Eröffnung des Festival Grafenegg als heroisches Unterfangen

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Unter keinem besonders günstigen Stern ist Freitagabend die Eröffnung des Festivals Grafenegg gestanden, das in die 15. Saison geht. Nach einem Coronafall (ein zweimal geimpfter Sänger war positiv getestet worden) beim Wiener Singverein musste das Requiem von Giuseppe Verdi ohne Chor bestritten werden. Das Publikum zollte dem Abend demonstrativ minutenlangen Applaus.

Hatte es in einer Aussendung des Festivals geheißen, der Verzicht auf den Chor sei „in Absprache mit der Landessanitätsdirektion“ erfolgt, formulierte Intendant Rudolf Buchbinder in seinen Begrüßungsworten, die Landessanitätsdirektion habe die Mitwirkung des Chors „untersagt“. Daher entschied man sich zu einer entsprechend gekürzten Fassung des Werks - nicht zuletzt, um die in der Tat attraktive Besetzung der Solisten (Krassimira Stoyanova, Clémentine Margaine, Piotr Beczała und René Pape) nicht auch noch opfern zu müssen bzw. eine Totalabsage zu riskieren.

Ein heroisches Unterfangen, das natürlich auch dem Tonkünstler-Orchester NÖ unter seinem Chefdirigenten Yutaka Sado zu danken ist. Dennoch ist klar, dass das Verdi-Requiem ohne Chor ein Torso bleiben muss. Gerade der Umstand, dass der Chor ausgespart blieb, zeigte die Schmerzhaftigkeit von Lücken auf. Wie überhaupt die Programmierung eines Requiems als Eröffnungsrepertoire eines Festivals eher ungewöhnlich erscheint (abgesehen vom 2018 ebenfalls zur Eröffnung aufgeführten „War Requiem“ von Britten), aber wohl in Anbetracht der gefährlichen Pandemie und ihrer Opfer nachvollziehbar sein mag.

Eröffnet wurde der Abend mit der Uraufführung einer Fanfare von Toshio Hosokawa, die vom Grafenegg Festival in Auftrag gegeben wurde, und sinnigerweise mit der Ouvertüre von Verdis „Die Macht des Schicksals“. Vor dem Eröffnungskonzert wurde im Schlosspark der Komponistenbaum für Hosokawa gepflanzt. Der Composer in Residence 2021 hatte eine Tokio-Kirsche ausgewählt. Stellvertretend für Hosokawa, der aufgrund der aktuellen Reiseschwierigkeiten nicht vor Ort sein konnte, pflanzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer seines Composer-Conductor-Workshops „Ink Still Wet“ den Baum.

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