Tote-Hosen-Sänger Campino las in Wien aus „Hope Street“

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Campino hat Samstagabend seine wegen Corona verschobene, ursprünglich im Burgtheater geplante Lesung in Wien nachgeholt. Bei Sommerwetter stellte der Sänger von Die Toten Hosen im Theater im Park sein Buch „Hope Street“ vor, plauderte launig über seine Leidenschaft für den FC Liverpool sowie über seine Familie und zauberte sogar Konzertstimmung hervor, die Rockfans seit Pandemiebeginn sehnsüchtig vermissen - mit Fußballliedern, Hosen-Songs und einer Johnny-Cash-Coverversion.

Dem Musiker und Neo-Autor Andreas Frege ist es wunderbar gelungen, eine Lesung zu inszenieren, die perfekt zu seinem Künstler-Alias Campino passt: Der 59-Jährige trug nicht nur (gut gewählte, repräsentative) Ausschnitte aus seinem Buchdebüt „Hope Street - Wie ich einmal englischer Meister wurde“ vor, sondern gab auch in einer Art Doppelconference anekdotenreich Einblicke in sein Leben. Und immer wieder garnierte er, unterstützt vom Hosen-Gitarristen Kuddel, seit seinem 15. Lebensjahr Weggefährte Campinos, das Gesprochene mit Liedern - von Eigenkompositionen bis zum Mersey-Beat-Hit. Beim Hosen-Kracher „Steh auf wenn du am Boden bist“ gab es für die Fans kein Sitzenbleiben mehr.

Über sein erstes Buchprojekt sagte Campino im Gespräch mit der APA: „Es war ein großer Spaß, eine neue Spielwiese zu betreten. Ich habe über 500 Lieder geschrieben, da fällt es mir manchmal schwer, mich selbst noch zu überraschen. Ein Buch aber stellte für mich Neuland dar, insofern war ich wie ein Kind gespannt, was wohl passieren würde. Ich habe dieses Projekt auch nur an zwei Tagen verflucht. Das ist wenig! Wenn ich ein neues Album aufnehme, gibt es zwei Tage, an denen ich glücklich bin, und der Rest ist Fluchen“, schmunzelte er.

Die Stärke von „Hope Street“ liegt neben dem Inhalt in der Erzählweise Campinos. „Die Lektoren haben mir vor dem Projekt immer gesagt, es wird darum gehen, meinen eigenen Ton, meinen eigenen Sound zu finden. Das hat mich ein bisschen verschreckt, denn ich kann mich gar nicht verstellen. Mein Ansatz war daher: Ich schreib das jetzt hin, lasse es fließen und dann schauen wir mal, ob das einen Sound hat oder nicht.“

Das Buch habe er „wie ein Roadmovie angelegt“, erzählte der Punkrocker. „Ich bin losgestürmt und habe mich treiben lassen von den Gedanken, die mir auf dieser Reise in den Weg kamen.“

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