In Afghanistan breiten sich Proteste gegen Taliban aus

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In Afghanistan flammen nach der Übernahme der Macht durch die radikal-islamischen Taliban erstmals in mehreren Teilen des Landes Proteste auf. Am Nationalfeiertag sei es in Kabul und in mehreren Städten im Osten des Landes zu Menschenansammlungen gekommen, bei denen afghanische Fahnen geschwenkt wurden, hieß es. In Asadabad wurden bei Protesten laut einem Augenzeugen mehrere Menschen getötet. Unklar ist, ob sie durch Taliban-Schüsse oder wegen einer Massenpanik starben.

In sozialen Medien kursierten Videos, wie etwa in Kabul eine Menge mit geschätzt 100 Menschen durch eine Straße zog und die rot-schwarz-grüne Flagge hochhielt. Die Demonstranten riefen „Lang lebe Afghanistan“ und „Unsere Flagge, unser Stolz“. Die Nationalflagge entwickelt sich seit der Machtübernahme der Taliban zunehmend zu einem Protestzeichen gegen die Islamisten, die eine eigene Fahne haben - weiß, mit dem islamischen Glaubensbekenntnis. Am 19. August wird in Afghanistan die Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien gefeiert.

Die Lage rund um den Flughafen in der Hauptstadt Kabul blieb am Donnerstag weiter unübersichtlich. Viele Afghanen versuchten weiter verzweifelt, diesen zu erreichen, um nach der Einnahme der Stadt durch die Rebellen aus dem Land zu fliehen. „Die Situation ist angespannt“, sagte der deutsche Bundeswehr-Brigadegeneral Jens Arlt. Die Menschen müssten Kontrollringe der Taliban überwinden, um zum Airport zu kommen. Ein Taliban-Vertreter rief Menschen ohne Ausreise-Erlaubnis auf, den Flughafen zu verlassen. Seit Sonntag sind dort laut Taliban und NATO zwölf Menschen ums Leben gekommen.

US-Präsident Joe Biden schloss nicht aus, dass die US-Streitkräfte über den genannten Abzugstermin 31. August hinaus im Land bleiben würden. Voraussetzung für den Abzug sei eine vorherige Evakuierung aller US-Amerikaner. Zu möglichen Angriffen der Taliban sagte er in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC: „Die Taliban wissen, dass wir zurückschlagen werden wie es die Hölle kaum erlaubt, falls sie amerikanische Bürger oder das amerikanische Militär angreifen sollten.“

Unklar blieb weiter, wie die vielen Ortskräfte, die sich in Kabul aus Sorge um ihr Leben vor den Taliban verstecken, zum Flughafen kommen und ausgeflogen werden können. Der äußere Bereich des Flughafens gleiche angesichts der Menschenmassen „einem überfluteten Fußballstadion“, so Arlt. In der Masse müssten dann Menschen gefunden werden, die Ausreisen könnten und in den inneren Bereich gebracht werden. Dies gleiche der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Bekannt ist indes, dass Gespräche mit den Taliban über eine sichere Passage für Ausreisende geführt werden. Offen ist aber, welche möglichen Zugeständnisse oder Angebote die Länder den Fundamentalisten machen.

In Asadabad, Hauptstadt der Ost-Provinz Kunar, strömten dem Augenzeugen Mohammed Salim zufolge Hunderte von Menschen auf die Straßen, die afghanische Fahnen schwenkten. Dann habe es Schüsse der Taliban und eine Massenpanik gegeben, es gab mehrere Tote. Es sei noch unklar, ob sie durch Schüsse der Islamisten oder wegen einer Massenpanik ums Leben kamen. Am Mittwoch war es zu Protesten gegen die Taliban in Dschalalabad gekommen. Dort wurden mindestens drei Menschen getötet und mehr als ein Dutzend verletzt. Die Rebellen, die Gewaltverzicht versprochen hatten, kommentierten die Vorfälle zunächst nicht.

Widerstand bildete sich auch im Pandschschir-Tal, einer Hochburg der Tadschiken nordöstlich von Kabul. In der „Washington Post“ forderte ihr Anführer Ahmad Massoud, Chef der Nationalen Widerstandsfront Afghanistans, Waffen für den Kampf gegen die Taliban, da er weiterhin für eine freie Gesellschaft eintreten wolle. „Wir haben seit den Zeiten meines Vaters geduldig Munition und Waffen gehortet, denn wir wussten, dass dieser Tag einmal kommen wird“, so der 32-Jährige in dem Zeitungsbeitrag. Massoud ist der Sohn von einem der wichtigsten Anführer im Krieg gegen die sowjetische Besetzung in den 80er Jahren.

„Falls die Warlords der Taliban einen Angriff starten, werden sie auf unsere entschiedene Gegenwehr stoßen“, schrieb Massoud weiter. Teile der afghanischen Armee und deren Spezialkräfte hätten sich ihm angeschlossen. Zu seinem engsten Verbündeten zählt Ex-Vizepräsident Amrullah Saleh, der nach der Flucht von Präsident Ashraf Ghani erklärt hatte, er sei das legitime Staatsoberhaupt.

Während der Herrschaft der Taliban von 1996 bis 2001 war es Massouds Vater, Ahmad Schah Massoud, gelungen, Angriffe der Islamisten abzuwehren. Auch den Sowjets war es nicht gelungen, das Tal zu erobern. Er starb 2001 durch ein Selbstmordattentat, die Mörder hatten sich als Journalisten verkleidet.

Unklar ist, ob die Kämpfer im Pandschschir-Tal in der Lage sind, einen Angriff der Islamisten abzuwehren. Bisher hat es keine Offensiven gegeben. Zudem war offen, ob die Stellungnahme Massouds in dem Blatt nicht ein erster Schritt hin zu Verhandlungen mit den Taliban sind.


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