WikiLeaks-Gründer Assange vor Gericht

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Erstmals seit mehr als einem halben Jahr ist der Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, bei einer öffentlichen Anhörung in London vor Gericht erschienen. Der 50-Jährige wurde per Videoschaltung aus dem Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh im Südosten der britischen Hauptstadt zugeschaltet, wo er seit mehr als zwei Jahren sitzt. Er trug langes, zurückgekämmtes Haar, eine Brille und ein locker sitzendes Hemd.

Von seinem Kragen hingen die Enden einer Krawatte lose herunter. Im Mittelpunkt der Anhörung am Mittwoch stand der Umfang des Berufungsverfahrens über den im Jänner abgelehnten Auslieferungsantrag der USA.

Vor dem Gerichtsgebäude des Londoner High Courts versammelten sich unterdessen Dutzende Unterstützer des Australiers, die mit Sprechchören wie „Free Julian Assange“ seine sofortige Freilassung forderten.

Die US-Justiz will Assange in den Vereinigten Staaten wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Eine Richterin in London hatte das Auslieferungsbegehren jedoch im Hinblick auf dessen angegriffene psychische Gesundheit und die zu erwartenden Haftbedingungen in den USA abgelehnt. Dagegen legte die US-Staatsanwaltschaft Berufung ein. Über den Umfang dieses Berufungsverfahrens, das zumindest in Teilen bereits zugelassen wurde, soll nun entschieden werden.

„Es ist absolut klar, dass die US-Regierung die Vorwürfe fallen lassen sollte. Die Biden-Regierung kann nicht die Pressefreiheit verteidigen und gleichzeitig diesen Fall weiterführen“, sagte Assanges Partnerin Stella Moris der britischen Nachrichtenagentur PA.

Der Geschäftsführer der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Am Ende ist das auch für die Glaubwürdigkeit der USA entscheidend.“ Diese hätten schließlich angekündigt, auf die Weltbühne zurückzukehren.

Assange hatte zuvor jahrelang in der Botschaft Ecuadors in London gelebt. 2019 entzog ihm das südamerikanische Land jedoch den Schutz und überließ ihn den britischen Behörden. Inzwischen hat er auch die ecuadorianische Staatsbürgerschaft wieder verloren.


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