Vorherrschaft der russischen Gymnastinnen in Tokio gestoppt

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Den erfolgsverwöhnten russischen Gymnastinnen sind in Tokio nur die Ehrenplätze auf dem Olympia-Podest geblieben. Im Einzel-Mehrkampf verpassten die nach der Qualifikation vorangelegenen Zwillingsschwestern Dina und Arina Awerina die sechste Goldmedaille für ihr Land in Serie, Linoy Ashram sicherte Israel den ersten Sieg. Im Gruppenbewerb am Sonntag triumphierte Bulgarien und beendete die ebenfalls seit 2000 dauernde russische Erfolgsserie.

Ashram präsentierte nach Reifen, Ball und Keulen die abschließende Übung mit dem Band nahezu fehlerfrei und triumphierte am Samstag 0,150 Punkte vor der Dreifach-Weltmeisterin Dina Awerina. Die Russin quittierte den zweiten Platz völlig enttäuscht und mit Tränen, das Ergebnis hielt trotz eines Einspruchs gegen zwei ihrer Meinung nach zu niedrig ausgefallene Wertungen.

Als Gruppe kam das bulgarische Quintett dank Bestnoten in den zwei Teilbewerben mit fünf Bällen sowie drei Reifen/zwei Keulen mit 92,100 zu einem deutlicheren Sieg vor dem ROC-Team (90,700) und Italien (87,700). Es seien „sehr gemischte Gefühle“, kommentierte die Russin Anastasija Maksimowa. „Wir freuen uns, aber es ist auch Traurigkeit dabei.“

Bulgarien könne sich mit Russland auf Augenhöhe messen, meinte die Präsidentin des russischen Verbandes der Rhythmischen Sportgymnastik, Irina Winer-Usmanowa. Sie kritisierte aber, dass die Mannschaft für eine schwache Leistung eine höhere Punktzahl als das russische Team für dessen fehlerfreien Auftritt erhalten habe. „Das ist schrecklich.“ Russlands Vormachtstellung sei nur durch „Manipulationen der Juroren“ gebrochen worden, meinte sie.

Die Moskauer Zeitung „Sport-Express“ sprach von den „traurigsten Emotionen“ für Russland seit mehr als 20 Jahren. „Die Rhythmische Sportgymnastik ist nicht mehr unsere Sportdisziplin.“ Das Thema löste in Russland auch viele Debatten in den sozialen Netzwerken aus.

Die Olympiasiegerin von 2004, Alina Kabajewa, sagte gegenüber „Sport-Express“, dass Dina Awerina um ihren Sieg bestohlen worden sei. „Sie haben ihr dumm und frech die verdiente Goldmedaille verwehrt.“ Hier gehe es nicht um „Patriotismus, obwohl der wichtig ist, sondern um Professionalität“.


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