Locarno-Publikumspreis an Ruzowitzkys „Hinterland“

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Zum Abschluss des 74. Internationalen Filmfestivals Locarno wurden Samstagabend auf der Piazza Grande des Ferienortes am Schweizer Ufer des Lago Maggiore die am Nachmittag verkündeten Preisträger vorgestellt. Den Tausenden Besuchern der Freiluft-Gala wurde auch verkündet, welcher Film den per Zuschauer-Abstimmung vergebenen Publikumspreis gewonnen hat. Die Ehrung ging an den österreichischen Anti-Kriegs-Thriller „Hinterland“ von Regisseur Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“).

Das formal ausgetüftelte Werk des Oscar-Preisträgers Ruzowitzky mit Murathan Muslu in der Hauptrolle als einstiger Kriminalbeamter Peter Perg heimste die Auszeichnung ein, die für einen außerhalb aller Wettbewerbe bei einer der abendlichen Piazza-Aufführungen gezeigten Film vergeben wird. „Hinterland“ soll nach derzeitigem Stand ab 8. Oktober in den heimischen Kinos zu sehen sein.

Der Hauptpreis, der Goldene Leopard, ging in diesem Jahr an die Sozialstudie „Vengeance is Mine, All Others Pay Cash“ aus Indonesien. Der Filmtitel bedeutet auf Deutsch übersetzt „Die Rache ist mein, alle anderen zahlen bar“. Der 43 Jahre alte indonesische Regisseur Edwin („Die Nacht der Giraffe“) reflektiert darin die von Gewalt geprägte jüngere Geschichte seines Heimatlandes.

Im zweiten wichtigen, allerdings dem Nachwuchs vorbehaltenen Wettbewerb „Filmemacher der Gegenwart“ konnte Deutschland einen besonders großen Erfolg verbuchen: Saskia Rosendahl („Fabian oder der Gang vor die Hunde“) erhielt für ihre Interpretation einer mit dem Leben unzufriedenen jungen Frau in der Romanverfilmung „Niemand ist bei den Kälbern“ die Ehrung als beste Schauspielerin.

Der Preis für die beste Regie im Hauptwettbewerb ging an den US-Amerikaner Abel Ferrara („Bad Lieutenant“) für den Polit-Thriller „Zeros and Ones“. Den Spezialpreis der Jury des Hauptwettbewerbs bekam das Historiengemälde „A New Old Play“ des chinesischen bildenden Künstlers und Regisseurs Qi Jiongjiong.

Im Hauptwettbewerb wurde die Russin Anastasiya Krasovskaya als beste Schauspielerin in der Milieustudie „Gerda“ von Regisseurin Natalya Kudryashova (Russland) ausgezeichnet. Mohamed Mellali und Valero Escolar wurden gemeinsam als beste Schauspieler in der Arbeiter-Komödie „Sis dies corrents“ („The Odd-Job Men“) der spanischen Filmregisseurin Neus Ballús („Die Plage“) geehrt.

Im Hauptwettbewerb vertreten war auch der Wiener Regisseur Peter Brunner mit seinem neuen Film „Luzifer“. Shootingstar Franz Rogowski und Susanne Jensen spielen in dem symbolbeladenen Essay einen geistig zurückgebliebenen jungen Mann und seine Mutter, die in einer einsamen Berghütte ein glaubensgeprägtes Dasein führen, bis die Zivilisation in diese vermeintliche Idylle einzubrechen droht. Brunner ging damit im Hauptbewerb zwar leer aus, wurde aber von der unabhängigen Jury mit dem „Boccalino d‘Oro“ für die beste Regie prämiert, wie die Ulrich Seidl Filmproduktion auf Facebook mitteilte.

Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) gratulierte Ruzowitzky und Brunner am Sonntag in einer Aussendung zu den Erfolgen in Locarno. „Die erneut starke Beteiligung des österreichischen Films bei einem internationalen Filmfestival freut mich sehr.“ Die Preise seien ein Beweis für die „Vielfalt und Qualität, die den österreichischen Film auszeichnet. Schon seit Jahren wird ihm internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung zu teil.“ Auch Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) zeigte sich am Sonntag erfreut, „dass der österreichische zeitgenössische Film eine weitere internationale Anerkennung erfahren hat“.

Der vor allem für zahllose Horrorfilme wie „Suspiria“ (1977) bekannte italienische Filmregisseur Dario Argento (80) bekam unterdessen einen Ehren-Leoparden für sein Lebenswerk. Er wurde ihm von der jetzt 71-jährigen Hollywood-Regie-Legende John Landis („Blues Brothers“), der am Vorabend mit einem Ehrenpreis des Festivals ausgezeichnet worden war, überreicht.

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