90.000 Hektar in Griechenland bisher verbrannt

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Während die Flammen vielerorts noch lodern, gibt es in Griechenland erste Untersuchungen zum Ausmaß der Schäden. Das geologische Institut der Universität Athen geht aktuell von 90.000 Hektar verbrannter Fläche im ganzen Land aus. In der Türkei hat sich die Lage nach zwei Wochen entspannt. In der südwesttürkischen Provinz Mugla war am Dienstag nach offiziellen Angaben noch ein Brand nicht unter Kontrolle. Dort erschwerten Hitze und starke Winde weiter die Löscharbeiten.

Seit Ende Juli waren in der Türkei mehr als 200 Brände ausgebrochen, etwa die Hälfte der 81 Provinzen waren betroffen. Besonders große Zerstörung hat das Feuer in den Küstenprovinzen Antalya und Mugla angerichtet. Alleine in Mugla verbrannten lokalen Behörden zufolge mehr als 66.000 Hektar Land. Schätzungen zufolge wurden insgesamt etwa 150.000 Hektar Land (1.500 Quadratkilometer) zerstört - eine Fläche fast drei mal so groß wie der Bodensee. Zur Brandursache wird weiter ermittelt.

Ein Feuer bereitete den türkischen Behörden allerdings weiter Kopfzerbrechen. Starker Wind heizte die Flammen im Bezirk Köycegiz weiter an, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Ein Reporter des Senders CNN Türk sagte, Funken sprängen immer wieder über und das Feuer breite sich weiter aus. Durch das gebirgige Gelände könnten die Einsatzkräfte den Brand vom Land aus schlecht erreichen und bekämpften die Flammen aus der Luft.

In Griechenland sind die Schäden enorm. „Die Daten ändern sich ständig, weil die Ereignisse noch im Gange sind“, sagte Niki Evelpidou, an der Athener Uni Professorin für Geologie und Geo-Umwelt am Dienstag der Tageszeitung „Kathimerini“. Und selbst wenn die Brände gelöscht seien, sei damit die Gefahr noch nicht gebannt. Oft folgten „Überschwemmungen, Schlammlawinen und Erdrutsche, die bei starken Regenfällen katastrophal sein können, was in den letzten Jahren sehr häufig vorkam“.

Die größte Fläche ist den Wissenschaftern zufolge bisher auf der Insel Euböa verbrannt, wo die Feuer noch nicht einmal gelöscht sind: Rund 51.000 Hektar Wald liegen dort bereits in Asche. Auch die Halbinsel Peloponnes ist stark betroffen, dort sollen in der Region des antiken Olympia 10.000 Hektar verbrannt sein.

Auf Euböa ist die Lage alles andere unter Kontrolle: Die großen Waldbrände lodern weiterhin unkontrolliert, wenngleich es in der Nacht auf Dienstag Feuerwehr, Anrainern und Freiwilligen gelang, mehrere Orte vor den Flammen zu schützen. Dienstagmittag allerdings wurden die Bewohner der Ortschaften Istiaia und Asmini per Not-SMS aufgerufen, ihre Dörfer zu verlassen. Es seien 873 Feuerwehrleute im Einsatz, darunter zahlreiche internationale Helfer, teilte die Feuerwehr mit. Aus der Luft wurden die Flammen von 14 Löschhubschraubern bekämpft.

Der griechische Zivilschutzchef Nikos Chardalias gab inzwischen teilweise Entwarnung. Zwar gebe es nach wie vor viele Brände, aber sie seien aktuell alle von Rettungskräften eingekreist und könnten sich deshalb nicht ausbreiten, sagte er. Überhaupt besteht allmählich Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation auf der zweitgrößten griechischen Insel. Zum einen ist so viel verbrannt, dass das Feuer stellenweise von allein erlischt, weil die Flammen keine Nahrung mehr finden. Zum anderen sind die meisten anderen Brände im Land mittlerweile unter Kontrolle, und die Einsatzkräfte können sich auf Euböa konzentrieren.

Am Nachmittag brachte die griechische Regierung den Wiederaufbau der vom Feuer zerstörten Häuser im Land auf den Weg. Dies soll mit bis zu 150.000 Euro unterstützt werden. Geschädigte können vom 18. August an online einen entsprechenden Antrag stellen und erhalten schon wenige Tage später erste finanzielle Hilfen, wie der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis in Athen sagte. Unklar ist noch, wie viele Menschen, Immobilien und auch Unternehmen betroffen sind, zumal es auf der Insel Euböa und der Halbinsel Peloponnes weiterhin brennt.

Die Antragsstellung soll leicht und unbürokratisch sein, versprach Mitsotakis. Schon wenige Tage später sollen Betroffene je nach angegebener Schadenshöhe zunächst zwischen 5.000 und 20.000 Euro erhalten, bevor der Antrag dann im Detail überprüft wird.

Unternehmen können außerdem 70 Prozent des Wertes zerstörter Maschinen, Materialien und Waren geltend machen. Von der angegebenen Schadenshöhe sollen sie sofort 20 Prozent erhalten. Geschädigte Landwirte hingegen sollen vom Landwirtschaftsministerium entschädigt werden, wie es auch bei Ernteschäden üblich ist, und bekommen zusätzlich einmalig 4000 Euro.

Abschließend sollen all jene, die aufgrund der Brände im Moment keine Bleibe mehr haben, einen Mietzuschuss von 500 Euro monatlich erhalten, bis ihr Haus wieder aufgebaut ist. Außerdem werden für die Geschädigten bis auf weiteres Pensions- und Krankenkassenzahlungen sowie die Grundsteuer und die Zahlung von Steuerschulden ausgesetzt.

Unterdessen sind auch in Algerien schwere Waldbrände ausgebrochen und haben mindestens sieben Menschen getötet. Zwei weitere seien zudem schwer verletzt worden, teilte die Zivilschutzbehörde des nordafrikanischen Landes am Dienstag mit. Die Feuer seien in der Region Tizi Ouzou rund 150 Kilometer östlich der Hauptstadt Algier ausgebrochen.

Häuser seien in Schutt und Asche gelegt worden, berichteten lokale Medien. Insgesamt wüteten derzeit 19 Feuer in 14 Regionen im Osten und Westen des Landes. Aus anderen Regionen gab es zunächst keine Berichte über Tote oder Verletzte. In der Provinz Medea 80 Kilometer westlich von Algier wurden Medienberichten zufolge drei mutmaßliche Brandstifter festgenommen.

Auch in Italien gibt es von Entwarnung keine Spur. Im Süden des Landes rief der Nationalpark Aspromonte weiter um Hilfe. Leider habe trotz der Appelle nur ein Löschflugzeug die Löscharbeiten in dem Naturschutzgebiet in Kalabrien an der italienischen Stiefelspitze unterstützt, erklärte Park-Präsident Leo Autelitano in der Nacht auf Dienstag. Es werde sofort weitere Hilfe benötigt.

Auf einer Karte des Waldbrand-Informationssystems Copernicus der EU waren mehrere Brände auf dem Gelände des Parks eingezeichnet. Das Gebiet um das Bergmassiv Aspromonte ist wegen seiner einzigartigen Lage und Landschaft unter den Global Geoparks der UN-Kulturbehörde UNESCO gelistet.

In Italien brennen derzeit zahlreiche Feuer in Wäldern, auf Feldern und teilweise an bewohnten Gegenden. Für Dienstag und Mittwoch sagten die Meteorologen außerdem eine Hitzewelle für weite Teile Italiens voraus. Auf den großen Inseln erwarteten die Experten teilweise bis zu 45 Grad Celsius. Das Waldbrandrisiko bleibt durch die anhaltenden Trockenheit und heiße Winde deshalb weiter hoch. Auf Sizilien und Sardinien sagte die dortige Zivilschutzbehörde für Dienstag ein erhöhtes Brandrisiko für Großteile der Inseln voraus.

Aber nicht nur das Mittelmeer ist betroffen: In Russland hat sich Staatschef Wladimir Putin in die Waldbrandkatastrophe eingeschaltet. Er wies am Dienstag an, dass mehr Einsatzkräfte in die betroffenen Regionen geschickt werden, wie der Kreml in Moskau mitteilte. Das Zivilschutzministerium müsse zudem mehr Löschflugzeuge einsetzen. Die Gouverneure sollten auch Vorschläge ausarbeiten, um den Betroffenen besser zu helfen.

Die meisten Brände wüten derzeit im Osten des Landes in der Region Jakutien (Republik Sacha) und am Baikalsee. Städte und Dörfer versinken seit Wochen im Rauch. Der Qualm habe bereits den etwa 3.000 Kilometer entfernten Ural erreicht hat und sei dort in die Städte Jekaterinburg und Tscheljabinsk gezogen, berichteten lokale Medien.

Mehr als 8.000 Helfer seien derzeit im Kampf gegen die Flammen im Einsatz, teilte die Forstschutzbehörde mit. Sie sprach von landesweit etwa 270 Waldbränden, die auf einer Gesamtfläche von 3,4 Millionen Hektar wüten, etwas weniger als am Vortag. Das entspricht rund einer Fläche der Bundesländer Nieder-, Oberösterreich und Vorarlberg zusammen.

Waldbrände betreffen aber nicht nur heiße Regionen im Sommer. In Südamerika hat aufgrund großer Trockenheit Chile mitten im Winter mit schweren Waldbränden zu kämpfen. Seit Anfang Juli wurden bei 42 Bränden fast 2.000 Hektar Wald zerstört, wie die Forstbehörde Conaf am Dienstag mitteilte.


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