Thiem muss für US Open und restliche Saison absagen

  • Artikel
  • Diskussion

Eine nicht ganz unerwartete Hiobsbotschaft hat Tennis-Fans am Mittwoch aus dem Lager von Dominic Thiem erreicht. Der US-Open-Sieger 2020 kann seinen Titel beim am 30. August beginnenden Grand-Slam-Turnier in New York wegen seiner weiterhin nicht ausgeheilten Verletzung am rechten Handgelenk nicht verteidigen. Thiem fällt sogar für den Rest der Saison aus. Das gab der 27-jährige Niederösterreicher am Mittwoch über sein Management „Kosmos“ bekannt.

Thiem hatte sich am 22. Juni beim Wimbledon-Vorbereitungsturnier auf Mallorca einen Einriss in der Sehnenscheide und der dazugehörigen Gelenkskapsel zugezogen und hat seither kein Match bestritten. „Nach einer Woche Training am Tennisplatz habe ich noch immer Schmerzen im Handgelenk gespürt und habe gewusst, dass es noch nicht hundertprozentig verheilt ist“, erklärte der Weltranglisten-Sechste in einer Aussendung.

Er habe nochmals seine Ärzte besucht. „Wir haben beschlossen, eine konservative Therapie zu versuchen, um der Verletzung mehr Zeit zum Verheilen zu geben. Ich bin sehr enttäuscht, meinen US-Open-Titel nicht verteidigen zu können und den Rest der Saison zu verpassen“, erklärte Thiem. Dennoch glaubt er, dass diese Entscheidung richtig sei. „Ich habe in meiner Karriere noch viele Jahre vor mir und werde erst zurückkommen, wenn ich komplett fit und in perfekter Form für harte Matches bin.“

Davon ist Thiem derzeit offenbar noch weit entfernt. Vergangenen Donnerstag hätte er bei einer Vorhand im Training fast den gleichen Schmerz gespürt wie vor zwei Monaten auf Mallorca, präzisierte der 17-fache Turniersieger im ORF-Fernsehen. „Die Untersuchungen haben ergeben, dass die Sehnenscheide noch immer nicht verheilt ist“, sagte Thiem. Frühestens Ende Oktober bzw. Anfang November will Thiem das Training wieder aufnehmen. „Wenn alles nach Plan läuft.“ Seine „Idealvorstellung“ wäre, danach zu Jahresbeginn in Australien auf die Tour zurückzukehren.

„Das ist meine erste wirklich schwere Verletzung, das ist auch eine neue Situation“, sagte Österreichs Tennis-Star. „Daran muss ich mich auch ein bisschen gewöhnen.“ Sorgen, dass er ähnlich wie Juan Martin del Potro, der US-Open-Sieger von 2009, jahrelang mit Handgelenksproblemen zu kämpfen haben könnte, macht sich Thiem nicht. Ich glaube, Del Potro hat ein bisschen was anderes gehabt. Die Spieler, die die Verletzung von mir gehabt haben, sind alle sehr, sehr stark zurückgekommen.“

Thiem soll nun weitere sechs Wochen eine Schiene tragen, bevor er mit spezifischen Übungen für das Handgelenk sowie Stärkungsübungen beginnen kann, um danach das Training auf dem Platz wieder aufnehmen zu können. Nach einer dreiwöchigen Testphase hat er nun auch den Briten Jez Green, der bereits mit Andy Murray und Alexander Zverev zusammengearbeitet hat, als neuen Fitnesstrainer verpflichtet.

Für Thiem geht ein aus seiner Sicht rabenschwarzes Jahr vorzeitig zu Ende. Der Niederösterreicher, der wegen seiner nun fix über sechsmonatigen Verletzungs-Auszeit ein „geschütztes Ranking“ beantragen kann, beschließt die Saison mit 9 Siegen und 9 Niederlagen. Thiems größte Erfolge 2021 sind das Achtelfinale bei den Australian Open und das Semifinale beim Masters-1000-Turnier in Madrid.

Vor Madrid hatte er eine siebenwöchige Pause eingelegt, für die auch schon Verletzungen sowie Motivationsprobleme die Ursache waren. Danach folgte das überraschende Erstrunden-Aus bei den French Open gegen den Spanier Pablo Andujar und schon kurz danach die verhängnisvolle Verletzung auf dem Rasen von Mallorca.

Besonders bitter ist Thiems Saisonende auch für das österreichische Davis-Cup-Team, das im November in Innsbruck in der Gruppenphase gegen Serbien und Deutschland nun ohne seine Nummer eins antreten muss. „Das ist schon eine harte Nachricht. Ich habe vor ein paar Tagen schon gehört, dass es voraussichtlich so ist“, erklärte Österreichs Davis-Cup-Kapitän Stefan Koubek gegenüber der APA - Austria Presse Agentur.

Koubek hatte als Spieler einst selbst ein Handgelenksproblem, allerdings nicht auf der linken Schlaghand, sondern im „nur“ für die Rückhand eingesetzten rechten Handgelenk. Bei ihm war damals aber mit einer Spritze alles erledigt. „Bei Dominic ist ja etwas eingerissen. Das Handgelenk ist ein sehr kompliziertes Thema. Man muss sich echt Zeit nehmen, das kann dauern“, sagte der Kärntner und erinnerte an Del Potro. „Der war ja auch lange genug raus, aber man hat auch gesehen, man kann wieder zurückkommen.“

Die Einzel-Alternativen von Koubek liegen neben Dennis Novak, der kürzlich Vater wurde, nun bei Jurij Rodionov und Sebastian Ofner. Im Doppel rechnet der Kapitän mit Philipp Oswald und Oliver Marach. Thiem trauert der Chance nach, er habe sich schon lange auf den Davis Cup gefreut: „Das wäre ein absolutes Highlight gewesen, vielleicht auch ein gewisses Karrierehighlight. Das tut weh, dass ich das verpassen werde.“ Ohne ihn ist Österreich in Innsbruck nun krasser Außenseiter.


Kommentieren


Schlagworte