Mindestens 29 Tote bei schwerem Erdbeben in Haiti

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Bei dem schweren Erdbeben im Südwesten Haitis sind mindestens 29 Menschen ums Leben gekommen. Dies teilte Katastrophenschutzchef Jerry Chandler am Samstag mit. Demnach starben 17 Menschen im südwestlichen Department Grand-Anse Südwesten und 12 im Department Sud. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS erschütterte der Erdstoß der Stärke 7,2 am Samstagmorgen (Ortszeit) das Land. Nun ist es auch noch zu mehreren Nachbeben gekommen. Außerdem naht ein Sturm.

Unter den Toten befand sich auch der ehemalige Senator Jean Gabriel Fortuné, der laut „Gazette Haiti“ in der Stadt Cayes unter den Trümmern seines Hotels begraben wurde. Interims-Premierminister Ariel Henry bezeichnete die Situation auf Twitter als „dramatisch“ und kündigte an, dass die Regierung den Notstand ausrufen werde.

Nach Angaben der USGS bebte die Erde am Samstag in der Region noch mehrfach mit Stärken von bis zu 5,2. Das heftige Hauptbeben hatte sich auf der südlichen Halbinsel Tiburon etwa 125 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince ereignet. Die US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit (USAID) schrieb auf Twitter, dass Experten für Katastrophen vor Ort seien, um die Schäden zu beurteilen.

Die schwersten Erschütterungen waren im ganzen Land zu spüren, Behörden und Einwohner berichteten von schweren Schäden an Wohnhäusern und Gebäuden. Nach Angaben von Bewohnern der nur wenige Kilometer vom Epizentrum entfernten Küstenstadt Jérémie stürzte das Dach der dortigen Kathedrale ein. Schwere Schäden wurden auch aus der Hafenstadt Les Cayes gemeldet. Dort soll ein mehrstöckiges Hotel eingestürzt sein. USGS hatte zunächst eine Tsunami-Warnung ausgegeben, gab aber später wieder Entwarnung.

Die USA sagten Haiti sofortige Hilfe zu. Ein US-Regierungsbeamter erklärte, Präsident Joe Biden habe diese bereits genehmigt. Zur Koordinierung der Hilfen sei USAID-Chefin Samantha Power berufen worden.

Durch Unwetter droht Haiti weiteres Ungemach: Der Tropensturm „Grace“ könnte Anfang kommender Woche auf die Region treffen, teilte das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA mit. Erwartet werden heftige Winde und starker Regen in Haiti. Bisher warnen die Behörden vor tropischen Sturmbedingungen unter anderem für die Dominikanische Republik und Puerto Rico. Heftige Regenfälle und Wind könnten die Situation in dem vom Erdbeben betroffenen Gebiet noch verschlimmern. Beschädigte Häuser könnten endgültig einstürzen. Außerdem würden derartige Wetterbedingungen die Rettungsmaßnahmen massiv behindern.

Im Jänner 2010 waren bei einem Erdbeben der Stärke 7,0 in Haiti mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 300.000 weitere verletzt worden. Rund 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Der Schaden an Wohnhäusern und der öffentlichen Infrastruktur war verheerend.

Der Karibikstaat Haiti steckt derzeit auch in einer schweren politischen Krise. Vor gut einem Monat war Präsident Jovenel Moïse von einem Mordkommando in seinem Haus erschossen worden, die Ermittlungen zu seinem Tod gestalten sich schwierig. Erst am Freitag hatte der mit der Untersuchung des Präsidentenmordes betraute Ermittlungsrichter den Fall abgegeben.


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