Schwer zugänglich: Opern-Uraufführung „Wind“ in Bregenz

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Mit der Uraufführung von „Wind“ feierten die Bregenzer Festspiele am Donnerstag auf der ausverkauften Werkstattbühne die letzte Premiere der Saison. Die Oper des Vorarlberger Komponisten Alexander Moosbrugger, der dafür eigens eine Orgel konzipierte und bauen ließ, lud in eine wundersame Traumwelt ein. Letztlich hinterließ das Werk das Publikum aber eher ratlos als staunend. Die Künstler ernteten trotzdem wohlwollenden Applaus.

Es hilft, die wenigen Zeilen zur Handlung im Programmheft zu lesen, denn ohne diese Unterstützung erschließt sich der Inhalt von „Wind“ nur schwer. Angelehnt an den philosophischen Renaissance-Roman „Hypnerotomachia Poliphili“ tritt Poliphilo (Hagen Matzeit) auf und kämpft im Traum um die Liebe der Polia (Hanna Herfurtner). Dabei begegnet er allerlei Fabelwesen, wandelt durch fantastische Gärten und erlebt rätselhafte Episoden. Es scheint jedoch gar nicht gewollt zu sein, dass man der mysteriösen Geschichte Folge leisten kann, denn der gesprochene Text wird immer wieder verzerrt, überspielt, verfremdet, oder man hört die Akteure ganz einfach nicht, weil sie sich gerade in einem anderen Teil der Bühne aufhalten.

Diese gleicht einer antiken Triumphstraße, zu deren Seiten das Publikum auf breiten Stufen Platz nimmt. Zwischen den Zusehern befindet sich, im Raum verteilt, die titelgebende Protagonistin von „Wind“ - eine beeindruckende Rieger-Orgel aus 172 Pfeifen, die, auf kleinen Inseln angeordnet, an Stahlseilen von der Decke hängen. Die Zuseher sitzen also inmitten der weißen Traumwelt von Poliphilo, getrennt nur durch weiße Überzüge für die Schuhe - damit der Bodenbelag nicht beschädigt wird, heißt es am Eingang. Also doch nicht ganz im Stück und so verhält es sich auch mit dem Bezug zur Musik. Denn statt angesichts der traumhaften Inszenierung (Leonora Scheib) und der unmittelbaren Nähe zur Musik ins Staunen zu geraten, bleibt man wegen der monotonen musikalischen Ausgestaltung und der unverständlichen Dialoge eher ratlos zurück.

Die Sängerinnen und Sänger präsentieren Vokaltechniken aller Art und fügen sich solide in den Klangteppich, können ihre Gesangskünste aber leider nur selten voll zur Geltung bringen. Einmal begeistert Hagen Matzeit mit zarten, verführerischen Tönen und gegen Ende des Stücks Hanna Herfurtner in einem energischen Solopart und man wünscht sich, noch viel öfter von der Gesangsgewalt in den Sessel (beziehungsweise auf die eher unbequemen Stufen) gedrückt zu werden oder die Macht der Orgelpfeifen zu spüren, doch der Sound bleibt über die eineinhalb Stunden einförmig. Zum Glück lässt einen aber die gelungene Raumgestaltung (Flaka Haliti) fantasieren, insbesondere wenn kunstvolle, an die Holzschnitte aus dem Renaissance-Werk angelehnte Bilder an den Saalwänden erscheinen.

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Trotz sehr guter künstlerischer Leistungen und einer aufwendigen und beeindruckenden Raumgestaltung inklusive eigens angefertigter Orgel bekamen die Zuseher sichtlich keinen Zugang zum Traum eines anderen und verließen den Saal nach einem freundlichen Applaus ratlos. Weitere Aufführungen des in Kooperation mit dem Kunsthaus Bregenz, im Opernstudio der Festspiele entstandenen Stücks finden heute, Freitag, den 20. August und am Samstag, den 21. August, statt.

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