COP-Präsident nach IPCC-Bericht für Abkehr vom Kohlestrom

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Als Gastgeber der UN-Weltklimakonferenz COP26 hat die britische Regierung dazu aufgerufen, die Nutzung fossiler Energieträger so schnell wie möglich zu reduzieren. Die anstehende COP müsse die Konferenz werden, bei der man Kohlestrom in die Geschichtsbücher verweise, sagte der designierte Präsident der Konferenz, Alok Sharma, am Montag nach der Vorstellung des IPCC-Berichts. Ein schwieriges Unterfangen, nachdem einige Staaten weiterhin auf Kohlekraft setzen.

Internationale Wissenschafter erklären darin, es brauche „unmittelbares, schnelles und weitreichendes Handeln“, um das 2015 in Paris vereinbarte 1,5 Grad-Klimaziel noch im Bereich des Möglichen zu halten und katastrophale Folgen des Klimawandels abzuwenden. Das Pariser Abkommen hat zum Ziel, die Erwärmung der Erde bei unter zwei Grad zu stoppen, möglichst bereits bei 1,5 Grad. Die Erde hat sich aber schon um rund 1,2 Grad erwärmt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

Der britische Premier Boris Johnson erklärte, der Bericht müsse ein „Weckruf“ für die internationale Gemeinschaft sein. Großbritannien rief alle Länder, die dies noch nicht getan haben, auf, vor der Konferenz im November konkrete, ehrgeizigere Pläne zur Reduzierung ihrer Emissionen einzureichen. Bis zu einer Frist Ende Juli hatten dies lediglich 58 Prozent der Länder getan. Vieler dieser Pläne sind dem UN-Klimasekretariat zufolge nicht ehrgeizig genug.

Auch der britischen Regierung wird von Kritikern vorgeworfen, selbst nicht genug im Kampf gegen die Erderhitzung zu tun. Zuletzt sorgten Pläne für ein Kohlebergwerk in Nordengland sowie ein Ölfeld vor der schottischen Küste für Kritik. Umweltorganisationen und Opposition fordern, diese Vorhaben zu stoppen. Beim Kohleausstieg ist Großbritannien allerdings insgesamt deutlich weiter als etwa Deutschland. Der Anteil des Kohlestroms liegt derzeit bei weniger als zwei Prozent. Allerdings nutzt das Land weiterhin Atomenergie.

Die Weltklimakonferenz soll im November im schottischen Glasgow stattfinden. Im vergangenen Jahr war das Treffen, bei dem Vertreter aus aller Welt zusammenkommen, wegen der Pandemie verschoben worden. Ob hier ein Aus für den Kohlestrom zustande kommt, ist jedoch fraglich, denn erst Ende Juni wurde in einem Bericht der Denkfabrik Carbon Tracker berichtet, dass China, Indien, Indonesien, Japan und Vietnam den Bau von mehr als 600 Kohlekraftwerken planen. Insgesamt sollen die Kraftwerke 300 Gigawatt Energie erzeugen - das entspricht der gesamten Erzeugungskapazität Japans.

Frankreich, Initiator des Pariser Klimavertrags, gab im vergangenen Monat bekannt, seinen Kohleausstieg auf mindestens 2024 zu verschieben. Vor einer Woche wurde in Südafrika nach rund 14 Jahren Bauzeit eines der weltweit größten Kohlekraftwerke fertiggestellt, nämlich die 4.764 Megawatt große Anlage Medupi nahe dem Ort Lephalale.

Das weltgrößte Braunkohlekraftwerk steht indes in Bełchatów in Polen und bläst mit einer Gesamtleistung von 5.420 Megawatt mehr als 37 Millionen Tonnen CO2 (Stand 2013) jährlich in die Luft. Bis 2038 soll das Werk noch in Betrieb sein, dann soll auch das zweitgrößte Kohlekraftwerk im deutschen Neurath stillstehen, bei dem 32 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr erzeugt werden. Zum Vergleich: Die gesamten Treibhausgas-Emissionen Österreichs lagen zuletzt bei 79 Mio. Tonnen Kohlenstoffdioxid-Äquivalent.


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