Bevor Schikane kommt: Spielberg-Rekordrunde von Zarco

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Am Tag nach der Ankündigung eines neuen MotoGP-Layouts mit Brems-Schikane ab 2022 ist Johann Zarco in Spielberg eine neue Rekordrunde gefahren. Der französische Ducati-Pilot umrundete den 4,3 km langen Red Bull Ring am Freitagvormittag im ersten Training für den Grand Prix von Österreich in 1:22,827 Minuten mit einem Schnitt von 187,6 km/h. Damit war Zarco noch schneller als Jorge Martin eine Woche zuvor. Am Nachmittag bremste Hagel und Regen die Fahrer ein.

Kurz vor Ende des zweiten Moto3-Trainings beendete heftiger Niederschlag die zweite Übungseinheit der kleinsten Klasse, in der Österreichs Maximilian Kofler Platz 22 belegte. Der Oberösterreicher hat vergangenen Sonntag mit Platz 9 sein bestes Karriere-Ergebnis abgeliefert. Nachmittags-Schnellster in der Moto2 war WM-Leader Remy Gardner. Der Spanier Aron Canet sorgte an einem Freitag den 13. für das Ausweichmanöver des Tages.

Die MotoGP ging mit Regenreifen ins FP2 und erst im Finish wieder mit Slicks auf die aufgetrocknete Strecke. Schnellster war Iker Lecuona vom KTM-Satellitenteam Tech3. „Uns hat der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erklärte Teammanager Mike Leitner die Rückstände seiner Werksfahrer Brad Binder (10.) und Miguel Oliveira, die damit wie schon letzte Woche schlecht ins Heimrennen starteten. Vorjahres-Sieger Oliveira hatte im Rennen aufgeben müssen, Binder war zuletzt von Startplatz 16 aus immerhin auf Rang vier gerast.

Martin hat nicht nur das letzte Rennen gewonnen, sondern zuvor im Qualifying auch den Rundenrekord von Marc Marquez aus 2019 als Erster unter 83 Sekunden gedrückt. Nun legte Zarco nach. Marquez wiederum ist bisher in Spielberg vor allem durch seine brutale Fahrweise aufgefallen.

Und das, obwohl es dieses Jahr mit Jason Dupasquier (19) und Nachwuchspilot Hugo Millan (14) schon zwei Todesopfer gegeben hat und kürzlich Dani Pedrosa und Lorenzo Savadori in Spielberg einer Katastrophe knapp entkommen sind. Dazu kommt, dass Marquez nach eigenen Angaben wegen seiner langen Verletzungspause ohnehin nicht um die aktuelle WM kämpft, sondern schon alles auf 2022 ausrichtet.

Dennoch hatte der achtfache Weltmeister vergangenen Sonntag Aleix Espargaro gleich zweimal heftig von der Piste gedrängt, was den Aprilia-Piloten in Rage brachte. Speziell die Stewards, die Marquez trotzdem nicht bestraft hatten, bekamen den Zorn von Espargaro zu spüren.

Großes Spielberg-Thema ist aber der Eklat zwischen Maverick Vinales und Yamaha. Der Spanier hat seinen Vertrag bereits vorzeitig mit Saisonende gelöst und beim Steiermark-GP offensichtlich versucht, seinen Motor mit heftigen Gasstößen kaputt zu machen. Ein absolutes No-Go für die Japaner. Yamaha hat das Motorrad von Vinales deshalb vom zweiten Österreich-Rennen zurückgezogen.

Damit fehlt am Sonntag nicht nur eine Werks-Yamaha sondern auch ein Aprilia-Pilot, weil auch Savadori nach seinem Knöchelbruch nicht ersetzt wird. Auch KTM-Wild-Card-Testfahrer Pedrosa ist nicht mehr mit dabei.

Der Rennstreckenbetreiber hat nach drei roten Flaggen in Folge für nächstes Jahr aus Sicherheitsgründen ein neues Strecken-Layout angekündigt, das eine Schikane im Bereich der Kurve 2 beinhaltet. Die Motorräder werden dort künftig stark eingebremst. Nur noch diese Woche können also bestehende Rekordzeiten verbessert werden. Der Ring ist hinsichtlich Rundenschnitt die schnellste MotoGP-Strecke der Welt.

Auch am Wochenende sind in Spielberg Regenschauer wahrscheinlich. Dennoch wird beim elften WM-Saisonlauf ein Zuschauer-Ansturm erwartet. Einerseits, weil im Vorjahr wegen Corona keine Zuschauer an der Strecke erlaubt waren. Zweitens, weil Szene-Star Valentino Rossi (42) am Saisonende aufhört. Rossi ist damit zum letzten Mal live als Motorrad-Rennfahrer auf der Strecke, wo er 1996 sein erstes WM-Podium geholt hat, zu sehen.


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