KTM-Binder gewinnt „verrückten“ Motorrad-GP von Österreich

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Brad Binder hat in einem verrückten MotoGP-Rennen alles riskiert und für einen unerwarteten KTM-Heimsieg in Spielberg gesorgt. Der Südafrikaner blieb Sonntag im Grand Prix von Österreich trotz Regens auf profillosen Trockenreifen und rettete im Finish mit einer riskanten Rutschpartie den Triumph auf der Werksmaschine aus Oberösterreich. Binder siegte vor den beiden Ducatis von Francesco Bagnaia und Jorge Martin. In der WM führt weiter der Franzose Fabio Quartararo (Yamaha).

Obwohl nach drei Unfall-Abbrüchen in Folge das Rennen der MotoGP in Österreich diesmal in einem durchgezogen werden konnte, hatte das Rennen vor 86.376 Zuschauern (145.090 gesamt) erneut zwei Hälften. Auf zunächst noch trockener Piste hatte der spanische Vorwochen-Sieger Jorge Martin von der Pole aus keinen optimalen Start, fuhr aber zunächst stets im von Bagnaia angeführten Spitzenfeld. Nach Halbzeit drehte auch Marc Marquez groß auf und ging auf seiner unterlegenen Honda kurzzeitig sogar in Führung.

Schien zu diesem Zeitpunkt sogar der zweite Sieg nach dem Verletzungs-Comeback des achtfachen Weltmeisters Marquez möglich, warf der sechs Runden vor Schluss immer stärker werdende Regen dann alles über den Haufen. Während die meisten Fahrer in dem Flag-to-Flag-Rennen zum Wechsel auf das Regenbike an die Box kamen, blieb Binder mit Slicks auf der Strecke. Letztlich konnte selbst eine Track-Limit-Strafe den zweiten MotoGP-Sieg des im Finish bei strömendem Regen immer wieder von der Strecke schlitternden Südafrikaners nicht mehr verhindern.

Binder hatte im Vorjahr in Brno für den allerersten MotoGP-Sieg von KTM gesorgt, Miguel Oliveira dann in Spielberg mit dem ersten Heimsieg nachgelegt und die Ducati-Siegesserie in der Steiermark beendet. Während Oliveira diesmal ausfiel, sprang Binder in die Bresche. War er eine Woche davor von P16 auf Platz vier gefahren, schaffte er diesmal vom P10 und aus der vierten Reihe sogar den Sieg.

„Als der Regen gekommen ist, habe ich gerechnet, womit ich mehr Zeit verliere“, erklärte Binder seinen „Gamble“. „Die erste Runde war noch okay, der Rest dann wirklich angsteinflößend. Denn die Reifen waren im Keller, die Bremsen kalt. Mehrmals habe ich gedacht, jetzt ist es vorbei“, staunte Binder über seine Fahrt auf nassem Asphalt. „Es war ein Heimrennen von KTM. Da muss man etwas riskieren“, sagte Binder lachend. „Das Spielchen ist gelungen. Ein großer Tag.“

Während man bei KTM nach schwachen Trainings den dritten GP-Sieg in der Königsklasse bejubelte, kam Valentino Rossi durch den finalen Trubel zu Platz acht und seine bisher beste Saisonplatzierung. Die Fans feierten den „Doktor“ mit Applaus und gelbem Nebel. Ein Helikopter flog nach dem Rennen mit einer riesigen „Danke“-Fahne über die Rennstrecke. Rossi hört nach 26 Jahren im GP-Sport am Saisonende auf.

Zuvor hatte der nur aus Reihe fünf gestartete Spanier Sergio Garcia das Rennen der Moto3-Klasse gewonnen. Der GasGas-Pilot setzte in der vorletzten Kurve das entscheidende Manöver. Der überlegene WM-Leader Pedro Acosta (KTM) begnügte sich mit Platz vier.

Der Österreicher Max Kofler wurde 22. Ihm war eine Woche davor beim Steiermark-GP auf nasser Fahrbahn von Startplatz 24 aus ein Blitzstart gelungen, obwohl es sein Comebackrennen nach langer Verletzungspause gewesen war. Am Ende hatte der Oberösterreicher als 9. über seine bisher mit Abstand beste WM-Platzierung gejubelt.

Auch dieses Mal kam Kofler von P23 aus sehr gut weg und fuhr lange als 15. in den Punkterängen. Die Ziellinie kreuzte der Österreicher als 16. Wegen Verletzung der Track Limits (Streckenbegrenzung) kassierte Kofler Strafsekunden und kam nur als 22. in die Ergebnisliste.

Das Rennen der Moto2-Klasse ging an den Spanier Raul Fernandez vom KTM-Ajao-Team. Ihm gelang der bereits vierte Saisonsieg, er fährt 2022 wie Teamkollege Remy Gardner im KTM-Tech3-Team der MotoGP. Der Australier Gardner wurde dieses mal nur 7., führt aber weiter in der WM.

In den beiden Nachwuchs-Rennen zum Rookies Cup belegte der Linzer Jakob Rosenthaler die Plätze 20 und 18. Den Fünf-Runden-Sprint der elektrischen MotoE gewann der Deutsche Lukas Tulovic, die Spanierin Maria Herrera wurde 17.


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