiert. Allein auf Euböa waren es bisher 39 Ortschaften, für weitere Dörfer gab es Samstagnachmittag entsprechende Anweisungen per Notfall-SMS.

Fanis Spanos, der für Euböa zuständige Gouverneur von Mittelgriechenland, setzte am Samstag über Facebook einen verzweifelten Hilferuf ab. „Das Feuer geht unvermindert weiter, es verbrennt Wälder und zerstört Häuser, es bedroht Menschenleben! Wir wollen endlich eine ernsthafte Anzahl von Löschflugzeugen, die wir seit dem ersten Tag fordern! Und mehr Löschzüge!“ Nach ersten Schätzungen liegen in Griechenland mindestens 60.000 Hektar Fläche in Schutt und Asche.

Auf der italienischen Insel Sizilien erklärte die Regionalregierung für sechs Monate den Not- und Krisenfall. Seit Ende Juli brenne es auf Sizilien, und auch in den kommenden Wochen herrsche ein permanentes Risiko durch die außergewöhnliche Wetterlage auf Sizilien, begründete Regionalpräsident Nello Musumeci die Entscheidung in einer Facebook-Nachricht.

Auf Sardinien meldete die Feuerwehr in der Provinz Oristano einen Brand in einer Unterkunft für Touristen. Die Einsatzkräfte verhinderten nach eigenen Angaben, dass die Flammen auf die umliegende Vegetation übergriffen. Verletzte gab es demnach nicht. In Oristano an der Westküste der Ferieninsel wüteten bereits unlängst zahlreiche Waldbrände und richteten enorme Schäden an.

Massiv ist mittlerweile auch das Ausmaß der Brände in Russland - es droht die größte Waldbrandkatastrophe dieses Jahrhunderts, wenn es weiter brennt. Im flächenmäßig größten Land der Erde meldeten die Behörden mehr als 250 Brände mit einer Gesamtfläche von mehr als drei Millionen Hektar. Löscharbeiten liefen bei 180 Feuern mit einer Fläche von rund 1,3 Millionen Hektar, teilte die für den Forstschutz zuständige Behörde Avialesoochrana mit. Die anderen Brände in schlecht zugänglichen Regionen würden nicht gelöscht, weil keine Gefahr für Menschen bestehe. Vor allem betroffen war die sibirische Region Jakutien im Nordosten Russlands.

In der Türkei, die wie Griechenland derzeit eine außergewöhnliche Hitzewelle durchlebt, loderten nach offiziellen Angaben in Nähe der Städte Aydin und Mugla noch sechs unkontrollierte Feuer. Es wurde auch die Evakuierung mehrerer Nachbarschaften angeordnet. In der Gemeinde Köycegiz in Mugla schliefen die Feuerwehrkräfte in den Einsatzwagen, erzählte der Leiter Bahattin Yavuz. Andauernd kämen Nachrichten aus den umliegenden Dörfern über neue Brände - gleichzeitig reisten aus dem ganzen Land viele freiwillige Helfer an.

Für die Regionen Antalya, Marmaris und Bodrum gab es hingegen Entwarnung: Die Brände seien unter Kontrolle. Die Brände haben große Zerstörung hinterlassen. Ganze Dörfer wurden in Asche gelegt. Nichtregierungsorganisationen halfen Betroffenen unter anderem mit Notunterkünften.

In den Balkanländern ist die Lage hingegen weitegehend unter Kontrolle. In Albanien löschten die Brandbekämpfer allein am Freitag 15 Feuer. Zehn Brandherde seien noch aktiv, aber keine Bedrohung für nahe gelegene Dörfer oder Nationalparks. Auch im Kosovo gelang es den Sicherheitskräften, nahezu alle Brände zu löschen. In Nordmazedonien waren in den vergangenen 24 Stunden noch 616 Polizeikräfte im Einsatz. Ein Brand, der das Dorf Budinarci im Osten des Landes bedroht hatte, stelle keine Gefahr mehr da, teilte der Katastrophenschutz mit.


Kommentieren


Schlagworte