Unverändert heftige Waldbrände am Mittelmeer und in Sibirien

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Wald- und Buschbrände halten mehrere Regionen am Mittelmeer und in Ostsibirien weiter in Atem. Neben den bereits bekannten Krisenregionen - derzeit vor allem Israel, Griechenland und Italien - kamen mit Südfrankreich und der portugiesischen Algarve weitere hinzu. Unterdessen scheinen die Feuer in Ostsibirien völlig außer Kontrolle geraten zu sein. In Russland brennt derzeit eine Fläche deutlich größer als halb Österreich.

Der Waldbrand bei Jerusalem wütete am Dienstag den dritten Tag in Folge: Acht Löschflugzeuge und ein Helikopter nahmen ihren Einsatz wieder auf. Die Einsatzkräfte schienen die Lage im Laufe des Tages aber mehr und mehr unter Kontrolle zu bringen. Die Feuerwehr habe den Minister für innere Sicherheit, Omer Bar-Lev, darüber informiert, dass internationale Hilfe bei der Brandbekämpfung nicht mehr notwendig sei, sagte ein Sprecher. „Das Feuer ist noch nicht komplett gelöscht worden, aber wir glauben, dass wir dieses Ereignis im Laufe der kommenden 24 Stunden mit den Instrumenten beenden können, die wir haben.“

Wie die Feuerwehr mitteilte, dürfen die Einwohner von drei Ortschaften noch nicht in ihre Häuser zurückkehren. Israel hatte am Montag nach eigenen Angaben mehrere Länder um Hilfe bei der Brandbekämpfung gebeten. Griechenland habe Unterstützung zugesagt, teilte Außenminister Jair Lapid auf Twitter mit. Nachdem der Waldbrand am Sonntag ausgebrochen war, hatten nach Angaben der Polizei Tausende Menschen ihre Häuser verlassen müssen.

Wie die „Times of Israel“ berichtete, sind mittlerweile rund 2.000 Hektar Wald verbrannt. Nach einem Bericht des Armeesenders geht die Polizei davon aus, dass das Feuer durch Menschen verursacht worden ist. Es müsse sich aber nicht unbedingt um Brandstiftung handeln, sondern könne auch durch Unachtsamkeit entstanden sein.

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In Griechenland kämpften lokale und internationale Feuerwehrleute weiter gegen einen unkontrollierten Wald- und Buschbrand im Westen der griechischen Hauptstadt Athen. In der Früh wurde die Evakuierung etlicher nahe gelegener Ortschaften angeordnet. Es handelte sich Medienberichten zufolge um eine kilometerlange Feuerfront in der Nähe des Ortes Vilia, die bereits am Montagabend ausbrach. Der Rauch des Feuers war so stark, dass man ihn auch auf Satellitenbildern sah.

Laut Feuerwehr waren rund 330 Einsatzkräfte mit 115 Fahrzeugen an Ort und Stelle. Dienstagfrüh konnte zudem wieder mit Löscharbeiten aus der Luft begonnen werden. Im Einsatz waren sechs Hubschrauber und fünf Flugzeuge. Insgesamt registrierte die griechische Feuerwehr von Montag- bis Dienstagfrüh 44 neue Waldbrände.

Auch in Süditalien gingen die Löscharbeiten im Kampf gegen die Wald- und Buschbrände weiter. Vor allem auf Sizilien galt mit Ausnahme einer Provinz im Nordosten die höchste Waldbrand-Warnstufe. Im Süden geben Trockenheit, Hitze und starke Winde den Flammen immer wieder Nährboden. Auch Löschflugzeuge sind vielerorts auf den großen Inseln, in Kalabrien am Südzipfel des Festlandes oder etwa im Latium, wo Rom liegt, im Einsatz. Die Zivilschutzbehörde zählte nach Angaben vom Montagabend seit Mitte Juni mehr als 1.000 Anfragen für Löschunterstützung aus der Luft.

In Südfrankreich wurden Tausende Anrainer und Touristen vor einem schweren Waldbrand in Sicherheit gebracht. Nahe dem Badeort Saint-Tropez wurden nach Behördenangaben vom Dienstag mehrere Campingplätze und Wohnhäuser evakuiert. Es kämpften rund 900 Feuerwehrleute gegen den Waldbrand, der am Montag ausgebrochen war und sich über 5.500 Hektar Land erstreckte. Auch Löschflugzeuge waren im Einsatz. Starker Wind behinderte die Löscharbeiten. Der Radiosender France Info berichtete von drei leicht Verletzten und rund 20 Menschen, die Rauchgasvergiftungen erlitten.

„Tausende Menschen wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht“, sagte eine Feuerwehrsprecherin des Verwaltungsbezirks Var an der Côte d‘Azur, wo sich im August viele Urlauber aufhalten. Betroffen waren nach Angaben der Rettungskräfte vor allem Bewohner und Touristen rund um die Orte Grimaud und La Môle. Viele mussten die Nacht in Gemeindesälen oder Turnhallen von Nachbargemeinden verbringen.

Der Kampf gegen die Flammen sei „sehr schwierig“, sagte Feuerwehr-Kommandantin Delphine Vienco. Starker Wind fache die Flammen an, die sich mit deutlich höherer Geschwindigkeit ausbreiteten als bei vorherigen Bränden. Auch Weinberge brannten teilweise nieder. Die Präfektur rief die Menschen auf, die Straßen zwischen dem Golf von Saint-Tropez und der Gemeinde Bormes-Les-Mimosas für Rettungskräfte frei zu halten. Den Behörden zufolge handelt es sich um einen der größten Waldbrände in Frankreich in diesem Sommer.

In Portugal kämpften am Dienstag rund 600 Feuerwehrleute gegen einen Waldbrand an der Algarve. Ein Feuerwehrmann wurde nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde bei Löscharbeiten nahe dem Ort Castro Marim verletzt und musste mit Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht werden, zwei weitere erlitten Rauchgasvergiftungen. Das Feuer fraß sich in Richtung Küste vor, die Autobahn zwischen dem Osten und dem Westen der Algarve wurde gesperrt.

Die verheerenden Waldbrände in Russland bekommen die Einsatzkräfte unterdessen nicht unter Kontrolle. Nach Daten der Forstschutzbehörde vom Dienstag breiteten sich die Feuer weiter aus. Demnach gab es landesweit 238 Brände auf einer Gesamtfläche von 4,6 Millionen Hektar. Das ist eine Fläche deutlich größer als halb Österreich.

Am schwersten betroffen ist noch immer die Teilrepublik Jakutien im Osten Sibiriens - mehr als 4.000 Kilometer von Moskau entfernt. Allein dort brennt es der Behörde zufolge aktuell auf einer Fläche von 4,4 Millionen Hektar. Es seien derzeit mehr als 4.200 Helfer im Einsatz. Seit Tagen versuchen die Einsatzkräfte ein Übergreifen der Flammen auf mehrere Dörfer in der dünn besiedelten Region zu verhindern. Das Zivilschutzministerium schickte ein weiteres Löschflugzeug in die Region.

Zuletzt hatte Präsident Wladimir Putin mehr Anstrengungen bei den Löscharbeiten gefordert. Er sagte bei einer Krisensitzung, die Schäden an der für das Weltklima wichtigen Taiga und in anderen Wäldern müssten minimiert werden.


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